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Ringen ums Rampenlicht

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Von: Frank Hellmann

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Schon zweimal erfolgreich bei dieser WM: Lionel Messi.
Schon zweimal erfolgreich bei dieser WM: Lionel Messi. © afp

Beim Gigantentreffen mit Lewandowski steht Messi unter Druck – weil er mit Gastgeber Katar eng verbandelt ist

Es gibt kaum einen besseren Schmelztiegel für die Fußballfans aus aller Welt als die engen Gassen am Souq Waqif. Schon am Vormittag bilden sich vor den meisten Restaurants lange Schlangen. Und vor den nachgebauten Kulissen entstehen schnell größere Ansammlungen, wenn es etwas Besonderes zu bestaunen gibt. So wie am Dienstag die Pappfigur von Lionel Messi, die der Reporter Theo Douet des französischen TV-Kanals Canal+ aus seiner Hotelunterkunft entliehen hatte. Mitunter erstaunlich, was sich mit einer findigen Idee erreichen lässt.

Die einen konnten sich nicht oft genug neben das Ebenbild für ein Erinnerungsfoto stellen, die anderen – vornehmlich Südamerikaner, die nicht aus Argentinien stammen – hätten es am liebsten von den Kamelen zertrampeln lassen, die in der Nähe die Touristen herumtragen. Mit einigen Schmähgesängen war es dann aber auch getan. Eines ist gewiss: Um Messi kommt bei diesem multikulturellen Event im Wüstenemirat niemand herum.

Bei den überall laufenden TV-Übertragungen des katarischen Senders beIN wirkt es fast so, als spiele Messi jedesmal mit: In gefühlt drei von vier Spots vor und nach den Spielen und in der Pause ist er die Figur, die für fast alles wirbt. Wie es sich für einen Katar-Botschafter gehört, der bei Paris St. Germain im Grunde ja von Tamim Bin Hamad Al Thani, dem allmächtigen Emir, über dessen Staatsfonds fürstlich bezahlt wird. Messis Omnipräsenz wirkt nahezu erdrückend, und nichts würde die Herrscher des Gastgeberlandes wohl so sehr bedauern, wie den vorzeitigen Abschied des siebenfachen Weltfußballers, der nun mit Argentinien gegen Polen (Mittwoch 20 Uhr/ZDF) ein Gruppenfinale bestreitet.

Der Druck auf den 35-Jährigen in seinem 22. WM-Einsatz ist gewaltig. Bei seiner fünften Teilnahme schließt er endlich zu Diego Maradona auf, dessen Konterfei in den Metrostationen hängt. In der Ahnengalerie der Weltmeister taucht Messi noch nicht auf. Nun steht im auf dem Weg zur Krönung im Stadium 974 auch noch Robert Lewandowski im Wege, der zwar in Europa auch längst als Weltstar identifiziert ist, aber Messis globale Strahlkraft nicht besitzt. Der 34-Jährige spielt erst seine zweite WM und musste nach einem verschossenen Elfmeter gegen Mexiko (0:0) bis zum Spiel gegen Saudi-Arabien (2:0) warten, um tränenreich sein erstes Erfolgserlebnis auf dieser Bühne zu zelebrieren. Sein 77. Länderspieltreffer im 136. Einsatz. Die polnische Tormaschine hat im Sommer einen zentralen Platz beim FC Barcelona bekommen, wo Messi bekanntlich die beste Zeit seiner Karriere verbrachte, ehe auch er bitterlich weinte. Bei seiner Flucht nach Frankreich. In jenem Sommer 2021 gewann der in 167 Länderspielen 93 Mal – und sowohl gegen Saudi-Arabien (1:2) als auch Mexiko (2:0) – erfolgreiche Messi im Trikot der Albiceleste die Copa America. Ein Hauptgrund, dass ihn die Journalisten noch einmal zum Gewinner des Ballon d’Or kürten. Vor Lewandowski, von dem Messi damals sagte, er habe es genauso verdient.

Der Zwist, der keiner ist

Es folgte im Januar die Wahl zum Weltfußballer, bei dem – angesichts seiner Torquote beim FC Bayern nachvollziehbar – zum zweiten Mal Lewandowski vorne lag. Weil die argentinische Ikone dem Konkurrenten die Stimme verweigerte, fragte die polnische Presse sofort bei ihrem Idol nach. „Die Frage muss an ihn gehen. Ich habe nichts falsch gemacht, dass er sauer auf mich sein kann“, antwortete Lewandowski. Weder der eine noch der andere scheut das Rampenlicht solcher Preisverleihungen, aber eine Rivalität wie Messi sie einst mit Cristiano Ronaldo pflegte, dem er früher ständig im spanischen Ligabetrieb beim „Clasico“ begegnete, ist es definitiv nicht.

„Zwischen mir und Messi ist alles gut. Ich habe nichts gegen ihn, das hatte ich nie“, richtete „Lewa“ gerade bei der WM aus. Beide Kapitäne werden sich bei der Seitenwahl Auge in Auge gegenüberstehen und die Hand reichen. Danach scheint der körperliche Kontakt nahezu ausgeschlossen, weil ihre Hoheitsgebiete sich nicht kreuzen. Dass jeder noch jederzeit den Unterschied machen kann, versteht sich von selbst. Beide könnten auch gemeinsam ins Achtelfinale kommen, was vom Ausgang der Parallelpaarung zwischen Saudi-Arabien und Mexiko abhängt. Zwei weitere Nationen mit riesiger Gefolgschaft, die in Doha derzeit nicht zu überhören und zu übersehen sind.

Erzielte sein allererstes WM-Tor: Robert Lewandowski.
Erzielte sein allererstes WM-Tor: Robert Lewandowski. © afp

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