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Sprach von einer „Supersaison“: BVB-Profi Marco Reus.

Borussia Dortmund

Riesengroße Enttäuschung

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Marco Reus bleibt die Meisterschale wieder einmal verwehrt, der Dortmunder Kapitän zieht dennoch ein positives Saisonfazit.

Erst zwei Stunden nach dem Schlusspfiff verließ der Kapitän von Borussia Dortmund als letzter Spieler seiner Mannschaft die Kabine im Gladbacher Stadion. Marco Reus musste nach dem 2:0 (1:0)-Sieg zum Saisonkehraus erst einmal mit sich und der Welt ins Reine kommen. Schließlich hatte der 29-Jährige aufgrund des Kantersiegs der Münchner Bayern gegen Eintracht Frankfurt erneut seinen großen Traum verpasst, einmal die Meisterschale in den Händen halten zu dürfen.

Zum vierten Mal in seiner Laufbahn wurde der gebürtige Dortmunder mit seinem BVB nur Vizemeister. Er selbst hatte einmal mehr alles gegeben, das erste Tor der Schwarz-Gelben durch Jadon Sancho (45.) vorbereitet, kurz nach der Pause (55.) mit seinem 17. Saisontreffer für die frühe Entscheidung gesorgt. Doch große Freude wollte nicht aufkommen. In erster Linie war Reus um Frustbewältigung bemüht.

„Wenn jemand sagt, es war noch nie so leicht, Deutscher Meister zu werden, dann sehe ich das anders“, sagte Reus, „weil es immer schwer ist, in der Bundesliga konstant abzuliefern. Wir waren sehr nah dran, aber in den entscheidenden Momenten waren die Bayern einen Tick besser.“ Die Spiele in Bremen (2:2) und das verlorene Derby gegen Schalke (2:4) waren für Reus entscheidend. Sein Fazit fiel dennoch positiv aus. Reus sprach von einer „Supersaison“. Zu Beginn sei die Mannschaft nur schwer in Tritt gekommen. Es hätte einige Zeit gedauert, bis sie verstanden habe, was Trainer Lucien Favre von ihr wollte. In der Rückrunde habe dann in gewissen Situationen die Erfahrung, auch die Gier bei manch Spieler gefehlt. „Aber das ist ein Lernprozess“, sagte Reus.

Watzkes Mini-Kampfansage

Vom Auftreten her habe das Team einen großen Schritt gemacht. „Wir haben in diesem Jahr wieder eine andere Mentalität gezeigt“, sagte der Kapitän. Das sei durch die Spieler, die die Dortmunder vor der Saison verpflichtet hatten, möglich gewesen, aber auch dadurch, dass sich das Team spielerisch weiterentwickelt habe.

Doch Reus zeigte auch auf, wo der Hebel anzusetzen ist. Zu viele Gegentore habe der BVB in der Rückrunde kassiert. „Vor allem an den Standards müssen wir arbeiten. Wir müssen die positiven Dinge mitnehmen. Die waren auch reichlich dabei.“ Für Reus persönlich war es eine gute Saison. In 36 Pflichtspielen erzielte er 21 Tore, bereitete 13 vor. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor kam er wegen Verletzungen lediglich auf 15 Einsätze mit sieben Toren. „Ich bin froh, dass ich wieder ein besseres Jahr gespielt habe, auch für mich selbst. Was sehr wichtig ist“, sagte der Offensivmann. Dennoch fiel es ihm sehr schwer, die Schale verpasst zu haben: „Ich weiß, dass es nächstes Jahr von vorne losgeht. Aber natürlich weiß ich auch, dass die Chance unheimlich groß war und die Enttäuschung für mich daher unheimlich groß ist und auch in den kommenden Tagen riesengroß sein wird.“

Hans-Joachim Watzke hatte kurz nach dem Abpfiff sein Gefühlsleben wieder geordnet. So präsentierte sich der BVB-Vorstandsvorsitzende als fairer Meisterschaftsverlierer. „Zunächst einmal Glückwunsch an die Bayern. Sie haben zwei Punkte mehr und sind deshalb verdient Meister geworden“, sagte Watzke, der aber auch sein Team lobte: „Wir haben das drittbeste Punkteergebnis der Vereinsgeschichte erreicht. Es wäre vielleicht ein bisschen mehr drin gewesen, aber wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung.“ 76 Punkte bedeuteten 21 mehr als in der Runde zuvor. Was folgte, war eine Mini-Kampfansage gen Süden: „Wir wollen in den nächsten Jahren dran bleiben. Das ist ambitioniert, aber wir werden es versuchen.“

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