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Rangnicks banger Blick

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Von: Frank Hellmann

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Hat sich die Arbeit mit Österreich leichter vorgestellt: Trainer Ralf Rangnick. Foto: AFP
Hat sich die Arbeit mit Österreich leichter vorgestellt: Trainer Ralf Rangnick. Foto: AFP © afp

Ein paar Kratzer hat das Bild von Österreichs Trainer Ralf Rangnick nach dem Abstieg aus der Klasse bekommen. Doch der Deutsche hat ganz andere Ziele. Ein Kommentar.

Noch ist das Ereignis nicht richtig in den Köpfen der deutschen Fußball-Öffentlichkeit: Am Sonntag, den 9. Oktober, werden von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in der Frankfurter Festhalle die Qualifikationsgruppen für die EM 2024 ausgelost. Deutschland ist als Gastgeber bereits qualifiziert, was aber nicht das bislang (noch) geringe Interesse am Heimturnier 2024 erklärt. Wegen des brutal überfrachteten Terminkalenders, aber auch der Diskussionen um die WM in Katar geht das Event bislang ziemlich unter. Und vielleicht haben Menschen hierzulande durch den jahrelangen Krisenmodus in Endlosschleife - von Corona, Inflation, Energieknappheit bis zum Krieg in der Ukraine - schlicht nicht die Muße, sich wie vor der WM 2006 mit langem Vorlauf unbeschwert zu freuen.

Fest steht, dass Nachbarn wie Österreich sehr gespannt auf diese Prozedur schauen. Vor allem deren Nationaltrainer Ralf Rangnick. Der Schwabe hat sich große Verdienste für den deutschen Fußballs erworben, weil niemand so stark so viele Trainer beeinflusst hat wie er. Sein ganzheitlicher Ansatz hat die Projekte bei der TSG Hoffenheim und bei RB Leipzig zeitweise über Bundesliga-Niveau gehoben.

Deshalb hatte der 64-Jährige ja durchaus gehofft, bei der Suche nach einem Bundestrainer wenigstens mal ein Bewerbungsgespräch mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) führen zu können. Doch sehr früh hatte sich Direktor Oliver Bierhoff auf Hansi Flick festgelegt. Rangnick hat dann im Frühjahr das Angebot des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) angenommen.

Doch Zweifel wachsen, ob sich der 64-Jährige als Fußballlehrer noch neu erfinden kann. In Leipzig setzte er sich zweimal selbst auf den Trainerstuhl, den er 2019 nach einem verlorenen Pokalfinale gegen die Bayern unvollendet räumte. Und auch bei Manchester United war dieser Aushilfsjob nur bedingt von Erfolg gekrönt. Erst sein Nachfolger Erik ten Hag scheint den Kader wieder auf Vordermann bringen zu können.

Rangnicks Ehrgeiz besteht als ÖFB-Teamchef darin, bei der EM 2024 vor allem Deutschland zu demonstrieren, welch gewiefter Taktiker er noch ist. Weil 24 Teams mitspielen, sind der Gruppenerste und der Gruppenzweite sicher qualifiziert. Fast jeder zweite von 53 zugelassenen Nationalverbänden darf also aus Europa bei der Endrunde mitmachen. Wenn Rangnick das mit seiner Auswahl nicht schaffen sollte, würde sein Renommee erheblich leiden. So weit ist es noch nicht.

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