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Nicht zu bändigen: Rouwen Hennings beim 3:3 auf Schalke.

Schalke - Düsseldorf 3:3

Es rappelt im Karton

Rouwen Hennings schießt Tore ohne Ende für Fortuna Düsseldorf.

Rouwen Hennings umklammerte seine Beute wie einen Schatz – und er sprach eine strenge Gartensperre aus. „Diesen Ball dürfen meine Kinder nur angucken“, sagte der Dreifach-Torschütze von Fortuna Düsseldorf lachend. Lia, Noah und Jordi müssen sich fernhalten, der Spielball vom 3:3 (0:1) bei Schalke 04 wandert (später vielleicht) an einen ganz besonderen Platz.

„Ich habe einen, nun ja, Karton. Für wichtige Trikots und so“, sagte der Held des Tages, „da kommt er rein.“ Wenn der 32-Jährige mit seiner Familie „irgendwann mal irgendwo dauerhaft ist“, dann wird alles fein aufgehängt und in der Vitrine angerichtet. Die Medaille für sein „Tor des Monats“ hat er schon im Wohnzimmer ausgestellt, die für die Zweitliga-Meisterschaft hängt im Billardzimmer.

„Er trifft, wie er will“

Rouwen Hennings ist ein Phänomen. Er ist noch bescheidener, als er gefährlich ist. „Ich möchte mich gar nicht groß rausheben“, sagte er nach dem ersten Bundesliga-Dreierpack seiner Karriere. Doch wer sich in der Liga umschaut, welcher Stürmer für welche Mannschaft essenziell ist – da gibt es noch einen bei Bayern München, das war‘s. „Rouwen trifft, wie er will. Traumwandlerisch“, schwärmte Trainer Friedhelm Funkel. Aber: „Robert Lewandowski trifft auch nur, wenn die Vorlagen kommen ...“

Sie kamen. Dreimal hatten Daniel Caligiuri (33.), Ozan Kabak (67.) und Suat Serdar (79.) mit ihren Toren versucht, den Außenseiter niederzudrücken – dreimal stand Hennings auf und knallte jenen Ball, den er später mitnahm, zum Ausgleich rein. Zuerst per Hand-Elfmeter nach Videobeweis (62.), zweimal sehenswert nach tollen Angriffen (73./85.).

„Es ist ein geiles Gefühl, Tore zu schießen. Aber ich brauche deshalb jetzt keine Extrawurst“, sagte er fast flüsternd. Vorher hatte ihn sein Mitspieler Kaan Ayhan zum Jubel vor der Auswärtskurve schieben müssen.

Doch so unprätentiös Hennings nach seinen Saisontoren sieben bis neun (nur Lewandowski und Timo Werner haben mehr) auch war: An einer Stelle schritt er energisch ein. Nix da! Selbstverständlich habe er schon mal drei Tore in einem Profispiel erzielt. Für den Karlsruher SC in der zweiten Liga, irgendwann.

Nachgeschaut: Irgendwann war am 6. April 2014 – beim 3:0 bei 1860 München. Der KSC war dadurch wieder im Aufstiegsrennen, ganz bitter sah es bei 1860 aus, das noch am selben Tag seinen Trainer vor die Tür setzte: Friedhelm Funkel.

Derzeit hat Hennings, der ohne ein Pfeiffersches Drüsenfieber 2009 wohl an der Seite von Mesut Özil und Manuel Neuer U21-Europameister geworden wäre, einen gewaltigen Lauf. „Man denkt gar nicht groß drüber nach. Das ist unterbewusst“, sagte er, nach zwei Toren sei eben der Glaube groß, dass auch der dritte Schuss sitze: Es rappelt im Karton.

Mit der Sesshaftigkeit und der Vitrine für Spielbälle sieht es ebenfalls nicht so übel aus. Zuletzt erst hat er seinen Vertrag verlängert. Und auch Friedhelm Funkel ist mächtig froh, dass der Klub erst vor zwei Wochen den Kontrakt mit Hennings um ein weiteres Jahr mit der Option auf zwei weitere Spielzeiten verlängert hat. „Ich habe mir gewünscht, dass er bleibt“, sagte der Coach. Laut Funkel liege Hennings’ Topform „auch daran, dass er vom ersten Trainingstag an verletzungsfrei war. Er ist topfit und hat das Selbstvertrauen mit in die Saison genommen.“ Man sieht es. (sid/dpa)

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