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Symbolfigut des Abstiegs: Davie Selke.
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Symbolfigut des Abstiegs: Davie Selke.

SV Werder

Kommentar zu Werder Bremen: Ruhe in Frieden

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Werder Bremens Abstieg ist auch das Ergebnis einer völlig verfehlten Transferpolitik und starrem Festhalten an Personen und Strukturen. Ein Kommentar.

Frank Rost, man erinnert sich, war mal einer der besten Torhüter Deutschlands. Der noch nach der alten DDR-Torwartschule ausgebildete junge Mann beerbte erst bei Werder Bremen den Meistertorwart Oliver Reck, ging zum FC Schalke 04, bis dort ein gewisser Manuel Neuer übernahm. Danach war der bisweilen aufbrausende Ballfänger immer noch gut genug, um viereinhalb Jahre für den Hamburger SV die Bälle zu halten. Seine 426 Bundesligaspiele zwischen 1995 und 2011 machte „Fäustel“, so sein Spitzname, für diese drei Klubs. Heute gilt sein Herzblut dem Pferdesport, dennoch hat Rost sich über die Pfingsttage mal wieder zum Fußball geäußert. „Mein Beileid an all meine Ex-Vereine. R.I.P.“, schrieb der 47-Jährige bei Facebook.

Tatsächlich ist es tragikomisch, dass sich Werder, Schalke und der HSV – übrigens in dieser Reihenfolge nach der Saison 2007/2008 hinter den Bayern in der Bundesligaspitze geführt – nun allesamt in der zweiten Liga wiedersehen. Die Traditionsklubs werden nicht gleich beerdigt, und in Frieden ruhen solche emotionalen Gewerke erst recht nicht. Dennoch ist es nahezu unfassbar, was da gerade passiert. Und wer nicht aufpasst – Achtung Werder und Schalke! – dreht in dieser Zweiten Bundesliga Ehrenrunde auf Ehrenrunde. Der HSV nun schon die vierte.

Es gehört festgehalten, dass der Bremer Absturz grundsätzlich anderen Mechanismen folgt als in Gelsenkirchen oder Hamburg. Nicht der ständige Austausch von Trainern, Managern und Vorständen, sondern das starre Festhalten an den Funktionsträgern hat dazu geführt, den Anschluss zu verpassen. Statt Führungskrise war es an der Weser Führungsschwäche. Vorstandschef Klaus Filbry und Aufsichtsratschef Marco Bode scheuen unbequeme Entscheidungen. Sport-Geschäftsführer Frank Baumann soll weitermachen, obwohl er erkennbar einfallslos wirkt. Werders Abstieg ist auch die Folge einer seitdem völlig verfehlten Transferpolitik. Eklatant sind die Mängel beim Scouting, bei der Nachwuchsarbeit.

Niemand will die Arbeit eines Thomas Schaaf als Technischer Direktor, Clemens Fritz als Leiter Scouting oder Tim Borowski als Co-Trainer schlechtreden. Aber bei Werder sitzen zu viele Ehemalige auf einflussreichen Posten. Nur weil sie als Spieler für die erfolgreiche Vergangenheit standen, sind sie auf anderen Positionen nicht die Zukunft. Nach dem Fast-Abstieg im Vorjahr, glücklich mit der Schützenhilfe von Union Berlin überstanden, wollte die Vereinsführung jeden Stein umdrehen, tatsächlich hat Werder aber einfach so weitergemacht.

Als dann mit Davy Klaassen der beste Spieler verkauft worden war, kündigte sich der Substanzverlust bereits an. Die Verantwortlichen verklärten viel zu schnell junge Männer wie Jean-Manuel Mbom, Felix Agu oder Romano Schmid zu neuen Hoffnungsträgern und übersahen den rapiden Formverlust von Maximilian Eggestein, Milot Rashica oder Yuya Osako. Am Ende war gar keiner mehr da, an dem sich die Mannschaft aufrichten konnte.

Das Argument vom wenigen Geld greift nicht, wie die Finanzkennzahlen von Ende 2019 offenlegen. Beim Personalaufwand (für alle Angestellten) lag Werder (71,9 Millionen Euro) weit, weit vor Augsburg (38,2), Freiburg (45,1) oder Mainz (48,9). Es lief seit Jahren grundsätzlich zu viel schief in Bremen. Werder muss sich grundsätzlich neu erfinden, vor allem muss einmal ordentlich durchgelüftet werden. Ohne Einflüsse von außen geht das nicht mehr. Wenn alle unwidersprochen in ihren Ämtern weitermachen, droht Werder womöglich wirklich eine Beerdigung. Dann aber im Unterhaus.

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