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Reisleine gezogen

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Von: Daniel Schmitt

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Schlusspfiff für Frank Kramer auf Schalke: Foto: dpa
Schlusspfiff für Frank Kramer auf Schalke: Foto: dpa © dpa

Schalke setzt Trainer Frank Kramer erwartungsgemäß den Stuhl vor die Tür. Aber Sportdirektor Rouven Schröder war es, der ihm kein bundesligataugliches Team zusammengestellt hat. Ein Kommentar.

Rouven Schröder ist nun wahrlich kein aktionistisches Handeln vorzuwerfen. Er, der Schalker Sportdirektor, hat alles probiert, hat Ruhe ausgestrahlt trotz wochenlanger Erfolgslosigkeit, ließ sich nicht treiben von den kritischen Stimmen, unterstützte den Fußballtrainer Frank Kramer bis zuletzt - selbst über dessen nach der 1:5-Abreibung im DFB-Pokal gegen Hoffenheim unausweichlichen Entlassung hinaus. Ein „armer Hund“ sei Kramer, sagte Schröder, im Stich gelassen habe ihn die Mannschaft.

Nun ist es aber so im Fußball, dass mitten in einer Saison nicht mal eben eine ganze Mannschaft ausgetauscht werden kann, sondern lediglich ihr schwächstes Glied, der Trainer. Im Nachhinein also, davon zeugen die desolaten Leistungen und Ergebnisse, die Schalke in der Liga auf Platz 17 mit lediglich acht Punkten brachten, war es ein Fehler, derart lange am zuvor bereits in Bielefeld gescheiterten Kramer festzuhalten, ihn letztlich im Sommer überhaupt nach Gelsenkirchen geholt zu haben. Viel weniger Erfolg hätte auch jeder andere Coach kaum haben können. Da passte wenig zusammen, was gerade bei einem Aufsteiger zusammenpassen sollte. Der analytische Kramer, ein netter Typ mit viel Fußballkompetenz, konnte seine Mannschaft emotional nie derart anzünden, mitnehmen, anpacken, wie es nötig gewesen wäre.

Einerseits. Andererseits ist die fehlende Qualität des Kaders das noch größere Übel. Sportboss Schröder hat die schwierige Aufgabe offenbar nicht geschafft, zumindest Stand jetzt, aus arg limitierten Finanzmitteln einen erstligareifen Kader zu gestalten. Der hoch verschuldete Klub fuhr im Sommer zwar finanziell einen vernünftigen Kurs (ungewohnt für nicht selten zur Großmannssucht neigende Schalker), das Sportliche aber litt darunter.

Nun also wurde die Reisleine gezogen, was in diesem Fall kein übler Schreibfehler ist, sondern mutmaßlich so etwas wie die große Schalker Hoffnung. Der bereits im Sommer von S04 umgarnte Thomas Reis, damals noch in Bochum, mittlerweile dort ebenfalls entlassen, gilt als heißester Kandidat für die Kramer-Nachfolge. Auch Reis wird nicht plötzlich aus höchst mittelmäßigen Fußballern reihenweise Superkicker formen, eine wichtige Fähigkeit aber bringt er mit: das Vermitteln von Emotionalität. Dass das manchmal schon zum Klassenerhalt reichen kann, hat er nicht zuletzt mit dem VfL in der vergangenen Saison selbst bewiesen.

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