Oliver Mintzlaff verantwortet als Geschäftsfüher von RB Leipzig ein gewaltiges Transferdefizit.
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Oliver Mintzlaff verantwortet als Geschäftsfüher von RB Leipzig ein gewaltiges Transferdefizit.

Schuldenerlass

Schuldenerlass bei RB Leipzig: Red Bull statt Sparkasse

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Macht die Corona-Krise die Starken noch stärker im Fußball? Diese Frage drängt sich umso mehr auf, nachdem sich bei RB Leipzig mal eben 100 Millionen Euro Schulden in Eigenkapital verwandelt haben.

Es gibt ernstzunehmende Fußballfachleute, wie etwa den ehemaligen Arsenal-Manager Arsene Wenger, die voraussagen, dass die Starken noch stärker aus der Corona-Pandemie herausgehen werden. Am heutigen Freitagabend spielen zwei dieser Starken gegeneinander: die TSG Hoffenheim und RB Leipzig.

Die Schlagzeilen dominiert zwar die Rückkehr von Julian Nagelsmann an seine alte Heimatstätte. Interessant ist aber auch ein Blick auf die Finanzen jener beiden Klubs, die ohne die Unterstützung von Dietmar Hopp (Hoffenheim) und Dietrich Mateschitz (Leipzig) überregional unsichtbar wären. Stattdessen schicken sie sich nun an, weitgehend unversehrt aus der Corona-Krise herauszukommen.

Gerade ist nämlich bekanntgeworden, dass Leipzig seine Bilanz entscheidend aufgehübscht hat. Aus hundert Millionen Euro Verbindlichkeiten bei Geldgeber Red Bull sind mittels Schuldenerlass flugs hundert Millionen Euro Eigenkapital geworden. Es handele sich dabei um „eine Transaktion, die völlig üblich ist, insbesondere in der freien Wirtschaft, aber auch im Fußballgeschäft und auch in der Bundesliga“, sagte RB-Finanzdirektor Florian Hopp der Deutschen Presse-Agentur. Für ihn, sei das ein Glücksfall in der Corona-Krise.

RB Leipzig hat Schulden bei Red Bull mehr als halbiert

Inwieweit derlei bilanziellen Verschönerungsarbeiten tatsächlich „üblich“ sind in der Bundesliga, bleibt indes zweifelhaft, zumal derart potente und selbstlose Investoren wie Red Bull hierzulande eher unüblich sind. Der Hinweis des RB-Finanzchefs auf einen „Glücksfall“ dürfte die Situation dagegen sehr präzise beschreiben. RB Leipzig hat somit nämlich seine Schulden bei Red Bull mehr als halbiert auf nun „nur“ noch 86 Millionen Euro. Unlängst hatte RB-Boss Oliver Mintzlaff noch ausdrücklich darauf hingewiesen, der Klub müsse die verzinsten Kredite vollständig zurückzahlen. „Unsere Darlehen kommen nicht von der Sparkasse, sondern zu marktüblichen Konditionen von Red Bull.“

Interessant: Über die vergangenen vier Spielzeiten gerechnet, hat kein Bundesligist ein höheres Transferdefizit erwirtschaftet als RB Leipzig (minus 137 Millionen Euro). Die TSG Hoffenheim – mit mindestens 350 Millionen Euro aus dem Vermögen von Dietmar Hopp angeschoben – hat dagegen in den vergangenen fünf Jahren nach Borussia Dortmund den höchsten Transferüberschuss erzielt (115 Millionen Euro).

Auffällig: Zu den Schlusslichtern der Transferbilanzen der vergangenen zehn Spielzeiten zählen neben Leipzig die investorengetriebenen Klubs VfL Wolfsburg (minus 151 Millionen Euro), Hertha BSC (minus 70) und Bayer Leverkusen (minus 56).

Vom Herbst an plant die Deutsche Fußball-Liga, in einer personell noch nicht vollständig bestimmten Taskforce „Zukunft Profifußball“ darüber nachzudenken, wie sich die Bundesliga moralisch und finanziell neu aufstellen könnte. Fest steht: Die 50+1-Regel hat weitgehend versagt. Zu der Regel (oder als Ersatz für sie) könnten sich, angelehnt an die Uefa-Regularien, finanzielle Fairnessregeln gesellen.

Ein aktuelles Beispiel zeigt aber auch, wie schwierig es für Verbände sein kann, hartleibig für ein einigermaßen gerechtes Financial Fairplay zu sorgen. Gerade schlägt sich die Uefa vor dem Internationale Sportgerichtshof CAS mit Manchester City herum. Die Verhandlung fand diese Woche statt, das mit Hochspannung erwartete Urteil soll Mitte Juli gesprochen werden.

Hintergrund: Die Uefa hat den noch amtierenden englischen Meister wegen „schwerwiegender Verstöße“ gegen das Financial Fairplay knallhart von allen europäischen Wettbewerben der kommenden zwei Spielzeiten ausgeschlossen. City, das sich mehrheitlich im Besitz einer steinreichen Holding aus den Vereinigten Arabischen Emiraten befindet, soll übermäßige Geldzuwendungen durch seine Investoren erhalten haben. Zuwendungen, die mit üblichen Sponsorengeldern wohl nicht mehr ansatzweise erklärbar sind.

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