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RB Leipzig: Auf Bewährung

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Von: Thomas Kilchenstein

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Krisengespräch auf dem Rasen: RB Leipzig und Trainer Tedesco müssen reden.
Krisengespräch auf dem Rasen: RB Leipzig und Trainer Tedesco müssen reden. © dpa

RB Leipzig ist in der Champions League gegen Schachtjor Donezk auf Wiedergutmachung aus.

Nach der Vorführung von Frankfurt ist Domenico Tedesco gefragt worden, wie er seine entzauberten Profis wieder aufzurichten gedenke. Immerhin steht an diesem Dienstag in der heimischen Arena das erste Champions League-Spiel gegen Schachtjor Donezk an (21 Uhr/live bei Dazn), eine weitere Pleite würde die beginnende Krise in Leipzig weiter verschärfen. Der Coach von RB Leipzig hat da sauertöpfisch dreingeblickt. Was er machen könne? „Wir werden das Spiel aufarbeiten und weitermachen.“ Die Partie könne man ja schlecht verschieben.

Womöglich ist es ja auch ein Vorteil, so schnell wieder spielen zu können, um die Schmach der 0:4-Niederlage bei entfesselt auftrumpfenden Hessen zu tilgen - wenn die Problematik des fürstlich entlohnten und hochklassig besetzten Kaders nicht doch tiefer liegen sollte. Tedesco, längst nicht mehr unumstritten, deutete das am Samstagabend erstaunlich deutlich mehr als an. Er monierte eine fehlende Einstellung, stellte gar die Frage nach der Mentalität.

Es besteht ganz offensichtlich erheblicher Redebedarf, schon unmittelbar nach Spielschluss versammelte Tedesco seine Spieler im Mittelkreis zu einem ernsten Krisengespräch: „Wir waren anfangs gar nicht auf dem Platz. Wir müssen schauen, dass wir das sofort geregelt kriegen. Vielleicht schaut die Mannschaft auf die Startelf und sagt: ,Boah, geil, es läuft von alleine‘ – aber im Fußball, im Leben, läuft nichts von alleine.“ Am Montag freilich relativierte er seine Kritik an der Mentalität, das sei nur „auf dieses eine Spiel bezogen“ gewesen.

Tatsächlich stand eine Mannschaft auf dem Rasen, die auf dem Papier überragend besetzt war - und wer sich anguckte, wer alles auf der Ersatzbank Platz nehmen musste - Forsberg, Szoboszlai, Silva, Schlager, Halstenberg und der frisch verpflichtete 18-Millionen-Euro-Mann Diallo - erkannte, dass die höchste Bundesligaschlappe der Rasenballer nicht an mangelnder Qualität gelegen haben kann. Da stimmt es offenbar im Team nicht, Timo Werner etwa harmonierte überhaupt nicht mit Christopher Nkunku, beide nahmen sich gegenseitig den Raum.

Ligaplatz elf bei fünf Punkten (nur ein Sieg) ist definitiv zu wenig für die Ansprüche des amtierenden DFB-Pokalsiegers, der, nach dem FC Bayern, über den ausgeglichensten Kader der gesamten Liga verfügt.

Wiedergutmachung ist also angesagt, eine Reaktion zeigen - Donezk soll die Wut der Sachsen zu spüren bekommen, ausgerechnet ohnehin gebeutelte Ukrainer. Eine Heimat hat Schachtjor Donezk schon lange nicht mehr. Vertrieben aus der eigenen Donbass-Arena, Gast in Lemberg, Charkiw und zuletzt in Kiew – seit 2014 ist der zehnmalige ukrainische Meister praktisch auf der Flucht. Durch den Angriffskrieg Russlands hat sich die Lage nochmals drastisch verschärft.

Heimatloses Team

Der Abend in Leipzig soll wenigstens für ein wenig Ablenkung sorgen – und steht dennoch ganz im Zeichen des Kampfes. „Wie die Soldaten an der Frontlinie haben wir eine Pflicht gegenüber der Ukraine und diese ist es, Fußball zu spielen“, sagt Sportdirektor Darijo Srna martialisch. Der langjährige Kapitän von Schachtjor kennt Krieg und Vertreibung von klein auf. Während des Balkankriegs floh seine Familie aus dem Süden Kroatiens in sicherere Gebiete des Landes. „Wir werden der ganzen Welt zeigen, dass wir noch am Leben sind und auf dem Rasen für die Ukraine kämpfen werden“, sagte der 40-Jährige.

Schachtjor hat sich verändert. War das Team viele Jahre von brasilianischen Profis geprägt, habendem Klub nun nahezu alle ausländischen Profis den Rücken gekehrt. In der Liga ist man nach drei Spielen noch ungeschlagen, doch das Niveau des Teams lässt sich ohne internationale Vergleich kaum seriös einschätzen. mit dpa

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