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Zwei Interimspräsidenten und der Ex: Rainer Koch (li.), Peter Peters (re.) und Fritz Keller.
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Zwei Interimspräsidenten und der Ex: Rainer Koch (li.), Peter Peters (re.) und Fritz Keller.

DFB

Rainer Koch: Das Konditionswunder

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der DFB-Interimschef Rainer Koch kann austeilen und einstecken - und fühlt sich als Zielscheibe einer Medienkampagne

Rainer Koch hatte es eilig. Kaum war die von ihm geleitete Konferenz der Landesverbandschefs des Deutschen Fußball-Bundes am Sonntagmittag in Hamburg beendet, begab sich der DFB-Interimspräsident zum Flug nach Mailand, um dort das Finale der Nations League zu verfolgen, ehe Vielflieger Koch sich am Montag in seinem liebsten Fortbewegungsmittel weiter nach Skopje zur Nationalmannschaft begab.

Damit war binnen 48 Stunden das Tätigkeitsfeld des Multifunktionärs abgedeckt: Als erster Vizepräsident Amateure, Präsident des bayerischen und süddeutschen Verbandes bis Sonntag in Hamburg, als Uefa-Regierungsmitglied bis Montag in Mailand, als DFB-Interimschef bis Dienstag in Nordmazedonien. Rainer Koch hat sich seine Lufthansa-Senatorkarte mit viel Fleiß, Umtriebigkeit und dem Gefühl, im kleinen und im großen Fußball unabkömmlich zu sein, erflogen.

Peters winkt schon ab

Es gibt einige Menschen, die davon überzeugt sind, dass der 62-Jährige einem unbelasteten Neuanfang beim DFB im Wege steht. Koch selbst findet das natürlich nicht, und wie es derzeit aussieht, folgt ihm die Mehrheit der Abgeordneten aus den Landesverbänden, die am 11. März einen neuen DFB-Präsidenten wählen und ein neues Präsidium bestimmen. Koch will als einfaches Mitglied Bestandteil dieses Gremiums bleiben, nicht mehr in der (auch für mutmaßliche Steuervergehen) haftenden Führung. Was nicht heißt, dass bei dem Bayern weiter ganz viele Fäden zusammenlaufen. Auch der Plan, den Mittelrhein-Verbandschef Bernd Neuendorf zum neuen Präsidenten zu küren, lief nach übereinstimmenden Zeugenaussagen über Koch.

Der Jurist und ehemalige DFB-Richter war es auch, der gegen den Willen der Deutschen Fußball-Liga im April 2016 den Norddeutschen Reinhard Grindel durchsetzte. Grindel, der drei Jahre später zurücktrat, vermutet bis heute Koch als hinterlistigen Intriganten, der mittels eines vom DFB hochbezahlten und Koch gut bekannten Beraters Informationen an die Medien durchgesteckt haben soll, die Grindel nicht zum Vorteil gereichten und schließlich stürzen ließen. Die Enttäuschung Grindels über Koch könnte nicht größer sein. Beide reden kein Wort mehr miteinander.

Koch wiederum empfindet gerade die Berichterstattung in der „Süddeutschen Zeitung“, aber auch kritische Anmerkungen in der Frankfurter Rundschau und anderswo als Teil einer gezielten Kampagne, um ihn loszuwerden. „All die Dinge, die immer wieder aufgewärmt werden und deshalb nicht wahrer werden“, nennt er die Artikel. So sei es etwa „unwahr“, dass sein Co-Interimspräsident aus dem Profilager, Peter Peters, und er heillos zerstritten seien. Ganz im Gegenteil: „Wir arbeiten gut zusammen und reden viel miteinander. Aber das glaubt uns wahrscheinlich wieder keiner bei den Medien.“ Peters zog gestern seine Ambitionen auf eine Kandidatur zurück.

Kollegen aus den Landesverbänden berichten, dass Koch vor einem Krisentreffen in Potsdam tatsächlich auch intern ganz heftig wackelte, ehe ihm eine Entgleisung des inzwischen zurückgetretenen DFB-Präsidenten Fritz Keller rettete. Keller hatte Koch in einer Präsidiumssitzung wutentbrannt als „Freisler“ bezeichnet. Zur Einordnung: Roland Freisler war Blutrichter der Nazis im Dritten Reich. SPD-Mitglied Koch war Richter am Oberlandesgericht München.

Inzwischen hat der dort auf eigenes Betreiben freigestellte Koch längst wieder die allermeisten Landesverbands-Präsidenten zwar nicht hinter sich, aber zumindest an seiner Seite. Aus der Kandidatensuche für die am 11. März stattfindende Präsidentenwahl will er sich vorgeblich raushalten. „Ich habe überhaupt keine Lust, in der Presse zu lesen, dass ich da Einfluss nehme.“ So ähnlich wiederholt der ehemalige Schiedsrichter es fast ein bisschen zu oft. Wer ihn kennt, weiß: Koch hält sich eigentlich nie aus irgendwelchen Entwicklungen im DFB raus, und er zeigt dabei sowohl Nehmerqualitäten als auch die Fähigkeit auszuteilen. Findet nicht nur Ex-Freund Grindel.

Gewiefter Taktiker

Selbst seine Feinde räumen ein, dass Koch seinen bayerischen Verband, dem er seit 17 Jahren vorsitzt, sehr gut im Griff und modern aufgestellt hat. Aber natürlich ist er als national und international einflussreichster deutscher Fußballfunktionär auch für das hässliche Bild mit zuständig, das der DFB in den vergangenen Jahren abgegeben hat. Schleswig Holsteins Landesboss Uwe Döring stellte gerade knochentrocken fest: „Wenn der DFB eine Aktiengesellschaft wäre und ich hätte die führenden Köpfe erlebt, würde ich meine Aktien sofort verkaufen.“ Ein Satz, der auch Rainer Koch nicht zu Ehre gereicht. Nach der weitgehend harmonischen Sitzung vom Wochenende in Hamburg wähnt der sich gleichwohl gestärkt. Döring bestätigt: „Rainer hat sich sehr zurückgenommen.“

Taktisch macht Koch niemand etwas vor. Wenn von der Basis Fundamentalkritik bei ihm ankommt, mokiert er sich über unnötige Gräben, die so in die Gruppe der Amateure gezogen würden. Die müssten doch zusammenhalten. Solch gewiefter Argumentation weiß sich niemand zu erwehren. Rainer Koch ist sich keineswegs zu schade, solche Kämpfe bei Facebook zu führen. Und ist dabei seinen Gegnern auch noch konditionell überlegen.

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