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Rechte Klebe ins Glück

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Von: Jan Christian Müller

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Mit Beistand von oben: Jae-Sung Lee schießt Mainz 05 auf die Siegesstraße.
Mit Beistand von oben: Jae-Sung Lee schießt Mainz 05 auf die Siegesstraße. © dpa

Der Mainzer Joker Lee schließt eine klasse Woche mit Wumms ab.

Der Trainer und der Sportdirektor von Mainz 05 gehören sicher nicht zu den Menschen, die zu Schönfärberei neigen. Das ist gut so und schärft den Blick für die unverblümte Wahrheit. Diese Wahrheit war am Samstagnachmittag, dass Mainz 05 mit mehr Glück als Verstand 2:0 (0:0) gegen die spielerisch, taktisch und organisatorisch bessere TSG Hoffenheim gewonnen hatte. Niemand aus dem Lager der Nullfünfer hätte sich ernsthaft beschweren dürfen, wenn es andersherum gekommen wäre. „Wenn wir weiter Siege haben wollen, müssen wir besser spielen“, kommentierte Chefcoach Bo Svensson. „Heute hatten wir das Fußballglück“, ergänzte Sportdirektor Martin Schmidt.

Und sie hatten einen Joker auf der Bank, der seinen Job machte. Jae-sung Lee ist eigentlich Stammkraft bei den Rheinhessen. Weil der Südkoreaner aber zwei Wochen lang weit weg war (und sich mit seinem Land durch ein 2:0 gegen Syrien für die WM 2022 qualifizierte), musste er zunächst auf die Bank. Zehn Minuten nach seiner Einwechslung drosch er den Ball zur überraschenden Mainzer Führung unter die Latte – und vergaß hinterher nicht, mutig auf Deutsch darauf hinzuweisen, dass er dabei seinen schwächeren rechten Fuß benutzt hatte. Bald darauf machte Moussa Niakathé den Deckel per Handelfmeter drauf und sorgte im vierten Bundesligaheimspiel ohne Gegentreffer nacheinander für den 33. verwandelten Mainzer Strafstoß in Folge. Deutscher Rekord ausgebaut!

Die gute Heimbilanz wurde allerdings von zwei Pfostentreffern der präziser und drängender agierenden Gäste aus dem Kraichgau begleitet. Lange bolzten die Mainzer die Bälle recht planlos nach vorne, wo die bemitleidenswerten Angreifer Karim Onisiwo und Jonathan Burkhardt sich einsam müde liefen. Aber dann unterlief ausgerechnet dem bis dahin besten Hoffenheimer, David Raum, ein verhängnisvoller Fehlpass. Mainz konterte über den aufmerksamen Anton Stach gnadenlos und Lee war zur Stelle. Zehn Tore habe er sich als persönliches Saisonziel gesetzt, berichtete der offensive Mittelfeldspieler hinterher, vier sind es inzwischen schon geworden. An Selbstbewusstsein mangelt es dem kleinen Rumtreiber wahrlich nicht. Nach drei Jahren bei Holstein Kiel in Liga zwei erlebt er erst sein erstes Jahr in der Bundesliga – und macht einen Klassejob.

Bemerkenswert auch, dass das Spiel zugunsten der Mainzer kippte, nachdem sie Dominik Kohr und Lee eingewechselt hatten und die Hoffenheimer ihre Topspieler Christoph Baumgartner und Florian Grillitsch brachten. Man hätte denken können, dass es angesichts der individuellen Klasse von Baumgartner und Grillitsch genau andersherum kommt. Mainz ist nach dem dürftigen 1:2 in Fürth und dem schmerzlichen Pokalaus in Bochum vor dem Auswärtsspiel in Freiburg wieder gut dabei. Der Weg mit Blickrichtung nach oben ist jetzt deutlich kürzer als der nach unten. Etwas mehr Fußball zum Hinschauen darf es in Zukunft nicht nur nach Ansicht von Trainer und Sportdirektor aber gerne wieder werden.

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