Reinhard Grindel, ehemaliger Chef des Deutschen Fußball-Bundes, fühlt sich verraten.
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Reinhard Grindel, ehemaliger Chef des Deutschen Fußball-Bundes, fühlt sich verraten.

Ex-DFB-Präsident

Reinhard Grindel macht sich etwas vor

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Der ehemalige Boss beklagt, dass Verrat zu seinem Aus beim Deutschen Fußball-Bund geführt habe. In Wahrheit hat er es ganz alleine heraufbeschworen. Ein Kommentar.

Im Sport ist neben der Corona- ja auch noch Sommerlochzeit – deshalb nicht ganz verwunderlich, dass die seichte Nachrichtenlage angereichert wird mit einer Botschaft von Reinhard Grindel. Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hat ein Interview gegeben und in diesem sein Ende beim DFB reflektiert. Er sagt, er wurde verraten – und er hat Recht.

Viele in der Zentrale in Frankfurt wussten, dass Grindel von einer Uefa-Sitzung ein Geschenk mitgebracht hatte, das er nicht hätte annehmen dürfen. Wegen des zu hohen Wertes (Luxusuhr, 11 000 Euro), wegen der Gefahr, sich in die Abhängigkeit des Schenkenden (Grigori Surkis, reiches ukrainisches Mitglied im höchsten Gremium der Uefa) zu begeben, wegen all der fatalen Symbolik, die mit einer solchen Geschichte verbunden ist – offensichtlicher konnte ein Verstoß gegen Compliance-Regeln, die Grindel selbst mitveranlasst hatte, kaum sein. Einer, der wie er aus der an Intrigen reichen Politik kommt, musste wissen, dass die Leiche im Keller immer dann entdeckt wird, wenn jemand daran Interesse hat. Zur Schmutzelei des einen gehört die Durchstecherei des anderen.

Doch Reinhard Grindel macht sich etwas vor, wenn er seinen unausweichlich gewordenen Rücktritt vom April 2019 auf die Geschichte mit der schönen Uhr schiebt. Er musste gehen, weil seine Bilanz als DFB-Präsident verheerend war.

Kein Krisenformat

Um nicht ungerecht zu sein: Grindel hatte auch seine guten Seiten. Vor allem im Vorfeld der politisch brisanten WM in Russland spielte er seine Stärken als ehemaliger Abgeordneter des Deutschen Bundestags aus, sprach mit den richtigen Leuten und Organisationen, engagierte kluge Ratgeber wie Thomas Hitzlsperger, agierte fast wie ein deutscher Außenminister – sein Vorgänger beim DFB, Wolfgang Niersbach, hätte sich auf dem diplomatischen Parkett nicht so sicher bewegt. Dafür wäre diesem die Fülle an Fehlern im sportlichen Bereich nicht unterlaufen. Grindel aber traf Entscheidungen, für die er keine Kompetenz hatte – und manövrierte seinen Verband in der Aufarbeitung des WM-Debakels in die Ohnmacht. Der Umgang mit der Causa Özil offenbarte, dass Grindel schlicht nicht das Format hatte, mit einer Krise umzugehen. Auch ohne geschenkte Uhr hätte seine Zeit an der DFB-Spitze da abgelaufen sein müssen.

Natürlich hat seine Geschichte etwas Schmerzhaftes. Er war der Quereinsteiger, der um Anerkennung in der Fußballszene buhlte – und sie wurde ihm versagt. Er flog dennoch hoch – und verlor alles: DFB-Präsidentschaft, die gut bezahlten Sitze bei Uefa und Fifa, und er konnte nicht zurück auf einen seiner Ex-Jobs im Bundestag und beim Fernsehen. Es hat Grindel schwer erwischt. Aber: Ein Opfer ist er nicht,

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