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Riskantes Spiel am Betze

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Von: Ingo Durstewitz

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Charakterkopf, aber umstritten: Marco Antwerpen, einst Trainer beim 1. FC Kaiserslautern.
Charakterkopf, aber umstritten: Marco Antwerpen, einst Trainer beim 1. FC Kaiserslautern. © dpa

Wer unmittelbar vor den Endspielen zur Zweiten Bundesliga den Trainer wechselt, muss gute Argumente haben. Hat die FCK-Chef Thomas Hengen? Ein Kommentar.

Marco Antwerpen hat sich in der Branche einen Ruf wie Donnerhall erworben. Der 50-Jährige zählt im Trainerkreis nicht unbedingt zu den Lieblingskollegen, er gilt als emotional, aufbrausend, hitzköpfig, zuweilen kommt er sogar prollig rüber. Dieses Unverstellte und Unverwüstliche ist aber auch seine Stärke, er kann Spieler begeistern, sie packen und mitnehmen.

Auch bei den Fans kommt die direkte Art des Standfesten gut an, so auch bei den Immertreuen des 1.FC Kaiserslautern, jenen großen Traditionsverein vom Betzenberg, für den Antwerpen seit Februar 2021 mit Feuereifer bei der Sache ist. Erfolgreich obendrein. Erst rettete der frühere Drittligakicker den FCK vor dem Abstieg und führte ihn jetzt hinauf in die Spitzengruppe der dritten Liga. Dummerweise verloren die Pfälzer ihre letzten drei Spiele, weshalb sie nicht direkt aufgestiegen sind, sondern es über den Umweg Relegation versuchen müssen. Gegen Dynamo Dresden. Aber ohne Antwerpen. Er ist am Dienstag von seinen Aufgaben entbunden worden – als Dritter der Drittligatabelle.

Das ist ungewöhnlich und auf den ersten Blick höchst verwunderlich, weshalb schnell die Schlagzeilen die Runde machten: „Chaoslautern ist zurück.“ Auch die Fans fanden den Rauswurf echt doof. „Herzlichen Glückwunsch an Dynamo Dresden zum Aufstieg“, schrieb einer. Ist ganz witzig, aber in Kaiserslautern kann darüber niemand lachen.

Und doch ist die Lage lange nicht so eindeutig, wie sie scheint. Denn im Grunde hat Sportchef Thomas Hengen, ein Pfälzer Bub, nur seiner Überzeugung folgend gehandelt. Beide Alphatiere einte eine ausgeprägte Antipathie, ein herzliches Nichtverhältnis. Den FCK-Boss störte das ruppige Verhalten des Trainers, und er hatte ihn ja auch nicht ausgesucht. Als Hengen kam, war Antwerpen schon da.

Der Fußballlehrer konnte zwar im Laufe der Zeit durch Ergebnisse punkten, die bringen einen Verein zwar im Klassement voran, können aber zwischenmenschliche Differenzen nicht begradigen. Insofern war die Geschichte schon relativ früh relativ zerfahren. Umso beachtlicher, dass die Mannschaft nach einem furiosen Zwischenspurt auf Rang zwei der Tabelle sprang. Das spricht klar für den Trainer.

Der aber wäre auch im Aufstiegsfall geschasst worden. Das hat Hengen vorgezogen, weil ihm die Überzeugung fehlte, dass das Team die Kurve bekommt. Das ist vielleicht unpopulär, aber konsequent. Hengen geht all in. Entweder der Aufstieg gelingt unter Dirk Schuster. Oder es könnte ihn selbst aus dem Amt spülen. Das Vabanquespiel hat begonnen.

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