+
Teammanger Oliver Bierhoff

EM 2016

Die Rückkehr der Reiseweltmeister

Das DFB-Team muss in EM-Vorrunde 2016 zweimal in Paris antreten. Teammanager Oliver Bierhoff war nach der Auslosung in den Pariser Messehallen bemüht, den Spielorten irgendwie Positives abzugewinnen.

Von Jan Christian Müller

Lange Distanzen zu überbrücken, ist man beim Deutschen Fußball-Bund gewohnt. Hier einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: WM 2002: 2122 Kilometer von Miyazaki ganz im Süden zum Auftaktspiel nach Sapporo ganz im Norden, WM 2006: vom Schlosshotel Grunewald in Berlin zum Eröffnungsspiel nach München 585 Kilometer, EM 2008 in Österreich und der Schweiz: zur Vorrunde vom Quartier in Ascona am Lago Maggiore nach Klagenfurt 650 Kilometer über die Alpen hinweg, WM 2010: von Pretoria nach Kapstadt zum Viertelfinale 1480 Kilometer, EM 2012: von Danzig in Polen nach Charkow in die Ost-Ukraine 1652 Kilometer, WM 2014: Rekorddistanz von Porto Seguro zum Achtelfinale nach Porto Alegre 2646 Kilometer, und nun, bei der Europameisterschaft 2016, vom mondänen Évian-les-Bains am Genfer See bis zum ersten Spielort Lille: 803 Kilometer vom Südosten in den Nordwesten Frankreichs, um dort am 12. Juni (21 Uhr) gegen die Ukraine zu spielen, dazu zweimal knapp 600 Kilometer nach Paris zu den weiteren Vorrundenbegegnungen gegen Polen (16. Juni, 21 Uhr, Prinzenparkstadion) und Nordirland (21. Juni, 18 Uhr. St. Denis). Zweimal Paris, dabei einmal im Nationalstadion St. Denis – das weckt schreckliche Erinnerungen an den 13. November, jenen Tag, an dem sich während des Testspiels gegen Frankreich drei Attentäter unmittelbar vor der Arena selbst in die Luft sprengten und fast 130 Menschen in der Stadt starben.

Die Nacht von St. Denis

Die deutsche Mannschaft hatte die Nacht vor dem Spiel in einem Hotel in Sichtweite des Prinzenparkstadions verbracht, das am Morgen zwischenzeitlich wegen einer Bombendrohung geräumt werden musste. Im Nationalstadion am anderen Ende der Hauptstadt verbrachten die DFB-Spieler die Nacht der Angst aus Sicherheitsgründen in der Umkleidekabine.

Teammanager Oliver Bierhoff war nach der Auslosung in den Pariser Messehallen bemüht, den Spielorten irgendwie Positives abzugewinnen: „Gerade nach den Ereignissen im November, die wir miterleben mussten, ist es vielleicht ganz gut, dass die Mannschaft früh nach Paris zurückkommt“, sagte er. Sportlich ist die Vorrundengruppe unkomplizierter als die Reiseorganisation. Die Gegner stehen in der Weltrangliste, wo Deutschland auf Rang zwei hinter Belgien platziert ist, auf den Rängen 29, 30 und 34. Das sollte machbar sein, zumal der irrwitzige Modus des auf 24 Teams aufgepumpten Endrundenturniers es gar den vier besten Gruppendritten erlaubt, im Achtelfinale dabeizusein. Dort würde Deutschland als traditionell zu erwartender Gruppensieger wiederum quer durchs Land nach Lille düsen müssen, im Viertelfinale wäre Bordeaux an der Atlantikküste Ziel- und Spielort, im Halbfinale Marseille, ehe im Erfolgsfall dann die Rückkehr nach St. Denis anstünde.

Bei der Zeremonie, bei der EM-Größen wie David Trezeguet und Angelos Charisteas als maskuline Losfeen fungierten und die vom designierten Fifa-Präsidentschaftskandidaten und Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino moderiert wurde, erwischte Belgien die schwierigste Vorrundengruppe mit Italien, Irland und Schweden. Auch Spanien mit Tschechien, der Türkei und Kroatien sollte sich besser nicht auf einen Selbstläufer einstellen, was selbstverständlich auch Joachim Löw nicht tun wird. Gewohnt entspannt kommentierte der Bundestrainer: „Wir gehen mit dem Selbstbewusstsein des Weltmeisters in dieses Turnier.“ Die mühselige EM-Qualifikation danach: Schwamm drüber.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion