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Triumphator: Roberto Firmino bejubelt seinen Treffer zum 5:0, links im Bild Mohamed Salah.

FC Liverpool - AS Rom

Rausch mit Kater

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Der ruhmreiche FC Liverpool feiert das Dreigestirn Salah, Firmino und Mané - und ärgert sich nach dem 5:2 gegen den AS Rom über zwei späte Gegentore.

Der FC Liverpool lebt wie kaum ein anderer Verein im europäischen Fußball von seiner stolzen Geschichte, von vergangenen Titeln und von großen Persönlichkeiten. Es hat also eine ganz besondere Bedeutung, wenn Steven Gerrard, langjähriger Kapitän und Führungsfigur beim bislang letzten Gewinn der Champions League 2005, den wichtigsten Spieler der Gegenwart mit einem Superlativ versieht. „Er ist in der Form seines Lebens. Ohne Zweifel ist er im Moment des beste Spieler des Planeten“, sagte Gerrard nach dem 5:2 an der Anfield Road im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AS Rom.

Der Empfänger dieser Würdigung war Angreifer Mohamed Salah, der spätestens mit der Partie gegen seinen Ex-Verein, der ihn im Sommer für vergleichsweise lächerliche 42 Millionen Euro an Liverpool abgetreten hatte, in der Weltelite angekommen ist. Er war, neben dem Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino, der überragende Mann mit zwei Toren und zwei Vorlagen. Das Schauspiel veranlasste die „Times“, die der boulevardesken Übertreibung unverdächtig ist, zu der These, dass Lionel Messi stolz auf eine solche Leistung gewesen wäre. Trainer Jürgen Klopp überließ den Beobachtern das Urteil darüber, wo sein Stürmer gerade steht im weltweiten Spieler-Ranking: „Wenn ihr denkt, dass er der Beste ist, dann schreibt es doch einfach“, empfahl er den Journalisten.

Nach den beiden Toren gegen Rom steht Salah in seiner ersten Saison in Liverpool bei insgesamt 43 Pflichtspieltreffern und schlägt damit den Bogen zur goldenen Historie seines Arbeitgebers. Er hat nur noch vier Tore Rückstand auf den grau gewordenen Ian Rush, der 1983/1984 die Bestmarke für einen Liverpool-Spieler in einer Saison aufstellte. Damals gewann der Klub übrigens den Europapokal der Landesmeister.

Das aktuelle Team steht nach dem rauschenden, aber am Ende auch ein wenig schmerzhaften Sieg gegen Rom mit mehr als einem Bein im Endspiel am 26. Mai in Kiew, auch wenn die Ausgangslage nach dem Hinspiel nicht so gut ist, wie sie hätte sein können. So paradox das klingt: Nach knapp 70 Minuten lag Liverpool 5:0 vorne, doch durch zwei Tore kurz vor Schluss – übrigens nach Salahs Auswechselung – hielt Rom zumindest ein kleines bisschen Hoffnung wach vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch in der italienischen Hauptstadt.

Dass die Römer zu beeindruckenden Auferstehungen imstande sind, haben sie im Viertelfinale gegen den FC Barcelona gezeigt. Nach einer 1:4-Niederlage im Hinspiel verbannten sie den Großklub aus Katalonien durch ein 3:0 vor eigenem Publikum aus dem Wettbewerb. „Die Situation ist viel besser, als ich vor dem Spiel erwarten konnte, aber natürlich spüre ich auch die beiden Gegentore“, sagte Liverpools Trainer Klopp über das seltsam flaue Ende einer rauschenden Europapokal-Nacht an der Anfield Road.

Die Einschläge kurz vor Schluss, unter anderem durch den Ex-Wolfsburger Edin Dzeko, haben verhindert, dass das Halbfinale schon nach den ersten von zweimal 90 Minuten komplett entschieden ist. Trotzdem brachte sich Liverpool mit der Leistung gegen Rom endgültig als ernster Anwärter auf den Champions-League-Titel in dieser Saison in Stellung. Nicht als Topfavorit, dafür hat der Verein in der jüngeren Vergangenheit dann doch zu wenig Erfahrung in großen Spielen gesammelt im Vergleich zu den möglichen Finalgegnern Real Madrid oder Bayern München. Doch wenn Salah weiter so trifft wie im Moment, wenn überhaupt Liverpools Angriff weiter Tore wie Massenware produziert – warum sollte das Team Angst haben? Und vor wem?

Salah sticht heraus in dieser Saison, wegen seiner beeindruckenden Torbilanz und der Verehrung, die ihm Fans und Fachleute entgegenbringen. Doch auch seine beiden Offensivpartner Sadio Mané aus dem Senegal und der formidable Roberto Firmino, die beim 5:2 gegen Rom die weiteren Treffer anbrachten, tragen entscheidend zu Liverpools Erfolg bei. Die Sturmreihe hat zusammen in dieser Saison im Europapokal schon öfter getroffen (28-mal) als Real Madrid (26-mal) vor der Partie gegen den FC Bayern. Außerdem meldeten mehrere Statistikdienste, dass Liverpool der erste Verein im Zeitalter der Champions League ist, bei dem gleich drei Spieler acht oder mehr Tore innerhalb einer Saison geschossen haben.

Klopp dürfte richtig liegen mit seiner Warnung, dass im Rückspiel eine ganz andere Partie auf seine Mannschaft zukommen wird. Denn Rom muss Tore schießen, um noch eine Chance aufs Weiterkommen zu haben. Doch es ist schwer vorstellbar, dass der FC Liverpool seine blendende Ausgangslage noch verspielt. Ja, es ist schwer vorstellbar, dass eine Mannschaft mit dieser Wucht in der Offensive den Einzug ins Finale der Champions League noch aus der Hand gibt.

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