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Rainer Koch dankt ab

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Von: Jan Christian Müller

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Rainer Koch, langjähriger Fußballfunktionär, wird wieder Richter in München.
Rainer Koch, langjähriger Fußballfunktionär, wird wieder Richter in München. © dpa

Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke soll Nachfolger von Rainer Koch in der Uefa-Regierung werden.

Es war für alte Weggefährten jetzt keine Überraschung, bedeutend ist die Entscheidung aber umso mehr: Der langjährige bayerische, deutsche und europäische Fußball-Multifunktionär Rainer Koch bietet dem Deutschen Fußball-Bund seinen vorzeitigen Rückzug aus dem Uefa-Exekutivkomitee an und verzichtet nach 18 Jahren auf die geplante Wiederwahl zum Präsidenten des bayerischen Fußballverbands in diesem Sommer. Damit reagiert der 63-Jährige auf seinen gründlich missratenen Auftritt beim DFB-Bundestag vor einem Monat, der zur Abwahl als DFB-Vizepräsident führte.

Rainer Koch reagiert konsequent

Man kann über den schwer angeschlagenen Bayern denken, was man will: Diese Reaktion ist konsequent und verdient Anerkennung. Wer den umtriebigen Sportpolitiker kennt, weiß, dass seine Arbeit als Fußballfunktionär alles für Koch war. Fast alles jedenfalls. Niemand sonst war vergleichbar ausdauernd 24/7 unterwegs. Umso schwerer dürfte ihm der Rückzug aus allen Spitzenämtern fallen. Koch kündigte an, zum neuen Jahr zurück in sein altes Berufsleben zu kehren, in das er eigentlich nie hatte zurückgehen wollen. Er hatte sich von seinem Hauptberuf als Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht München zunächst zur Hälfte, später dann komplett beurlauben lassen, um seinen multiplen Aufgaben im Fußball nachzugehen.

Erst vergangenes Jahr war die umstrittenste Figur im deutschen Fußball als DFB-Vertreter in die Regierung des europäischen Verbands Uefa gewählt worden. Insgesamt kassierte er bis zur Abwahl als DFB-Vize aufgrund einer Deckelungsregelung durch den DFB-Vergütungsausschuss für seine Jobs im DFB und der Uefa 246 000 Euro pro Jahr.

Der neue starke Mann heißt Hans-Joachim Watzke

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau soll nicht der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf, sondern der neue Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball-Liga, Hans-Joachim Watzke, die Position von Koch in der Uefa-Exekutive übernehmen. Der Dortmunder Geschäftsführer bleibt parallel dazu als gewähltes Mitglied im Vorstand der der European Club Association (ECA), der Interessensvertretung der europäischen Fußballklubs.

Watzke verzichtete auf eine Kandidatur für das Vizepräsidentenamt der ECA. Diese ehrenvolle Aufgabe übernahm Bayern-Boss Oliver Kahn im Dezember von seinem Münchner Kollegen Michael Gerlinger. Der Weg in die Uefa ist frei für Watzke, den dann national und international sicher einflussreichsten deutschen Fußballmanager. Eine kluge Strategie aus Sicht der Bundesliga, die auch Borussia Dortmund sicher nicht zum Nachteil gereichen dürfte. Watzke ist top-vernetzt.

Kritik von Ex-Präsident Reinhard Grindel am neuen DFB-Boss Bernd Neuendorf

Das war Rainer Koch auch. Der DFB muss sich das mit dem noch taufrischen Präsidenten Neuendorf noch mühsam erarbeiten. Es gibt Kritiker wie Ex-Präsident Reinhard Grindel, die der Meinung sind, Neuendorf hätte vor der EM 2024 im eigenen Land unbedingt als DFB-Vertreter in die Uefa-Exekutive als höchstes Beschlussgremium der 55 nationalen Verbände gehört. Zumal mit dem ehemaligen Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge bereits ein deutscher Profifußballl-Mann und ECA-Vertreter in der Uefa-Exekutive sitzt.

Was passiert mit Peter Peters?

Man darf nun auch gespannt sein, was mit Peter Peters passiert, der beim DFB-Bundestag ebenfalls abgewatscht wurde, als er die Wahl gegen Neuendorf deutlich verlor. Peters ist nach wie vor für den DFB im Fifa-Council, der dem umstrittenen Präsidenten Gianni Infantino weitgehend opportunen Vertretung von mehr als 200 Mitgliedsverbänden. Wird Neuendorf dort eines Tages Peters ersetzen, wenn er schon aufs Amt in der Uefa-Regierung zugunsten des profilierten Profifußball-Vertreters Watzke verzichtet?

Für Rainer Koch, der 2004 zum Präsidenten des größten der 21 Landesverbände gewählt worden war, insgesamt 15 Jahre lang dem DFB-Präsidium als Vizepräsident angehört hatte und dreimal als DFB-Interimspräsident einsprang, endet nun eine Wegstrecke auf maximal schmerzliche Art und Weise. Man muss aber auch sagen: Er hat es sich selber eingebrockt. Mit seiner Performance im Zweikampf gegen die Hessin Silke Sinning beim DFB-Bundestag am 11. März in Bonn („Wählt mich oder wählt gar nicht“) hatte der ansonsten blitzgescheite Netzwerker sich für eine Zukunft in zentraler Position unmöglich gemacht. Viele sagen: Er hatte sich den Spiegel vorgehalten.

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