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Champions League am Wochenende? Der Deutschen Fußball Liga gefällt das nicht.

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Die rote Linie

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Die Uefa denkt unverhohlen darüber nach, die europäischen Top-Wettbewerbe auf das Wochenende zu legen. Die Abwehrreaktion der DFL ist richtig.

In der Deutschen Fußball-Liga (DFL) als Dienstleister der 36 Bundesligisten haben die Frontmänner ihre Jobs sauber filetiert. Beim DFL-Neujahrsempfang am Dienstag in Frankfurt wurde diese Aufteilung den geladenen Gästen sauber dargeboten. Der hauptamtliche Geschäftsführer Christian Seifert (49) kümmert sich um das Big Business im Unterhaltungsbetrieb deutscher Profifußball, der ehrenamtliche und zudem im Sommer scheidende Präsident Reinhard Rauball (72) um den guten Zweck. Bei dem einen (Seifert) gehen so mehr als vier Milliarden Euro per annum durch die Mühle, beim anderen (Rauball) knapp 30 Millionen. 

Mit grundsätzlich anderer Gewichtung kann das Geschäft im globalen Verdrängungswettbewerb auch gar nicht funktionieren. Es muss sich nicht von vorneherein widersprechen, sowohl nach Umsatz (Seifert) zu trachten, als auch einem glaubwürdigen Maß an sozialer Verantwortung (Rauball) gerecht zu werden. Und es dabei nicht so aussehen zu lassen, als wäre ein Wertekanon der Bundesliga für die allermeisten Klubs nur ein lästiger Schwanz im Rattenrennen.

„Profifußball“, sagte Marcel Reif, der neue Kuratoriumsvorsitzende der gemeinnützigen DFL-Stiftung und klang dabei etwas angestrengt, transportiere „trotz mancher Obszönitäten in den Ablösesummen und Geschmacksverirrungen“ schon noch ein paar Werte. 

Wahrscheinlich sind es mit den Jahren des Turbokapitalismus, der Gehälter, Beraterkosten und Transfersummen geradezu explodieren ließ, ein paar Werte zu wenig geworden. Es hat sich bei vielen Menschen ein diffuses Unbehagen breitgemacht, das sie davon abhält, ihre ursprüngliche Begeisterung für das Spiel zügellos auszuleben. Der Schatten, den allen voran der Weltverband Fifa über den Fußball gelegt hat, wird bei der nächsten WM in Katar noch an Größe gewinnen.

Dass der europäische Verband Uefa recht unverhohlen darüber nachdenkt, seine Top-Wettbewerbe ins Wochenende zu verschieben, würde die Dunstglocke der Geldvermehrung auf den Konten weniger Topklubs noch bedrohlicher erscheinen lassen.

Insoweit beobachtet der Bundesliga-Topmanager Seifert derartige Überlegungen mit berechtigtem Unbehagen und hat deshalb in seiner ansonsten auffällig zurückhaltenden Rede eine Abwehrreaktion angekündigt, sollte jemand versuchen, diese „rote Linie“ zu übertreten. Der nationale Wettbewerb an Wochenenden, so Seifert, sei die „Herzkammer des professionellen Fußballs“. Sollte diese Herzkammer angegriffen werden, würde das „ein gesamtes nationales Sportgefüge im Kern erschüttern“. Es wäre, um im Duktus von Ex-TV-Kommentator und Stiftungschef Marcel Reif zu bleiben, die nächste Obszönität und Geschmacksverirrung. Und es wäre dann vermutlich eine Verirrung zu viel. 

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