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Sergej Barbarez traf zuletzt für den HSV in einem Heimspiel gegen St. Pauli. „Da kann mich jetzt gerne mal einer ablösen“, sagt er uneitel.

Hamburger Fußball-Derby

Raus aus dem Alltag in der zweiten Liga

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Der HSV empfängt St. Pauli und will die Hamburger Verhältnisse wieder „geraderücken“.

Besonders schwierig war die Aufgabe damals nicht, an jenem 2. Dezember 2001, ganz im Gegenteil sogar, sie war ziemlich einfach. Aus nur drei Metern musste Sergej Barbarez den Ball nach einem Querpass ins Netz schieben, ohne Keeper auf der Torlinie, ohne gegnerischen Verteidiger an seiner Seite. Barbarez kickte in seiner fußballerischen Laufbahn 330 Mal in der Bundesliga, er traf dabei 96 Mal, und dieser Torabschluss war gewiss eine der leichtesten Übungen für den Torjäger aus Bosnien-Herzegowina. Und doch gleichermaßen bedeutend. Es war das 4:1 im Hamburger Stadtderby zwischen Barbarez‘ Rautenklub und dem FC St. Pauli. Warum das 19 Jahre später eine Rolle spielt? Es war seitdem das letzte Heimtor für den HSV bei den Duellen gegen den Nachbarn vom Kiez. Zweimal erwarteten die Rothosen seitdem St. Pauli im eigenen Stadion, 0:0 und 0:1 hießen die Ergebnisse aus Sicht der Hausherren. „Dass der HSV in den letzten beiden Heimspielen gegen St. Pauli kein Tor erzielt hat, kann eigentlich gar nicht sein“, sagte Barbarez nun vor dem anstehenden Derby am Samstag (13 Uhr) zur „Hamburger Morgenpost“: „Ich hoffe, das wird sich jetzt ändern.“

Kiezkicker mit Hinspielsieg

Insgesamt 32 Pflichtspiele bestritten die beiden Klubs bisher gegeneinander, meistens triumphierte der große HSV gegen den kleinen FC St. Pauli. 19 zu fünf Siege stehen für die samstäglichen Gastgeber zu Buche, dazu gab es acht Remis. Allerdings: Das bisher letzte Duell, das Hinspiel in der aktuellen Zweitligarunde, gewannen die Kiezkicker mit 2:0. Entsprechend sinnt der HSV auf Revanche. Oder wie deren erfahrener Trainer Dieter Hecking in dieser Woche sagte: „Wir wissen, dass wir das Hinspiel verloren haben und wollen das natürlich geraderücken.“

Klar ist: Die Punkte brauchen beide Rivalen dringend, der HSV im Aufstiegsrennen, St. Pauli im Kampf gegen den Abstieg. „In einem Derby geht es nicht um die aktuelle Verfassung oder Tabellensituation“, sagte Hecking, dessen Team zurzeit Tabellenzweiter ist und wohl mit Stuttgart sowie Bielefeld den direkten Aufstieg auszumachen hat: Vielmehr, so Hecking, seien Derby solche „Spiele, die man aus dem Ligaalltag rausnehmen muss“.

St. Pauli ist dagegen in einer relativ bedrohlichen Lage. Die Truppe von Trainer Jos Luhukay hat zwar Potenzial, im Grunde kann sie recht passabel mit dem Ball umgehen, zu selten aber wird das in Punkte umgemünzt. Die Männer vom Millerntor liegen als Vierzehnter nur zwei Punkte vor Relegationsrang 16 und dem ersten direkten Abstiegsplatz. „Wir sind in einer Phase, in der vieles gegen uns läuft, wir müssen uns da wieder herausarbeiten“, fordert daher Pauli-Sportchef Andreas Bornemann: „Zuversichtlich stimmt mich, dass die Mannschaft immer wieder aufsteht.“

Geht es nach Sergej Barbarez, immerhin 216 Mal (76 Tore) für den HSV am Ball, soll dieser Befreiungsschlag nicht ausgerechnet am Samstag folgen. Ganz uneitel sagte er: „Auf den Titel, dass ich der letzte HSV-Torschütze in einem Heimspiel gegen St. Pauli bin, bin ich wirklich nicht stolz. Das ist echt lange her. Da kann mich jetzt gerne mal einer ablösen.“

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