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Rucksack für Niko Kovac

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Von: Frank Hellmann

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Rückkehr nach Frankfurt: Niko Kovac. Foto: dpa
Rückkehr nach Frankfurt: Niko Kovac. Foto: dpa © dpa

Der schlechteste Saisonstart des VfL Wolfsburg bringt auch Trainer Kovac in die Bredouille. Und am nächsten Samstag spielt er beim Ex-Klub Eintracht Frankfurt. Ein Kommentar.

Der VfL Wolfsburg wird am kommenden Samstag mit einem Haufen von Problemen bei Eintracht Frankfurt antreten. Und mit einem Trainer, der hier von 2016 bis 2018 eine wichtige Phase orchestrierte. Niko Kovac hat es unter dem Adlerdach geschafft, die besondere Kraft, die sich zwischen leidenschaftlichen Anhängern und einer energetischen Mannschaft entfalten kann, zusammenzuführen. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber ist nichts von solchen Synergien zu sehen. Und so steht der 50-Jährige unter Beobachtung: Das Auswärtsspiel bei seinem Ex-Klub wird zum Charaktertest der bislang zahnlosen Wölfe, die gerade den schlechtesten Bundesliga-Start der Vereinsgeschichte hingelegt haben.

Wer Kovac nach dem nächsten Nackenschlag (2:4 gegen den 1. FC Köln) zuhörte, vernahm einen Hilferuf, bei dem sich der gebürtige Berliner jene Eigenschaften wünschte, die er und sein Bruder Robert als Spieler verkörperten. „Jeder muss sich am Ende fragen: Habe ich das persönliche Duell mit meinem Gegenspieler gewonnen oder nicht?“ In der Autostadt aber lassen sie gerne mal die Gegenspieler laufen: Es fehlt die letzte Konsequenz. „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ ertönte aus dem Fanblock. Der Werksverein sucht seit dem Abgang von Oliver Glasner zur Eintracht seine Identität. Hart gearbeitet wird am Mittellandkanal an den vielen Fließbändern, aber nicht auf dem Fußballplatz, wenn die Männer ein Bundesligaspiel bestreiten. Die bestens bezahlten VW-Kicker leisten sich einen Kolbenfresser nach dem anderen. Das stößt den Konzernbossen in den schwierigen Zeiten immer übler auf.

Nach Mark van Bommel und Florian Kohfeldt nun gleich den dritten Trainer zu entlassen, wäre zu einfach. Wobei Kovac mit seinen ständigen System- und Personalwechseln seinen Anteil hat, dass wenig funktioniert, so rücken unweigerlich auch der bald scheidende Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer in die Verantwortung. Ihr Zickzackkurs bei einigen Personalien ist bemerkenswert.

Vergangene Saison wurde der 19-jährige Mittelfeldspieler Aster Vranckx zum Hoffnungsträger verklärt, diese Spielzeit aber kaum mehr eingesetzt – und just an den AC Mailand verliehen. Statt dessen sollen Altstars wie Josuha Guilavogui oder Max Kruse die Anker einer Mannschaft sein, der Hierarchie, Gemeinsinn und Erfolgshunger fehlen. Wenn nicht der Disziplinfanatiker Kovac mehr die Leidenschaft wecken kann, wer bitte dann?

Der Trainer hatte übrigens schon mal ein wichtiges Spiel in Frankfurt. Vor drei Jahren mit dem FC Bayern. Kein Eintracht-Fan wird die 5:1-Demontage der Münchner vom 2. November 2019 je vergessen. Und jeder Bayern-Anhänger weiß: Mit der Inthronisierung von Hansi Flick begann die titelträchtigste Episode. Beim VfL Wolfsburg aber hören die Probleme derzeit nicht nur auf einen Namen.

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