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Stellt sich schützend vor die Fußball-Bundesliga: DFL-Boss Christian Seifert.

DFL-Neujahrsempfang

„Rote Linie“: Bundesliga mit Expansion und Drohgebärden

Beim traditionellen Neujahrstreffen der DFL stimmt sich der deutsche Profifußball auf 2019 ein. Die Bundesliga will sich als nationales Premiumprodukt gegen UEFA und FIFA schützen - und gleichzeitig im Ausland expandieren.

Rührt bloß nicht an unseren Bundesliga-Wochenenden! Mit dieser Botschaft und der Androhung von juristischen Konsequenzen hat DFL-Boss Christian Seifert beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga die internationalen Verbände UEFA und FIFA gewarnt.

Auch Joachim Löw will von weiteren Club-Wettbewerben nichts wissen. „Die nationale Liga ist die, die wichtig ist. Und die Super League ist ja eigentlich die Champions League“, sagte der Bundestrainer im Frankfurter Thurn und Taxis Palais.

Die Fans wollten „Duelle zwischen Borussia Dortmund und Bayern München oder Eintracht Frankfurt gegen Freiburg oder Stuttgart“ sehen, sagte Löw. Bundesliga-Macher Seifert beließ es nicht bei lobenden Worten für das eigene Premiumprodukt. „Wir beurteilen die möglicherweise weiter ausufernden Wettbewerbsideen sehr kritisch, dies bezieht sich vor allem auf eine Ausweitung internationaler Wettbewerbe an Wochenenden“, sagte der 49 Jahre alte Manager vor den Spitzenfunktionären der 36 Proficlubs, bei denen allerdings die Bosse des FC Bayern München wegen des Warnstreiks an den Flughäfen fehlten. Seifert sagte in scharfem Ton: „Sollte diese rote Linie überschritten werden, dann werden wir auch juristische Schritte prüfen müssen. Die Wochenenden sind die Herzkammer des Fußballs.“

Internationale Spiele an Samstagen oder Sonntagen, so Seifert, würden den Fußball „im Kern erschüttern“. Er lobte den FC Bayern München und Borussia Dortmund, die sich gegen eine Gründung einer europäischen Super League ausgesprochen haben: „Das waren deutliche Worte, die man sonst in Europa nicht so vernommen hat.“

Löw bezeichnete die Bundesliga als wichtige Konstante des deutschen Fußballs. Im Vorjahr war durch Medienberichte publik geworden, dass Spitzenclubs wie Real Madrid oder der FC Bayern die Einführung einer europäischen Super League und die Abspaltung aus nationalen Ligen geplant haben sollen. Die Münchner hatten sich anschließend aber demonstrativ zur Bundesliga bekannt. Europas Spitzenclubs hatten schon mehrfach eine Superliga als Drohkulisse in Verhandlungen über Format und Geldverteilung in der Champions League ins Spiel gebracht.

Der Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA), Aleksander Ceferin, der sich immer wieder gegen die Interessen der abspaltungswilligen Clubs wehren muss, hatte sie als „Fiktion oder ein Traum“ bezeichnet. Weltverbands-Chef Gianni Infantino steht wegen seiner Verkaufspläne von FIFA-Wettbewerben an private Investoren in der Kritik.

Im globalen Wettbewerb treibt aber auch die DFL ihre Aktivitäten voran: Die Dachorganisation kündigte die Eröffnung einer Repräsentanz in Peking an. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt sieht die Bundesliga weitere Märkte. „Jedem sollte klar sein: Wenn wir uns dem globalen Wettbewerb nicht stellen, dann stellt der Wettbewerb uns“, mahnte Seifert.

Auch sportlich geht es zur Freude der DFL wieder voran nach einer schwachen internationalen Saison 2017/2018 und dem WM-Debakel der Nationalmannschaft in Russland. „Das Fußball-Jahr 2018 war bis in den Sommer hinein keine einfaches“, sagte der DFL-Geschäftsführer. „In der zweiten Jahreshälfte 2018 wurde deutlich, dass der deutsche Profifußball andere Ambitionen hat als Mittelmäßigkeit zur neuen Höchstleistung zu erklären“, sagte er.

Seifert verwies darauf, dass fünf von sieben Europapokal-Teilnehmer noch im Rennen sind: In der Champions League steht die Bundesliga vor deutsch-englischen Wochen mit den Duellen FC Liverpool - FC Bayern München, Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund und FC Schalke 04 - Manchester City. In der Europa League kämpfen Eintracht Frankfurt gegen Schachtjor Donezk und Bayer Leverkusen gegen den FC Krasnodar um das Weiterkommen.

(Von Ulrike John und Arne Richter, dpa)

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