1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Restauriertes Selbstverständnis

Erstellt:

Von: Günter Klein

Kommentare

Trifft für den FCA, obwohl er eigentlich lieber in den USA wäre: Florian Niederlechner (rechts).
Trifft für den FCA, obwohl er eigentlich lieber in den USA wäre: Florian Niederlechner (rechts). © dpa

Der FC Augsburg will im Pokalkracher gegen den FC Bayern seine stabile Form umsetzen

Nun ist es also passiert: Erstmals in der Amtszeit des neuen Präsidenten Markus Krapf, der im Verein die große Aufbruchstimmung ausgerufen hatte, verlor der FC Augsburg ein Spiel. Auf 1:0 in Bremen, 1:0 gegen die Bayern, 3:2 auf Schalke und 1:1 gegen Wolfsburg folgte ein 2:3 in Köln. Aber das war erklärbar: Dem FCA fehlten der angeschlagene Stammtorhüter Rafal Gikiewicz, die ersten vier Innenverteidiger (zwei verletzt, zwei gesperrt), der für die körperliche Präsenz in der Offensive wichtige Andre Hahn (Knorpelschaden im Knie), und kurzfristig nahm Corona noch den finnischen Nationalspieler Frederik Jensen aus dem Kader, in dem U21-Europameister Niklas Dorsch nach erneutem Bruch des Mittelfußes ohnehin langfristig nicht zur Verfügung steht. Die Zahl der Ausfälle in Köln insgesamt: elf. Dafür war Augsburg noch gut im Spiel, auch wenn der ehemalige Kölner Verteidiger Karsten Baumann dem FCA auf Twitter ein „Destruktive Tretertruppe“ hinterherrief. Jedenfalls: Die allgemeine Stimmungslage hat die Niederlage nicht getrübt. Im Pokalspiel gegen den FC Bayern (Mittwoch, 20.30 Uhr, ZDF) ist der FC Augsburg zu erwarten, den der neue Trainer Enrico Maaßen restauriert hat.

Wobei: Vor ein paar Wochen überwogen die Zweifel an dem 38-Jährigen. Der FCA verlor zu Hause gegen Hertha BSC 0:2, die Mannschaft ließ es über sich ergehen, wehrte sich nicht. Florian Niederlechner, nur Einwechselspieler damals, stellte die taktische Grundausrichtung infrage, „wir bekommen vorne keine Bälle“, reklamierte er. Der Ebersberger hat noch gut in Erinnerung, wie er im Stadion stand „und Interviews gab, während wir ausgepfiffen wurden“. Dass sich die Lage nach diesem Tiefpunkt des 3. September ins Gegenteil verkehrte, „versteht man manchmal selber nicht“, sagt Niederlechner. Das nachfolgende Spiel in Bremen hatte etwas Trainerschicksalhaftes, doch wie Präsident Krapf feststellte: „Nicht der Sieg bei Werder hat Enno Maaßen den Job gerettet, sondern dass wir von ihm überzeugt sind.“

Bayern-Schreck Berisha

Mit der Aufstellung und dem Ansatz, den er gegen die Bayern wählte, gewann Maaßen den Respekt der Mannschaft. Er nominierte vier Stürmer, ordnete eine Zweikampfhatz über den ganzen Platz an und sagte: „Wir können 0:5 verlieren. Oder 1:0 gewinnen.“ Torwart Gikiewicz sagte: „Der Trainer hat Eier.“ Das Tor erzielte der gebürtige Berchtesgadener Mergim Berisha, mit dem der FCA kurz vor Transferschluss den lange vermissten Zielspieler geholt hatte – vorerst auf Leihbasis aus der Türkei. Doch der deutsche U21-Europameister soll dauerhaft verpflichtet werden. Gegen die Bayern traf er nicht erst mit dem FCA, sondern zuvor schon in der Champions League mit Salzburg.

Niederlechner, 31, der Kritiker, wurde nicht verbannt, sondern Stammspieler. „Auf einmal war ich wieder drin. Passt so“, sagt er. Er will ja eigentlich weg aus Augsburg, ihn reizt die Major League Soccer in den USA, weil es seiner wundersamen Karriere – erst mit 23 wurde er Profi in der zweiten Liga (Heidenheim), konnte seinen Bürojob hinter sich lassen, in dem er sich vor allem von Latte Macchiato ernährt hatte – ein abrundendes Abenteuer hinzufügen würde. Bislang verweigerte der FCA ihm die Freigabe. Jetzt leuchten Niederlechners Augen wie in seiner ersten FCA-Saison (2019/20), in der er 13 Bundesligatore schoss – und die Begeisterung sprudelt aus ihm heraus: „Es macht momentan unheimlich Spaß, wir sind ein geiler Haufen und machen vieles richtig. Wir sind gefestigt.“ Der Beweis: Der berüchtigte Bayernbesiegerfluch traf die Augsburger nicht. Ihr Lauf setzte sich fort.

Während der furchtbaren 0:2-Niederlage gegen Hertha BSC – es war ein Sonntagsspiel – hatte die Pokalauslosung stattgefunden, die dem FCA das Zweitrundenlos FC Bayern bescherte. Damals seufzte Augsburg ein „Nicht schon wieder“ vor sich hin, man hatte es einige Male und gar keine Lust darauf. Mittlerweile hat sich die Wird-eh-nix-Tristesse verflüchtigt. Trotz ZDF-Übertragung und Wochentagstermin meldet der FCA :„Ausverkauft“.

Auch interessant

Kommentare