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Business as usual: Bakery Jatta (vorn) im HSV-Training, dahinter Chefcoach Dieter Hecking.

Bakery Jatta

HSV reagiert gereizt auf Fall Bakery Jatta

Trainer Hecking nimmt den Gambier mit zum Pokalspiel nach Chemnitz. Das könnte brisant werden - denn es geht um die Themen extreme Rechte, Rassismus und Migration.

HSV-Trainer Dieter Hecking setzt trotz des Wirbels um die Identität von Bakery Jatta auf den Angreifer. „Natürlich nehmen wir ihn mit. Aus meiner Sicht gibt es gar keinen Grund, ihn hier zu lassen“, sagte ein sichtlich angefressener Hecking vor dem brisanten DFB-Pokalspiel am Sonntag (18.30 Uhr/Sky) beim Chemnitzer FC. „Am Ende des Tages muss man erstmal die Beweislage abwarten“, so Hecking auf der Pressekonferenz am Freitag: „Das, was gerade wieder passiert, ist typisch für Medienlandschaften.“ Für ihn zähle die Unschuldsvermutung, Jatta war am Vortag beim Training von den Fans mit Applaus empfangen worden.

Derweil hat das Bezirksamt Hamburg-Mitte ein Anhörungsverfahren eröffnet. Ein entsprechendes Schreiben sei am Donnerstag verschickt worden, sagte eine Sprecherin. Dabei solle Hinweisen auf mögliche Falschangaben Jattas bei seiner Einreise nach Deutschland nachgegangen werden, über die die „Sport Bild“ berichtet hatte. Demnach könnte der Offensivspieler tatsächlich Bakary Daffeh heißen und zweieinhalb Jahre älter sein als angegeben.

Während der 1. FC Nürnberg Einspruch gegen die Wertung des Punktspiels vom Montag (0:4) einlegte, hat Darmstadt 98 nach dem 1:1 zum Auftakt in Hamburg ausdrücklich davon abgesehen, ähnliches zu tun. .„Wir haben bewusst auf einen Einspruch verzichtet, weil in unseren Augen offensichtlich kein bewusst unsportliches Verhalten seitens des Hamburger Sportvereins vorliegt“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereinspräsidiums. „Unserer Meinung nach ist es daher in diesem Fall falsch, mit juristischen Mitteln sportlich erzielte Ergebnisse anzufechten. Als Fußballklub sind wir der Meinung, dass es nicht nur unsere Aufgabe ist, sportliche Ergebnisse zu erzielen, sondern auch für sportliche und gesellschaftliche Werte einzutreten.“

Wie der „Spiegel“ berichtet, belegen Dokumente der Enthüllungsplattform Football Leaks, dass ein Spielerberater einen HSV-Mitarbeiter bereits am 18. Januar 2016 auf Zweifel an der Identität Jattas hingewiesen habe. Ein Klubangestellter habe daraufhin versucht, den Spuren nachzugehen. Belastende oder entlastende Beweise habe er nicht gefunden. Sein „Hauptverdacht“ sei, schrieb er laut „Spiegel“ Ende Januar 2016 in einer Mail, „dass es sich tatsächlich um Bakary Daffeh handeln könnte“.

Lothar Kannenberg, Entdecker von Jatta in Deutschland, hat unterdessen Zweifel an der Identität des Gambiers bestärkt. „Wir hatten alle Zweifel, ob er nicht älter als 17 sein könnte“, sagte Kannenberg über den Spieler, der im Sommer 2015 nach Bremen gekommen war, der „Bild“-Zeitung.

Der ehemalige Leiter der mittlerweile geschlossenen Bremer Jugendhilfeeinrichtung betonte, Jatta habe bei seiner Ankunft einen gambischen Pass besessen. „Die Stadt Bremen hat seine Identität überprüft und ihn dann an uns vermittelt, darauf haben wir uns natürlich verlassen.“ Jatta habe erzählt, dass er vor der Flucht Familienmitglieder in seiner Heimat verloren und jetzt niemanden mehr habe. „Er kam nach Deutschland, um ein neues Leben anzufangen.“ Nach einem halben Jahr in Bremen erhielt der Offensivspieler beim Hamburger SV einen Vertrag. Auch Werder Bremen war stark interessiert.

Frahn will sich wehren

Fanforscher Robert Claus rechnet rund um das DFB-Pokalspiel mit Reaktionen beider Fanlager. „Ohne den Fußball über Gebühr interpretieren zu wollen, steckt sowohl in der Chemnitzer Debatte um Daniel Frahn als auch im Hamburger Fall um Bakery Jatta viel Gesellschaftspolitisches um die Themen extreme Rechte, Rassismus und Migration“, sagte Claus.

Der Chemnitzer FC hatte Anfang der Woche seinen Kapitän Frahn wegen einer angeblich zu großen Nähe zur rechtsextremistischen Szene entlassen. Frahn will sich offenbar gegen seine Entlassung wehren. „Man muss sowieso dagegen vorgehen“, sagte Daniel Scheinhardt von Frahns Beraterfirma Coaches und more dem Sportbuzzer.

CFC-Sportdirektor Thomas Sobotzik hofft auf ein ruhiges Spiel. „Ich wünsche mir, dass es nur um Fußball geht. Der Verein hat ein Jahr um dieses Spiel gekämpft, jetzt wollen wir es auch genießen“, sagte der Ex-Profi von Eintracht Frankfurt, der bereits Drohungen erhalten hat. Die Polizei in Chemnitz stellt sich auf Unruhe ein (dpa)

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