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Enttäuscht: Gaby Papenburg schafft es nicht an die Spitze. dpa
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Enttäuscht: Gaby Papenburg schafft es nicht an die Spitze. dpa

DFB bleibt sich treu

Rückschlag für die Frauen

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Eine Berliner Opposition kritisiert „Kumpanei unter älteren Herren“ im DFB und schafft es nicht, Gaby Papenburg zur Präsidentin zu küren.

Der Plan, erstmals eine Frau an der Spitze eines Landesverbandes des Deutschen Fußball-Bundes zu platzieren, ist gescheitert. In Berlin verlor die Herausforderin Gaby Papenburg mit 33:81 Stimmen gegen Amtsinhaber Bernd Schultz (63). Die Papenburg-Befürworter konnten die Basis nicht ausreichend mobilisieren. 110 stimmberechtigte Vereine blieben der Wahl fern. Hinterher sagte die 61-Jährige der dpa, eine „riesige Chance zur Veränderung“ sei verpasst worden. „Das ist total bitter“, so die ehemalige TV-Moderatorin.

Sie nehme zur Kenntnis, dass „ganz offensichtlich der Amateurfußball noch nicht bereit“ für eine Frau in Spitzenposition eines Landesverbandes sei. Die Begrüßungsrede des aus München angereisten DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch habe sie als Wahlkampf für „seinen Kumpel Bernd Schultz“ wahrgenommen.

Der 62-Jährige sagte in seinem Statement unter anderem: „Zerrissenheit oder gar Spaltung des Amateurlagers, Grabenkämpfe in den eigenen Reihen sind Gift für uns alle und können fatale Folgen, vor allem auch wirtschaftliche Nachteile für uns alle haben.“ Seine Strategie war klar: Der erfahrene Funktionär kritisierte so seine Kritiker und die Opposition gegen den zum fünften Mal wiedergewählten alten Fahrensmann Bernd Schultz. Der Amateurfußball, so Koch, könne „sich gegenüber dem Profifußball nur dann behaupten, wenn wir geeint und solidarisch auftreten, anstatt uns immer nur mit uns selbst zu beschäftigen.“

Diese kritische Beschäftigung hält Gerd Thomas, ein bedeutender Unterstützer von Gaby Papenburg, angesichts des seiner Meinung nach desolaten Zustands des derzeit von Koch angeführten DFB gleichwohl für bedeutend. Der Vorsitzende des Landesligisten FC Internationale Berlin schlägt vor, dass die Wahl zum neuen DFB-Präsidenten oder einer Präsidentin im kommenden März in Frankfurt als Urwahl durch die Basis durchgeführt wird und nicht durch angepasste Delegierte der Landesverbände. „Am besten mit fünf oder sechs Kandidaten oder Kandidatinnen.“

„Laden dichtmachen“

Der 61-Jährige vergleicht Wahlkongresse des DFB mit dem Konklave zur Ernennung des Papstes: „Das müssen wir durchbrechen. Es braucht neue Gesichter und mutige Köpfe, die Aufbruch verkörpern. Expertise und Vielfalt müssen im Vordergrund stehen, nicht Versorgungsmentalität und Kumpanei unter älteren Herren.“ Und er fügt hinzu: „Wenn ich mir vorstelle, dass Peter Peters und Ronny Zimmermann eine Doppelspitze bilden könnten, dann können wir den Laden auch dichtmachen.“

Der badische DFB-Vize Zimmermann (60) ist seit acht Jahren Vize-Präsident im DFB, stand jedoch bislang eindeutig im Schatten des Bayern Rainer Koch. Der ehemalige Schalker Finanzchef Peters gilt tatsächlich als aussichtsreicher Kandidat für die DFB-Präsidentschaft. Der ambitionierte 59-Jährige sitzt seit diesem Frühjahr auch in der Fifa-Regierung unter deren Präsident Gianni Infantino. Außerdem ist er gemeinsam mit Koch seit dem Rücktritt von Fritz Keller Interims-Boss des Verbandes.

Peters gilt als Mann der Profis. Ihm wird nicht zugetraut, den 2023 auslaufenden Grundlagenvertrag mit dem Profilager so neu zu verhandeln, dass mehr Geld für die Amateure herausspringt. Diese Forderung hat der Berliner Verband am Samstag mehrheitlich beschlossen.

Gerd Thomas, dessen Verein 2013 mit dem DFB-Integrationspreis ausgezeichnet wurde, sagt: „Im März geht es nicht nur um Posten, es geht auch um viel Geld.“ Fachleute hätten ausgerechnet, dass den Amateuren durch eine „unzulässige Zusatzvereinbarung“ (weil zunächst nicht transparent gemachten und erst im Nachhinein abgenickten Deal mit der Deutschen Fußball-Liga) im Grundlagenvertrag „über die Jahre bis zu einer Milliarde Euro entgangen sein könnten“.

Der DFB entgegnet kühl: „Sämtliche Vereinbarungen sind vom DFB-Bundestag und der DFL-Mitgliederversammlung bestätigt worden. Die kolportierten Zahlen sind nicht nachzuvollziehen, insbesondere ist die Zusatzvereinbarung zum Grundlagenvertrag wie schon wiederholt festgestellt nicht unzulässig, sondern rechtmäßig zustande gekommen.“ Auch der Wunsch nach einer Urwahl ist laut den Statuten nicht möglich. „Der DFB ist Dachverband für 21 Landesverbände, fünf Regionalverbände und die DFL. Er hat deshalb nicht sieben Millionen, sondern 27 Mitglieder.“

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