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Almuth Schult, Torfrau des VfL Wolfsburg, reiste kürzlich ohne Fußball- und Handschuhe ins Trainingslager.

Anschluss

Raus aus der Senke

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Die Frauen-Bundesliga ringt international um den Anschluss - selbst Meister VfL Wolfsburg.

Händeschütteln fällt Almuth Schult gerade schwer. Und den rechten Arm zu heben, geht gar nicht. Die deutsche Nationaltorhüterin hat ihren Einsatz bei der Frauen-WM in Frankreich mit einer komplizierten Schulteroperation bezahlt. Die Torfrau des VfL Wolfsburg reiste kürzlich ohne Fußball- und Handschuhe ins Trainingslager. Gleichwohl blickt die 28-Jährige mit einiger Vorfreude auf die 30. Saison der Frauen-Bundesliga, in der Schult mit dem Dreifachtriumph für den Doublegewinner liebäugelt. „Wir wollen am besten alle drei Titel gewinnen. Gerne mal wieder die Champions League.“

National haben die Niedersächsinnen außer dem Vizemeister FC Bayern kaum noch Rivalen, und können daher auch leicht verschmerzen, beim Eröffnungsspiel den Altmeistern 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam den Vortritt zu lassen. „Wir wollen aus der Senke rauskommen – was die Nationalmannschaften und die Bundesliga angeht“, formuliert FFC-Manager Siegfried Dietrich das übergreifende Ziel für den deutschen Frauenfußball. Einig sind sich alle Beteiligten, dass es nicht leicht wird, das Niveau wieder zu stärken. „Das ist keine Herausforderung für den DFB alleine, sondern betrifft uns alle“, betont Ralf Kellermann, der Sportliche Leiter des VfL Wolfsburg im FR-Gespräch.

Er begrüßt es, dass Eintracht Frankfurt in der nächsten Saison das Spielrecht vom 1. FFC Frankfurt übernimmt. „Ich muss mich an die Worte von Siegfried Dietrich erinnern, der immer gesagt hat: ‚Wenn ihr als VfL Wolfsburg den Frauenfußball ernsthaft betreibt, werdet ihr uns überholen.“ Jetzt sage ich: Ein Engagement wie das von Eintracht Frankfurt braucht die Liga, um den nächsten Schritt zu gehen und vielleicht bald einen Dreikampf an der Spitze zu haben.“ Nichts hält Kellermann davon, die Förderung des Frauenfußballs für Lizenzvereine wie Borussia Dortmund oder dem FC Schalke 04 verpflichtend zu machen. „Aber vielleicht wäre ein Gespräch mit den Verantwortlichen auf einer gewissen Ebene hilfreich, die gesellschaftlichen und sozialpolitischen Aspekte zu erörtern. Wenn man einmal erklärt wie marginal der Aufwand für solche Vereine ist, tritt vielleicht ein Umdenken ein.“

Internationale Konkurrenz

Dietrich als designierter Vorsitzender des neuen DFB-Ausschuss Frauen-Bundesligen glaubt unverdrossen, „dass in zehn Jahren alle Männer-Bundesligisten auch Frauenfußball betreiben.“ Für die Titelanwärter VfL Wolfsburg und FC Bayern stellt sich dieser Spielzeit vor allem die Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die Konkurrenz wird größer und größer: Neuerdings Manchester United, FC Barcelona und Real Madrid, sogar Juventus Turin haben erkannt, dass gar nicht so viel Investment erforderlich ist, um bei den Frauenfußball eine richtig gute Figur abzugeben. Im Ausland spielen Vereine, Verbände und Sponsoren teilweise so finanzkräftige Doppelpässe, dass Deutschland den Anschluss zu verlieren droht.

„Es ist schon schade, dass einige Topspielerinnen wie Sara Däbritz (Paris St. Germain, Anm. d. Red.) die Bundesliga verlassen haben. England hat uns wohl schon überholt und ist uns einen Tick voraus“, gesteht Bayern-Trainer Jens Scheuer. Aus München wechselten Leonie Maier, Manuela Zinsberger und Jill Roord zu den Arsenal Ladies. Doch die Bayern wollen zum Gegenangriff blasen und haben dafür die Rückendeckung des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge bekommen. Managerin Karin Danner sagt jetzt: „Seit drei Jahren verändert sich die Frauenfußball-Landschaft sehr stark, in Deutschland ist die Zeit ein bisschen dahingeplätschert und so wie es bisher läuft, werden wir in den nächsten Jahren nicht weiterkommen. Deswegen haben wir als Verein einen Vierjahresplan erarbeitet, um für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet zu sein.“ Die Wachablösung des VfL Wolfsburg und der Gewinn der Women’s Champions League stehen am Ende dieses Projekts.

Dringende Aufgabe wird vorerst sein, die Gesichter und Persönlichkeiten zu halten. Schult will noch nicht wahrhaben, dass die Liga wirklich ausblutet. „Mal abwarten, wie es der einen oder anderen im Ausland gefällt. Vielleicht ist dort nicht alles so toll. Ich bin auf jeden Fall noch da.“ Die meinungsstarke Torfrau wäre übrigens schon froh wäre, wenn sie noch in diesem Jahr zum Einsatz käme. Als Ersatz hat Wolfsburg die schwedische Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl verpflichtet, die mit 36 Jahren als eine der wenigen prägenden WM-Gesichter in die Frauen-Bundesliga gekommen ist.

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