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Reine Symbolpolitik

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Von: Georg Leppert

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Keiner da im weiten Rund, bis auf ein paar Fußballer. Muss das sein? Unser Redakteur Georg Leppert findet: nein.
Keiner da im weiten Rund, bis auf ein paar Fußballer. Muss das sein? Unser Redakteur Georg Leppert findet: nein. © dpa

Man darf in Kneipen, ins Theater und in die Sauna, aber der Besuch eines Fußballspiels an der frischen Luft soll zu gefährlich sein? Wie widersinnig ist das?

Wenn die politische Spitze dieses Landes heute mal wieder zusammenkommt und dabei auch darüber diskutiert, ob künftig wieder eine nennenswerte Zahl an Fans in die Fußballstadien darf, dann sollte sie sich erst einmal anschauen, was derzeit (vollkommen zu Recht) alles erlaubt und möglich ist. Den entsprechenden Impfstatus (geboostert) immer vorausgesetzt, darf man zumindest in den meisten Bundesländern in teils sehr ordentlich gefüllte Kneipen gehen, man darf ins Kino, ins Theater und in die Sauna, und Sport im Fitnessstudio ist auch möglich. Doch der Besuch eines Fußballspiels an der frischen Luft soll zu gefährlich sein? Wie widersinnig ist das?

Klar, der Stadionbesuch beinhaltet nicht nur 90 Minuten auf dem Sitzplatz. Aber die Erfahrungen der Hinrunde zeigen: Wenn die Arenen zur Hälfte besetzt sind (und um mehr geht es realistischerweise ja gar nicht), dann sind die Bahnen bei der Anreise eben nicht überfüllt. In Frankfurt etwa ist in den Trams im Berufsverkehr wesentlich mehr los als zuletzt vor dem Spiel der Eintracht gegen Mainz. Das Anstehen mit Abstand an Imbissbuden funktioniert auch gut, und wenn der Klobesuch das große Ansteckungsrisiko mit sich bringt, dann sollen eben Ordner dafür sorgen, dass es auf den Toiletten nicht zu eng wird. Um bei der Eintracht zu bleiben: Der Frankfurter Gesundheitsdezernent persönlich bescheinigte dem Verein ein hervorragendes Hygienekonzept. Was soll noch passieren, bevor wieder Fans ins Stadion dürfen?

Tatsächlich geht es bei der Frage der Geisterspiele längst nicht mehr um Infektionsschutz. Es geht um die Symbolik. Wie kann man bei einer bundesweiten Inzidenz von fast 1000 Fußballspiele vor Publikum ausrichten? Wie können Fans im Frankfurter Stadion ihr Team anfeuern, wenn ein paar lange Abschläge weiter, in der Uniklinik, Menschen an Covid 19 sterben? Die Befürworter:innen von harten Maßnahmen stellen diese Fragen voller Unverständnis. Die Antwort: Wir müssen diese scheinbaren Widersprüche aushalten.

In der Corona-Politik darf es nur noch darum gehen, was infektiologisch verantwortbar ist. Ob jemand ein Spiel vor Fans als falsches Signal ansieht, ist unerheblich. Und was will man mit leeren Stadien denn ausdrücken? Dass Corona gefährlich ist? Wer das noch nicht kapiert hat, will und wird es nicht verstehen.

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