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Der DFB betrachte die Nationalmannschaft als Melkkuh: Karl-Heinz Rummenigge.

Kritik

Ramponiertes DFB-Image

Ausgerechnet Karl-Heinz Rummenigge wirft dem Verband Profitgier und Treulosigkeit vor. Der Fußball habe beim DFB keine Priorität.

Einen Verfall der Werte – und Fußball nur noch als lästiges Nebenprodukt: Karl-Heinz Rummenigge sieht das Image des nach verschiedenen Affären schwer angeschlagenen Deutschen Fußball-Bundes (DFB) als massiv beschädigt an und hat zu einer heftigen Grundsatzkritik am Verband ausgeholt. Der Ruf des DFB, so das schonungslose Fazit des Bayern-Bosses, ist ruiniert, das öffentliche Ansehen auf einem Tiefpunkt angelangt.

„Geld, Vermarktung und Politik haben Priorität, aber nicht der Fußball“, sagte der Münchner Vorstandschef der „Bild am Sonntag“ und forderte angesichts der andauernden Negativschlagzeilen: „Der DFB muss dringend in ruhiges Fahrwasser zurückkehren. Das ist die primäre Aufgabe von Präsident Fritz Keller.“

Seit dem WM-Triumph 2014 habe der Verband einen „gewissen Wertewandel“ durchgemacht, meinte der frühere Nationalmannschaftskapitän und lässt keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um einen Verfall handelt. Rummenigge selbst hatte 2013 nach einem Katar-Aufenthalt zwei geschenkte Rolex-Uhren nicht ordnungsgemäß verzollt und musste dafür knapp 250 000 Euro Strafe zahlen.

Rummenigge bezieht sich auf die vielfach kritisierte „Marketingmaschine“ DFB, die ihr Glitzerprodukt „Die Mannschaft“ als Melkkuh betrachte. „Es wurde versucht, diesen großen Erfolg finanziell auszunutzen“, sagte er über den Coup von Rio, „mit großen neuen Sponsoringverträgen und vielem mehr.“ Von den Münchner Nationalspielern wisse er, dass sie am Rande der Länderspiele „vermehrt Sponsoring-Termine“ absolvieren mussten.

Auch Schweini übt Kritik

Auch der Bundestrainer sei ein Opfer des Primats der finanziellen Interessen. „Der arme Jogi Löw, der jetzt von allen Seiten kritisiert wird, musste ein Freundschaftsspiel gegen die Türkei bestreiten, damit Geld in die Kasse kommt“, sagte Rummenigge und bezifferte das tiefe Loch in der Verbandskasse sogar. „Angeblich fehlen 15 Millionen Euro“, sagte er und schimpfte: „Was sind 15 Millionen im Vergleich zu dem, was die Bundesligaklubs verlieren?“ Sogar der deutsche Branchenprimus erwarte in Zeiten der Coronakrise ein Minus.

Rummenigges Breitseite trifft den DFB in einer äußerst schwierigen Lage. Die Bilder von der Hausdurchsuchung in der Frankfurter Zentrale und bei gleich sechs aktuellen und ehemaligen Funktionären sind noch frisch. Dazu leidet seit dem WM-Fiasko von 2018 das über Jahre perfekte Image der Nationalelf. Sogar Rio-Held Bastian Schweinsteiger monierte nun in der ARD, die Identifikation mit der Auswahl von Joachim Löw falle aktuell schwer.

Rummenigge sieht den Vorrang von Geld, Vermarktung und Politik zwar „in Teilen“ auch bei Uefa und Fifa. Sein Hauptgroll gilt aber gegen den DFB. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus habe mit seiner jüngsten Kritik „in vielem recht“, betonte der 65-Jährige und nannte einige Beispiele.

Das Fiasko beim Entzug der Freikarten für Ex-Nationalspieler – ein Problem, das sich laut Rummenigge lösen ließe. Der FC Bayern habe es vorgemacht. Dazu die verpasste Würdigung des Jubiläums der Weltmeister von 1990, bei der sich der DFB „über Corona rausgeredet“ habe. Und die ausgebliebene Ehrung von Franz Beckenbauer zum 75. des „Kaisers“.

Der Frust über die verloren gegangene Reputation ist bis ins Innere des größten Sportfachverbandes der Welt zu spüren. Sportliche Leitung und Nationalspieler bis in den Juniorenbereich seien „extrem“ genervt, sagte Meikel Schönweitz, Cheftrainer der U-Nationalmannschaften, in der ARD-Sportschau: „Die Jungs fuchst das ohne Ende. Sie sind extrem motiviert und brennen darauf, für Deutschland zu spielen – und dann stehen immer andere Themen im Mittelpunkt. Und das fuchst auch uns.“

Immerhin stehen die Zeichen bei den 1990er-Helden auf Entspannung. DFB-Direktor Oliver Bierhoff betonte, der DFB habe „eine hohe Wertschätzung“ für die Ehemaligen. (sid/FR)

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