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Mal wieder ein Sieg für Joachim Löw.

DFB-Team

Richtige Richtung

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Der reichlich verspätete "Hallo-wach"-Effekt mündet in neuer Jugendlichkeit in der Kaderauswahl der Nationalmannschaft. Ein Kommentar.

Manchmal ist es aufschlussreich, zurückzuschauen. Nehmen wir der Einfachheit halber den späten Abend des 14. November 2017. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte just vor einem Jahr durch ein spätes Tor von Lars Stindl noch ein 2:2 gegen Frankreich geschafft, und wer ehrlich war, konnte schon damals in Köln erkennen, dass die Gäste wie ein künftiger Weltmeister unterwegs waren und die Gastgeber immerhin wacker dagegenhielten.

Weil aber die Überlegenheit der flinken Franzosen vor allem im Topspeed nicht zu übersehen gewesen war, gab es hinterher eine ganze Reihe aufgeregter Fragen an den tiefenentspannten Herrn Bundestrainer, der sich folgendermaßen mit vorgezogenen Weihnachtsgrüßen in die Nacht verabschiedete: „Bitte keine Nervosität in irgendeiner Form!“

Im Nachhinein muss man sagen: Ein bisschen mehr Nervosität in vielen Formen wäre ratsamer gewesen. Auch die rein rhetorische Frage des Chefcoaches mitsamt Antwort erwies sich ein gutes halbes Jahr später als allzu leichtfertig: „Warum soll ich mir Sorgen machen?“ – „Wir wissen ganz genau, was wir zu tun haben!“ Sie wussten gar nichts. Ein weitgehend missratenes Jahr später kann Löw gottfroh sein, seit 14 Monaten endlich mal wieder einen Sieg seiner Mannschaft ohne Gegentor und erstmals seit 13 Monaten drei eigene Treffer erlebt zu haben. Nach der vertrottelten WM und deren misslichen Spätfolgen könnte es noch zu einem halbwegs versöhnlichen Jahresausklang kommen. 

Schritte in die richtige Richtung

Vor einem Jahr waren trotz des großen Gegners Frankreich in der Kölner Fußballarena 9000 Plätze frei geblieben. Eine gewisse Nationalmannschafts-Müdigkeit war also schon seinerzeit gut sichtbar, allerdings von den für die Marke „Die Mannschaft“ Verantwortlichen damals noch weitgehend ignoriert worden. Man war halt Weltmeister, die Ignoranz und Arroganz betraf das Sportliche wie das Umfeld, die trostlosen Folgen sind bekannt.

Der reichlich verspätete „Hallo-wach“-Effekt mündet nun in neuer Jugendlichkeit in der Kaderauswahl und neuer Nähe im Umgang mit den Menschen da draußen auf der Straße. Wie aus tiefstem Herzen ehrlich das gemeint ist, sei einmal dahingestellt.

Der äußere Druck, so darf man getrost annehmen, ist für diesen Erkenntnisgewinn größer als die innere Einkehr. Aber immerhin: Mit einem öffentlichen Training im Oktober in Berlin und einem Schul- und Vereinsbesuch im November in Leipzig gehen die Schritte schon mal in die richtige Richtung. 

Das tun sie in deutlich erhöhtem Tempo auch auf dem Fußballplatz, wobei ehrlicherweise einschränkend hinzugefügt werden muss, dass der Gegner Russland sich in einem Zustand präsentierte, der selbst dem DFB-Team von Watutinki anno Juni 2018 nicht zur Ehre gereicht hätte. Das neue Jahr sollte ergo mit größtmöglicher Nervosität in jeglicher Form angegangen werden.

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