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Joachim Löw hast vorerst seinen Job gerettet.

DFB-Team

Löw reagiert erst unter Druck

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Bei Jogi Löw hat die Aufarbeitung des WM-Desasters zu lange gedauert, auch die Blutauffrischung hat sich unnötig gezogen. Er hätte schon eher der jungen Garde mehr Vertrauen schenken müssen. Ein Kommentar.

Es ist eigentlich jammerschade, dass deutsche Nationalspieler den Puls von Amsterdam und Paris abseits des Fußballs nicht fühlen konnten. Zum einen ist es in aufgeregten Social-Media-Zeiten für die Profis kaum mehr möglich, zwischen zwei Pflichtpartien – auch wenn es sich nur um die Nations League handelt – einfach mal auf Streifzug durch die angesagten Viertel dieser nie schlafenden Hauptstädte zu gehen. Zum anderen hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich für seinen Tross Herbergen gesucht, die ganz bewusst ein bisschen abseits des Rummels lagen, um Ruhe zu finden. 

Von Toni Kroos kam dann die kraftvolle Ansage, man wolle in beiden Auswärtsspielen sechs Punkte einfahren. Es ist bekanntlich anders gekommen. Null Punkte. Ein Tor. Durch einen Handelfmeter. Dennoch hat Kapitän Manuel Neuer vor der individuellen Abreise der Nationalspieler noch tapfer versichert, dass der Bundestrainer den Weg des modernen Fußballs mitgehe. Sein Zitat zu Joachim Löw: „Der Jogi entwickelt sich mit uns weiter.“ Allerdings leider erst auf den letzten Drücker und unter großem Druck. 

Bei dem 58-Jährigen hat nicht nur die Aufarbeitung des WM-Desasters zu lange gedauert, sondern auch die Blutauffrischung hat sich unnötig gezogen. Löw hätte schon eher der jungen Garde, allen voran Leroy Sané, Niklas Süle und hoffentlich bald auch Serge Gnabry oder Thilo Kehrer, mehr Vertrauen schenken müssen. Mit dem ersten Startschuss im September. 

Wenn der eine oder andere noch mehr Orientierung, womöglich auch mehr Disziplinierung benötigt, ist es Aufgabe des Fußballlehrers, sich ausreichend Zeit dafür zu nehmen. Wenn nicht in einer Vorwettbewerbsphase wie der Nations League, wann dann? Löw hat vorerst seinen Job gerettet, was nebenbei auch Präsident Reinhard Grindel das Allerliebste ist. Es gab hinter vorgehaltener Hand lebhafte Debatten, wer Löw denn überhaupt hätte folgen können. Vielleicht wäre der DFB darauf gekommen, im Sommer 2019 den im Trainer- und Managergeschäft befähigten Allesmacher Ralf Rangnick als Mann fürs große Ganze zu gewinnen.

Kurzfristig hätte womöglich noch einmal Horst Hrubesch helfen können, wo der Mann doch bald die Frauen-Nationalmannschaft los ist. Und dann gibt es auch noch Arsène Wenger, der aus dem Unruhestand gerade der „Sportbild“ seine Ansichten zum deutschen Fußball verraten hat. Einen Ratschlag der Arsenal-Trainerlegende sollte man allerdings vergessen: dass Deutschland Mesut Özil noch braucht. Der Spieler ist dieser Tage gerade 30 Jahre alt geworden. 

Die Zukunft der deutschen Nationalelf müssen andere gestalten. Wie das neue Gesicht aussehen könnte, davon gab es im Vielvölker-Schmelztiegel Paris einen ersten Eindruck. Der Auftritt einer verjüngten Garde geriet vielversprechend, doch werden diese Protagonisten dauerhaft nur das Gerüst bilden können, wenn sie auch entsprechende Ergebnisse liefern. Am besten wären zwei Siege in den November-Länderspielen gegen Russland und die Niederlande. Dann wird Löw ganz sicher derjenige sein, unter dem ab März 2019 die EM-Qualifikation startet. Weitere Garantien kann und darf niemand mehr geben.

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