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Revoluzzer im DFB

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Von: Jan Christian Müller

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Ein ganz schön verzerrtes Bild gibt der DFB in diesen Tagen ab.
Ein ganz schön verzerrtes Bild gibt der DFB in diesen Tagen ab. © Hendrik Schmidt/dpa

Zoff beim DFB: Im Hessischen Fußballverband ist es zum Bruch gekommen, Verbandschef Reuß fordert die „Rebellen“ Sinning und Viktora zum Rücktritt auf – die denken nicht daran.

Die Unruhe ist mit Händen zu fassen: Der Wahlkampf um das Präsidentenamt im Deutschen Fußball-Bund wird zunehmend härter ausgetragen. Die aktuelle Eskalation betrifft auch den Hessischen Fußballverband, der zwischen die Fronten geraten ist. Zwei Präsidiumsmitglieder haben Verbandschef Stefan Reuß die Gefolgschaft gekündigt. Der fühlt sich vorgeführt. Die Situation ist in der Tat verzwickt: Reuß will wie fast alle seiner 20 führenden Landesverbandskollegen, dass Bernd Neuendorf DFB-Präsident wird. Die abtrünnigen Hessen Silke Sinning und Ralf Viktora unterstützen dessen Gegenkandidaten Peter Peters, in dessen Team sie aufgenommen wurden.

Derart unabhängiges Verhalten ist unüblich im DFB, wo Rainer Koch über anderthalb Jahrzehnte hinweg eine zentrale Figur im Machtgefüge ist, um den herum die Präsidenten kamen und gingen. Umso bemerkenswerter mutet es daher an, dass die relativ „kleinen Lichter“ Sinning und Viktora nun offen gegen Koch, den Chef des dem Hessischen Verband übergeordneten Süddeutschen Fußballverband, opponieren. Einfach ausgedrückt: Sie und Peters wollen Koch loswerden, weil sie ihn als Ballast für einen Neuanfang im DFB ausgemacht haben.

Dem könnte man folgen. Einerseits. Andererseits ist Peter Peters ebenfalls seit einer halben Ewigkeit in Spitzenämtern von Deutscher Fußball-Liga und Deutschen Fußball-Bund vertreten. Ergo: Er ist - anders als Quereinsteiger Neuendorf, der bisher kein Machtfaktor im DFB war - ein Mann, der das miese Image des Verbandes mitzuverantworten hat. Wenngleich Peters anführen kann, er habe als Ligavertreter in Unterzahl im DFB-Präsidium unliebsame Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren gehabt, auch wenn sie ihm nicht gefielen.

Im Hessischen Fußballverband ist es nun zum Bruch gekommen, Verbandschef Reuß hat die Revoluzzer Sinning und Viktora zum Rücktritt aufgefordert, alternativ dazu, sich vom Team Peters wieder loszusagen. Die beiden denken gar nicht daran, sich zu beugen. Sie ließen die Fristsetzung 31. Januar verstreichen. Und was passiert jetzt?

Der Hessische Fußballverband lehnte es am 1. Februar ab, dazu Stellung zu nehmen. Er befindet sich nun durchaus in einer unkomfortablen Situation. Die kleinen Ehrenamtler Sinning und Viktora waren bisher nicht als Quertreiber bekannt. Sie berufen sich mit einigem Recht darauf, dass es möglich sein muss, mit freier, wenngleich unbequemer Meinungsäußerung Strukturen aufzubrechen und Personal auszutauschen. Und sie verweisen darauf, dass es zu einem demokratischen Selbstverständnis gehört (das dem DFB in dieser Form bisher freilich fremd war), einen Wahlkampf um Spitzenämter zu betreiben und darüber geheim abzustimmen, ohne vorher von Spitzenfunktionären auf Kurs gebracht worden zu sein.

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