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In der Budapester Puskas-Arena fand Leipzigs Champions-League-Heimspiel gegen den FC Liverpool statt.
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In der Budapester Puskas-Arena fand Leipzigs Champions-League-Heimspiel gegen den FC Liverpool statt.

Spielverlegungen wegen Corona

Reiseziel Mond

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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In der Europa League wirken die ausgesuchten Ausweichorte wegen Einreisebeschränkungen jetzt besonders aberwitzig. Dabei gebe es eine bekannte und beliebte Lösung.

Es ist ja nicht so, dass unnötige Reisen im Europapokal noch nie ein Thema waren. Einst störte sich Sepp Maier daran, dass der FC Bayern für sein Endspiel um den Europapokal der Landesmeister gegen AS Saint-Étienne im Mai 1976 nach Glasgow jetten musste. Der legendäre Torhüter adressierte in seiner 1980 erschienenen Biografie mit dem schönen Titel „Ich bin doch kein Tor“ unverhohlen Kritik: „Zwei Mannschaften, beinahe Nachbarn, spielen auf der Insel. Warum nicht gleich auf dem Mond?“ Wer den besonderen Humor des Keepers kannte, hat an dieser Passage seines Buches geschmunzelt. Aber der Einwurf ist aktueller denn je.

Umstrittener als jetzt waren die Reisebewegungen für Europapokalspiele wohl noch nie. Austragungsorte scheinen wie beim Stadt-Land-Fluss-Spiel mitunter beliebig wählbar, wobei nicht der Anfangsbuchstabe zählt, sondern eine Liste der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die Alternativen in Ungarn, Polen, Russland, Türkei, Griechenland oder Zypern für jene Teilnehmer anbietet, die aufgrund nationaler Reisebeschränkungen ihr Heimrecht nicht wahrnehmen können. Vor allem die Europa League bietet ein grandios verzerrtes Reisebild: Der norwegische Klub Molde FK, dessen nationale Regierung keine ausländischen Einreisen duldet, spielt nun gegen die TSG Hoffenheim am Donnerstag (21 Uhr/Nitro) im spanischen Villarreal, wo zwar angenehme Temperaturen, aber auch hohe Inzidenz-Zahlen herrschen. Immerhin findet das Gastspiel von Bayer Leverkusen bei Young Boys Bern (Donnerstag 18.55 Uhr) auch wirklich im Wankdorf-Stadion statt.

Spiele in Rom und Piräus

Geradezu grotesk sind die Reisebewegungen bei Benfica Lissabon gegen FC Arsenal: Statt in Lissabon und London werden nun angeblich sichere Blasen in Rom und Piräus erzeugt. Der Wolfsberger AC aus Österreich ist - wie RB Leipzig - bei der Suche nach einer Ausweichstätte in Budapest fündig geworden. San Sebastian empfängt Manchester United nun im Juventus-Stadion von Turin.

Stellt sich schon die Frage, wohin solch ein Flickenteppich noch führen soll. Nur: Hätte sich kein alternativer Spielort finden lassen, wären die Partien laut Uefa-Statuten mit 0:3 gegen die Heimmannschaften gewertet worden. Das will natürlich auch niemand riskieren.

Der europäische Fußball tut sich gerade schwer mit der Einsicht, dass internationale Vergleiche wie Länderspiele und Europapokalspiele neben viel Konfliktpotenzial auch höhere Ansteckungsgefahr bergen, wie der FC Bayern bei seinem umstrittenen Katar-Trip zur Klubweltmeisterschaft erfahren musste.

Doch der internationale Wettbewerb ist für alle Beteiligten ein so lukratives Geschäft, das unter allen Umständen am Laufen gehalten werden soll. Das gilt übrigens auch für die Women’s Champions League, den einzigen Europapokalwettbewerb der Frauen: Vorjahresfinalist VfL Wolfsburg soll nun gegen LSK Kvinner aus Norwegen antreten – fürs Rückspiel braucht es wohl einen anderen Schauplatz. Die Fußballerinnen des FC Bayern treffen übrigens auf Biik Kasigurd aus Kasachstan – auch das ist nicht direkt um die Ecke.

Final-8 wäre die Alternative

Im Vorjahr hatte die Uefa – wegen der wochenlang unterbrochenen nationalen Ligen – für Frauen und Männer ein der Pandemie angepasstes Format gefunden: ein „Final-8“, ein Turnier mit den besten acht Teams in einfacher K.o.-Runde. Eng begrenzt auf eine Region, wo sich eine „Bubble“ besser verschließen lässt. In Lissabon trafen sich die Champions-League-Viertelfinalisten, in Nordrhein-Westfalen die der Europa League und im spanischen Norden die besten acht Frauen-Teams. Organisatorisch, medizinisch gab es wenig zu beanstanden – und den Fans gefiel der Modus auch. Warum zieht die Uefa diese Alternative nicht wieder in Betracht?

Es wäre allemal ein Entgegenkommen, die blockierten Termine für Viertelfinale und Halbfinale, insgesamt vier Wochenspieltage, den nationalen Ligen zur Verfügung zu stellen, um im Gegenzug am Saisonende ein bisschen mehr Zeit für die Europapokal-Endturniere zu gewinnen. Das könnte gleichzeitig ein Probelauf für eine Europameisterschaft werden, die auch nur in einem Land stattfindet.

Nun hat sich das beim Impfen besonders fixe Uefa-Mitglied Israel für die Austragung angeboten. Sollten vor der EM-Endrunde die Europapokalwettbewerbe abgekürzt werden, könnte der eine oder andere Star auch etwas ausgeruhter dort antreten. Doch nehmen die Funktionäre solche Vorschläge auf, die etwas mit Verantwortung, Vernunft und Nachhaltigkeit zu tun haben? So spaßig wie vor 45 Jahren bei Sepp Maier ist die Sache nicht mehr.

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