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Der den Unterschied ausmacht: Cristiano Ronaldo.

Nations League

Ronaldo, ein Gemälde

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Er hört einfach nicht auf: Der portugiesische Superstar macht seinen 53. Dreierpack.

Um 22.59 Uhr Ortszeit wurde es noch einmal hektisch in den Tiefen des Estadio do Dragao in Porto. Der Mann des Abends beim 3:1 der Portugiesen gegen die Schweiz im Halbfinale der Nations League trat aus dem Kabinentrakt, frisch geduscht, in kurzer Hose und mit einem schwarzen Kapuzenpulli. Er drehte eine Runde durch die Interview-Zone ohne ein Interview zu geben, er habe schließlich schon der Uefa für Fragen zur Verfügung gestanden, und verschwand im Mannschaftsbus, der mit laufendem Motor auf die Abfahrt wartete.

Man kann natürlich nur spekulieren, warum Cristiano Ronaldo keine Lust auf einen Austausch mit Reportern hatte nach dem 53. Dreierpack seiner Karriere, mit dem er seiner Mannschaft in Eigenregie einen Platz im Finale des Mini-Turniers am Sonntag gesichert hatte. Vielleicht waren die neuen Schlagzeilen um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn (die er bestreitet) der Grund für seine Verschwiegenheit. Vielleicht hält er es einfach nicht für nötig, sich mit dem Fußvolk abzugeben. Ronaldo ist nach Spielen grundsätzlich schwer zugänglich, auch nach denen, in denen er brilliert.

Schon auf dem Platz hatte er gegen die Schweiz ja getan, was die Fans von ihm erwarten – und was auch kritische Beobachter immer wieder verblüfft. Der Angreifer von Juventus hatte gezeigt, dass er auch im Alter von 34 Jahren noch in der Lage ist, dem Spiel seinen Willen aufzudrücken. Es war alleine Ronaldo zu verdanken, dass der Abend einen guten Ausgang für die Portugiesen nahm.

In der 25. Minute traf er mit einem Freistoß, nach seinem skurrilen Videobeweis durch den deutschen Schiedsrichter Felix Brych kamen die Schweizer nach einer knappen Stunde zum Ausgleich. Der einstige Wolfsburger Ricardo Rodríguez traf per Strafstoß. Es sah schon nach Verlängerung aus, nach Elfmeterschießen und einem möglichen Aus für die Gastgeber. Das wäre ein Stimmungskiller für die erste Finalrunde des neuen Uefa-Turniers gewesen. Doch dann kam Ronaldo und rettete sie alle. In der 88. Minute traf er per Direktabnahme, in der 90. Minute besorgte er mit einem hübschen Schlenzer nach doppeltem Übersteiger den Endstand. Und wieder einmal stellte sich die Frage, die längst beantwortet ist: Wie gut ist dieser Fußballer eigentlich?

„Die Kirsche auf der Torte“

Portugals Trainer Fernando Santos gab an, dass ihm die Worte für Ronaldo ausgegangen seien, fand dann aber doch eine Beschreibung: „Es gibt geniale Skulpturen, geniale Gemälde und geniale Fußballer. Er ist ein Genie. Das ist alles“, sagte er. Sein Schweizer Kollege Vladimir Petkovic nannte den portugiesischen Angreifer „die Kirsche auf der Torte“ und sagte: „Er ist der Extra-Spieler, der aus dem Minimum das Maximum macht“. Und es ist erstaunlich, dass Ronaldo das immer noch gelingt. Er war ja fast schon aus der Nationalmannschaft zurückgetreten nach der enttäuschenden WM in Russland mit dem Achtelfinal-Aus gegen Uruguay. Im Frühjahr kehrte er zurück, wild entschlossen, seine Auswahl zur EM im kommenden Jahr zu führen und vielleicht sogar zur WM in Katar. Gegen die Schweiz zeigte er, dass sich die Zukunft noch gedulden muss.

Die Endrunde der Nations League soll ja auch einen Blick auf das ermöglichen, was bei den Portugiesen in der Zeit nach Ronaldo kommt. Vor allem die Aufregung um den 19 Jahre jungen Angreifer João Félix ist riesig. Er wird als Wunderkind gepriesen. Doch er blieb gegen die Schweiz bei seinem Debüt in der Nationalmannschaft wirkungslos und wurde ausgewechselt.

Stattdessen machte Ronaldo klar, dass die Gegenwart immer noch ihm gehört. Und er hat noch Ziele. Mit insgesamt 88 Länderspiel-Treffern ist er auf dem Weg, als zweiter Profi nach dem Iraner Ali Daei, einst beim FC Bayern beschäftigt, die 100-Tore-Marke im Dienst für sein Land zu durchbrechen. Im Finale am Sonntag könnte Ronaldo diesem Ziel ein weiteres Stück näher kommen.

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