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Rudi Völler bald DFB-Sportdirektor? Keine schlechte Lösung

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Von: Hanna Raif

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Rudi Völler.
Rudi Völler. © dpa

Rudi Völler könnte Nachfolger von Oliver Bierhoff beim DFB werden. Eine gar nicht mal so blöde Idee. Ein Kommentar.

Die Festnetznummer der Völlers dürfte denjenigen, die schon damals dabei waren, sicher noch bekannt sein. Sommer im Jahr 2000, große Not beim DFB, Treffen der damaligen „Taskforce“ – und die direkte Frage von Christoph Daum: „Rudi, was ist denn mit Dir?“ Völlers Gesichtszüge entgleisten. Er wollte nicht Bundestrainer werden – also musste seine Frau Sabrina herhalten. Rausschmeißen würde sie ihn, wenn er „Ja“ sagen würde, beteuerte er, da griff Reiner Calmund kurzerhand zum Telefon. Einmal schnell nachgefragt bei Frau Völler, schon war das Ding geritzt: Ihr Mann wurde Bundestrainer und führte das DFB-Team zwei Jahre nach dem Tiefpunkt immerhin ins WM-Finale 2002 gegen Brasilien.

Es ist ja schon absurd, dass man heute, also bald 23 Jahre später, Anekdoten wie diese noch einmal hervorkramt, weil sie plötzlich wieder brandaktuell werden könnten. Allein die Einberufung des sogenannten „Expertenrats“ hat Parallelen zur Bewältigung der letzten großen Krise beim DFB hervorgebracht, in der Völler wie Karl-Heinz Rummenigge – heute neben Oliver Kahn, Oliver Mintzlaff und Matthias Sammer dabei – ebenso tragende Rollen eingenommen haben. Stimmt nun, was diverse Medien schreiben, nämlich dass Völler als Favorit auf einen vakanten Posten beim DFB gilt, darf man schon kurz schmunzeln. Damals spielte er als Bundestrainer den Stimmungsaufheller, heute soll er Oliver Bierhoff beerben. Ja Leute, fällt Euch denn wirklich nichts Neues ein?!

Die Kritik ist im Fall der Fälle vorprogrammiert. Stichworte wie „alter, weißer Mann“, „ewig gestriger Verband“ und „mit Gruftis in die Zukunft“ werden fallen, ganz sicher. Dabei darf man nach der berechtigten Kurzschlussreaktion ruhig mal genauer hinsehen und wird womöglich feststellen, dass Völler gar nicht die schlechteste Lösung wäre. Zwar ist der langjährige Macher von Bayer Leverkusen nicht derjenige, der den Fußball neu erfindet, den Verband umkrempelt und Zukunftsvisionen spinnt. Aber der Hanauer Bub könnte dem DFB bei der Suche nach der richtigen Strategie und den geeigneten Männern bis zur EM 2024 Zeit verschaffen.

Wer Völler holt, weiß, was er bekommt: einen Sympathieträger wie Blitzableiter. Einen Mann, der alles gibt, keine Debatte scheut. Einen, der viel lacht, aber auch austeilen kann, der seine breiten Schultern vor Schutzbedürftige stellt und dem Team Ruhe bringt. Und einen, der 2024 gerne Platz macht, wenn etwa Fredi Bobic ablösefrei zu haben wäre. Zu überspringen allerdings wäre noch eine wichtige Hürde. Das letzte Wort hat bekanntlich: Sabrina.

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