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Retro-Shirt und neidische Blicke

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Von: Frank Hellmann

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Hat das Gefühl, dass um den Frauenfußball ein Hype entsteht: Nationalspielerin Laura Freigang.
Hat das Gefühl, dass um den Frauenfußball ein Hype entsteht: Nationalspielerin Laura Freigang. © imago images/foto2press

Die neu eingekleideten DFB-Frauen hoffen mal wieder auf eine fünfstellige Kulisse, aber die Maßstäbe setzt neuerdings die Champions League mit fünfstelligen Besucherzahlen

Es ist kein Geheimnis, dass sich beim deutschen Frauen-Nationalteam viele modebewusste Persönlichkeiten vereinen. Neue Trikots sind da nie verkehrt. Vor den WM-Qualifikationsspielen gegen Portugal in Bielefeld (Samstag 16.10 Uhr/ARD) und drei Tage später in Serbien haben der Verband und sein Ausrüster jene Textilien vorgestellt, mit denen die DFB-Frauen erst die Fahrkarte für die WM 2023 in Australien und Neuseeland lösen, dann eine erfolgreiche EM in England (6. – 31. Juli) spielen sollen. Das retro-angehauchte Heimtrikot ist klassisch weiß, das Ausweichjersey mintgrün.

Das Erscheinungsbild der deutschen Fußballerinnen interessiert erstmals seit längerer Zeit wieder ein größeres Publikum vor Ort. 6700 Karten sind im Vorverkauf abgesetzt, bei gutem Wetter wird auf der Alm mit 10 000 Fans gerechnet. Eine fünfstellige Kulisse kam zuletzt im Mai 2019 bei einer WM-Generalprobe in Regensburg (10 135) zustande.

Es folgte eine unbefriedigende WM in Frankreich – und bald darauf die Pandemie. Als nach den Geisterspielen die Stadiontore aufgingen, hatten die DFB-Frauen große Probleme, das Publikum zurückzugewinnen. In Essen kamen Ende Oktober zum WM-Qualifikationsspiel gegen Israel (7:0) gerade 1814 Unentwegte. Einen Monat später gegen die Türkei (8:0) waren es in Braunschweig auch nur 2583. Liegt die geringe Resonanz nur an überforderten Gegnern und unattraktiven Anstoßzeiten? Letzteres Argument führen gerne die Spielerinnen an. So beklagte Svenja Huth, am Samstag in Konkurrenz zum Bundesliga-Auswärtsspiel von Arminia Bielefeld anzutreten. Die stellvertretende Kapitänin würde sich Spiele „grundsätzlich zur Primetime“ wünschen. Die gibt es erst bei der EM in England, wo die deutschen Gruppenspiele gegen Dänemark, Spanien und Finnland jeweils um 21 Uhr beginnen.

Anstoßzeit ein Thema

Wer die Debatte nur auf die Ansetzungen reduziert, spürt der wahren Ursache nicht nach. Fakt ist, dass die Frauen-Nationalmannschaft nur zu den großen Turnieren eine größere Öffentlichkeit erreicht – und da waren das schwache Abschneiden bei der EM 2017 und WM 2019 kontraproduktiv. Vorbild für die Zuschauergewinnung ist das neue Format der Champions League, wo von den großen Männermarken die Maßstäbe gesetzt werden.

Gänzlich neue Dimensionen bespielt der FC Barcelona. Auch das Halbfinale im Camp Nou gegen den VfL Wolfsburg (22. April) ist bereits wieder ausverkauft, abermals könnten mehr als 90 000 Menschen ins Camp Nou strömen. Als Nationalspielerin Kathrin Hendrich an ihrem 30. Geburtstag am Mittwoch davon erfuhr, reagierte die Wolfsburger Verteidigerin fast ungläubig: „Die Vorfreude ist riesig. Am liebsten würde ich morgen schon spielen. Das hat sich keiner von uns erträumen lassen.“

Frankfurts Nationalstürmerin Laura Freigang äußerte sich am Donnerstag zu der komplexen Thematik: „Für die Wolfsburger Spielerinnen freut es mich mega. Ich habe das Gefühl, dass gerade ein positiver Hype um den Frauenfußball aufkommt. Wir wollen auf jeden Fall die Aufmerksamkeit nutzen, die über die Champions League erzeugt worden ist.“

Die „Wölfinnen“ waren für ihr Viertelfinale gegen Arsenal nach acht Jahren wieder in die größere Arena gezogen und hatten dort 11 293 Fans begeistert. Danach kamen 3037 Zuschauer vergangenen Sonntag zum Spitzenspiel gegen den FC Bayern (6:0). Doch solche Zahlen sind für die Frauen-Bundesliga auch für die Topteams die absolute Ausnahme. Lediglich Eintracht Frankfurt (1257) und Turbine Potsdam (1067) liegen beim Zuschauerschnitt derzeit über der 1000er-Marke.

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