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Relativ gleich

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Von: Martin Dahms

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Geld spielt auch bei den Frauen mit, in Deutschland und in Spanien. Foto: dpa
Geld spielt auch bei den Frauen mit, in Deutschland und in Spanien. Foto: dpa © dpa

Frauen und Männer sollen in Spanien künftig den gleichen Anteil an den Einnahmen erhalten, den ihre jeweiligen Wettbewerbe erzielen.

Das Wort „historisch“ fiel am Dienstag alle zwei Minuten. „Historische Vereinbarung im spanischen Fußball“, titelte zum Beispiel „El País“ am frühen Nachmittag. „Die Nationalteams der Männer und der Frauen bekommen dasselbe bezahlt.“ Die Kapitänin des Nationalteams, Irene Paredes, sprach von einem „historischen Tag nach einer herausragenden Vereinbarung.“ Nur Luis Rubiales, der Präsident des spanischen Fußballbundes RFEF, war etwas bescheidener: Es sei „ein wichtiger Tag“ für den Frauenfußball.

Die neue Vereinbarung, die am Dienstag Fußballbund und Spielerinnen unterzeichneten, war dringend nötig. Aber ganz so historisch ist sie vielleicht doch nicht. Am Abend betitelte „El País“, die große spanische Tageszeitung, ihren Artikel vom Nachmittag neu: „Das Kleingedruckte in der Vereinbarung des spanischen Fußballs: Warum das Frauenteam nicht dasselbe wie das Männerteam bezahlt bekommt, obwohl sich die Prämien angleichen.“

Gleichbehandlung heißt nicht immer, dass alle dasselbe bekommen. Im Falle des spanischen Fußballs wurden aber Männer und Frauen bisher grundsätzlich unterschiedlich behandelt, wenn sie in ihren Nationalteams antraten: Die Männer erhalten seit langem einen prozentualen Anteil an den Einnahmen, die Uefa und Fifa durch die Veranstaltung ihrer Wettbewerbe erzielen, die Frauen bekommen bescheidene Fixsummen. 300 Euro pro Spiel plus 150 Euro im Falle des Sieges plus 1000 Euro Bildrechte für den gesamten Wettbewerb, schreibt die Fachjournalistin Mayca Jiménez. Für die Männer ergibt sich ein Honorar von 25 000 Euro pro Spiel, wenn die kürzlich von der Netzzeitung „El Confidencial“ veröffentlichten Zahlen stimmen.

Barca überstrahlt alle

Geld regiert den Fußball, aber über Geld wird im Fußball nicht gerne geredet. Deswegen waren am Dienstag bei der Unterzeichnung der „historischen Vereinbarung“ auch keine Zahlen zu hören. Nur so viel: Frauen und Männer sollen künftig den gleichen Anteil an den Einnahmen erhalten, den ihre jeweiligen Wettbewerbe erzielen. Weil die Männerwettbewerbe deutlich mehr Zuschauer haben als die Frauenwettbewerbe und deswegen auch deutlich mehr Einnahmen generieren – an erster Stelle Fernseheinnahmen –, werden die Fußballerinnen auch künftig nicht dasselbe bezahlt bekommen wie ihre männlichen Kollegen. Aber ihre Einnahmen werden im Verhältnis zum öffentlichen Interesse an ihrem Sport stehen, so wie bei den Männern. In Deutschland machen die Fußballerinnen sogar Verluste.

Der Frauenfußball ist erst langsam im Kommen in Spanien. Eine nationale Liga gibt es seit 1988. Der FC Barcelona stellt eines der besten Frauenteams Europas; Real Madrid aber hat überhaupt erst seit zwei Jahren eine eigene Frauenabteilung. Das spanische Nationalteam hat sich im April für die Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland qualifiziert.

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