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Karl-Heinz Riedle (Hintere Reihe l-r), Hans-Joachim Watzke, Thomas Schaaf, DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball, Jupp Heynckes, DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, Claudio Pizarro (Vordere Reihe l-r), Lothar Matthäus, Otto Rehhagel, Wolfgang Overath.

DFL-Generalversammlung

Als Riedle aus der Wanne krabbelte

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Die Deutsche Fußball-Liga vergibt an einem an Anekdoten reichen Abend Ehrenpreise an Otto Rehhagel, Claudio Pizarro, Wolfgang Overath und Lothar Matthäus.

Marco Bode und Otto Rehhagel gehörten zu den Letzten, die am Vorabend der Generalversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) noch an der Bar der Eventlocation im Herzen von Berlin die Köpfe zusammensteckten. Der Aufsichtsratschef von Werder Bremen und sein ehemaliger Trainer hatten sich einiges zu erzählen. Zuvor hatte Rehhagel den „Ehrenpreis der DFL“ erhalten, und noch mehr Werder steckte in diesem Abend: Auch Claudio Pizarro erhielt die Trophäe als Anerkennung für seine „herausragenden Leistungen rund um den deutschen Profifußball“, so der am Mittwoch scheidende DFL-Präsident Reinhard Rauball.

Die Laudatoren für Rehhagel und Pizarro waren ebenfalls Männer mit Werder-Gen: Thomas Schaaf würdigte den Stürmer aus Peru, Karlheinz Riedle seinen vormaligen Vorgesetzten. Beide hatten sich bestens vorbereitet und fanden angemessene Worte. Schaaf lobte Pizarro vor allem für dessen Bereitschaft, sich nach seiner Ankunft in Bremen im August 1999 in der Mannschaft zu integrieren, „das ging von ihm aus“. Pizarro sei „ein totaler Teamplayer und Menschenfänger im positiven Sinne“, zudem „clever und schlau“. Der 40-jährige Mittelstürmer nahm die Worte sichtlich bewegt und erfreut zur Kenntnis und erklärte sein langjähriges Erfolgsgeheimnis mit „Disziplin“.

Riedle beschrieb den inzwischen 81 Jahre alten Rehhagel als „wichtigsten Trainer“ seiner Karriere und erinnerte sich an den ersten Anruf des großen Meisters: „Ich lag in der Badewanne, meine Freundin, die später meine Frau werden sollte, kam rein und sagte, da sei ein gewisser Rehhagel am Telefon. Ob das wichtig sei?“ Er sei nie wieder so schnell aus der Badewanne gesprungen. Beim ersten Treffen im Berliner Hotel Interconti habe Rehhagel mit seiner Freundin das Gespräch gesucht, „ich saß mit Beate in einer anderen Ecke und wurde auf Herz und Nieren geprüft. So ging es noch vielen nach mir“.

Rehhagel hatte dann noch ein besonderes Lob für Riedle übrig, inklusive einem kleinen ironischen Seitenhieb auf den im Publikum sitzenden Rudi Völler: „Mein lieber Rudi, mit Ihnen konnte ich leider keine Meisterschaft feiern, weil Sie uns verlassen haben. Dann habe ich den Kalle Riedle geholt – und dann hat es geklappt.“ Auch Rehhagels Erinnerungen an die EM 2004 sorgten für Lacher: Er habe seinen Spielern als griechischer Nationaltrainer nach dem frühen Aus der deutschen Mannschaft gesagt: „Jungs, jetzt sind wir in der Pflicht. Am besten, ehe die anderen das merken.“ Gleichzeitig kritisierte er die oft fehlende Rückendeckung für Trainer. „Ich hatte in Bremen das absolute Sagen. Das haben die Trainer heute nicht mehr.“

Weitere Ehrenpreise gingen an Lothar Matthäus und Wolfgang Overath. Jupp Heynckes sagte in seiner Laudatio auf Lothar Matthäus, sein früherer Schützling bei Borussia Mönchengladbach habe „eine einzigartige Laufbahn hingelegt, als einer der besten Mittelfeldspieler eine der größten Karrieren überhaupt im deutschen Fußball, für den und auch für die DFL er ein toller Botschafter war und ist“. Bei seiner jetzigen Tätigkeit als TV-Experte habe der 58-Jährige„durch fundierte und sachliche Kommentierung ebenfalls seinen Weg gefunden“.

Der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lobte den Kölner Overath (75) überschwänglich: „Wolfgang Overath war seit der Weltmeisterschaft 1966 einer meiner großen Fußballhelden, obwohl er leider für den falschen Verein gespielt hat. Wenn ich ehrlich bin, hing sogar ein Starschnitt von ihm in meinem Jugendzimmer. Für mich ist Wolfgang Overath einer der herausragenden Spieler und eine der prägenden Figuren der deutschen Fußballgeschichte.“

Seit 2007 waren schon einige Persönlichkeiten mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet worden: Uwe Seeler, Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld, Udo Lattek, Horst Hrubesch, Karl-Heinz Körbel, Heribert Bruchhagen, der ehemalige WDR-Intendant Dr. h.c. Fritz Pleitgen und posthum der frühere Chefredakteur und Herausgeber des Fachmagazin „Kicker“, Karl-Heinz Heimann. Claudio Pizarro wurde diese Ehre als erstem noch aktivem Spieler zuteil.

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