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Der Hertha-Investor und sein neuer Vorstand: Lars Windhorst (rechts) mit Jürgen Klinsmann im Olympiastadion.

Hertha - Leipzig 2:4

Reich und erfolglos

Hertha BSC verliert zum dritten Mal in Folge.

Der neue Aufsichtsrat Jürgen Klinsmann verkniff sich einen Kommentar zum Spiel, Manager Michael Preetz musste Trainer Ante Covic schon öffentlich den Rücken stärken: Bei Hertha BSC war die Stimmung nach dem 2:4 gegen RB Leipzig äußerst gereizt, selbst die glänzende Finanzlage, die der Klub am Sonntag verkündete, konnte die Sorgen nicht vertreiben.

Dabei sollte es ein großes Fest im Olympiastadion werden. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls hatte Hertha die Berliner Mauer als Attrappe wieder aufgebaut und von Jugendlichen symbolisch einreißen lassen. Beim anschließenden Spiel riss vor allem der Geduldsfaden der Fans. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, forderten die Anhänger lautstark von ihrem vorsichtigen Team.

Am Ende stand die dritte Niederlage in Folge. „Die Frage nach dem Abstiegskampf ist berechtigt“, räumte Covic ein, „wir wollen uns aber bald wieder für unseren Aufwand belohnen und eine Serie starten.“ Das dürfte angesichts des Restprogramms bis zur Winterpause mit Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach schwer werden. Mit nur elf Punkten aus elf Spielen kommen die Berliner der Abstiegszone immer näher – und zu allem Überfluss hat Aufsteiger 1. FC Union zwei Zähler mehr auf dem Konto. Dass der Lokalrivale in der Tabelle vorbeizog, ließ zumindest Flügelspieler Marius Wolf kalt: „Wir schauen nicht auf Union, wir schauen auf uns.“ Preetz gab derweil dem Trainer Rückendeckung. „Wir haben die Ruhe“, sagte der Manager. „Das tut gut“, erklärte Covic am Sonntag.

Wie aber reagiert Lars Windhorst? Der Unternehmer hält seit Freitag für 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der KGaA-Anteile und saß mit seinem neuen Intimus Jürgen Klinsmann auf der Tribüne. Der frühere Welt- und Europameister bekam auf Betreiben Windhorsts einen Sitz im Aufsichtsrat.

Eigenkapital verfünffacht

„Ich freue mich, dass ich in Zukunft ein bisschen an Hertha BSC mitbasteln darf“, verriet Klinsmann. Es werde keine Alleingänge und keinen Populismus geben, sagte Klinsmann vor dem Spiel zur „Bild“: „Wir haben große Ziele – und die schaffen wir nicht mit Fingern in die Wunde legen.“

Hertha ärgerte sich auch über Schiedsrichter Sören Storks. Vor dem 1:1 durch Timo Werner (38.) hatte Storks nach einem Handspiel von Karim Rekik nach Videobeweis auf Handelfmeter entschieden. In der 73. Spielminute brach Leipzigs Konrad Laimer Herthas Niklas Stark im eigenen Strafraum mit einem Schlag die Nase und bekam den Ball zusätzlich gegen die Hand. Storks verzichtete auf Videobeweis und Strafstoß. Stark wurde am Sonntag im Krankenhaus die Nase gerichtet.

„Wenn sich der Schiedsrichter die erste Sequenz anguckt, muss er sich auch die zweite angucken“, reagierte Covic mit Unverständnis. „Nik wird die Nase gebrochen und da wird noch nicht einmal nachgeschaut“, schimpfte Maxi Mittelstädt, der Herthas Führung erzielte (32.).

Zumindest Geschäftsführer Ingo Schiller konnte am Sonntag auf der Mitgliederversammlung positive Neuigkeiten verkünden. Der Hauptstadt-Klub habe sein Eigenkapital in der vergangenen Saison von 25,8 Millionen Euro auf 123,7 Millionen Euro verfünffacht. Den Etat bezifferte der Klub für die Saison 2018/19 auf 140,8 Millionen Euro, im Jahr davor waren es 138,4 Mio Euro. Angesprochen auf das berühmte Festgeldkonto von Bayern München sagte Schiller: „Das haben wir jetzt auch“ und gab den Wert mit 124,7 Millionen Euro an. (sid)

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