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Quo vadis, Hansi Flick?

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Von: Thomas Kilchenstein

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Oliver Bierhoff hat seine Sachen gepackt beim DFB - folgt ihm Hansi Flick?
Oliver Bierhoff hat seine Sachen gepackt beim DFB - folgt ihm Hansi Flick? © dpa

Oliver Bierhoff ist weg, damit hat Bundestrainer seine wohl wichtigste Vertrauensperson beim DFB verloren. Gut vorstellbar, dass auch Flick nun Konsequenzen zieht. Ein Kommentar.

Menschen, die den Menschen Hans-Dieter Flick näher kennen, wissen, dass der Mann konsequentes Handeln im Berufsleben nicht scheut. Er hat das vor mehr als einem Jahr beim FC Bayern unter Beweis gestellt, bei der TSG Hoffenheim oder seinerzeit, als er noch Sportdirektor beim DFB war: Da hat er jedes Mal seine gut dotierten Jobs aus freien Stücken aufgegeben, weil er das Gefühl hatte, etwas für ihn Fundamentales passe nicht mehr.

In diesen Stunden nach dem als Bierhoff-Beben umschriebenen Rücktritt des Managers der deutschen Nationalmannschaft fragen sich viele, die das sehr persönlich gehaltene Flicksche Statement zur Demission gelesen haben, ob da nicht der nächste Sportliche Verantwortliche für das unschöne, vor allem unnötige Aus bei der WM in Katar seinen Rückzug plane - ehe das Scherbengericht am Mittwoch darüber befindet.

Ohne Bierhoff hat Hansi Flick seine größte Vertrauensperson verloren beim DFB, beide waren in einer quasi heiligen Allianz miteinander verwoben, Bierhoff hat dem Coach den Rücken freigehalten und ihn, wo immer es nötig war, gestützt. Dieses Schutzschild ist jetzt weg. Hansi Flick ist ins Grübeln geraten. Er ist einer, der seine große Stärke im Grunde stets nur in einer harmonischen Atmosphäre entfalten kann. Vermutlich ist auch deshalb von außen Kritik über die „Kuschelzone DFB“ laut geworden. Hansi Flick ist keiner, der um einen Posten kämpfen würde, der Widerstände brechen will. Eher zieht er die Konsequenzen.

Offensichtliche Fehler

Wie geht es also weiter? Im Augenblick ist nicht mehr die Rede, vom großen Spaß, den Hansi Flick in der Arbeit mit der Nationalelf sehe, wie er noch nach dem Ausscheiden in Doha auf die Frage sagte, ob er gedenke, weiterzumachen. Die EM im eigenen Land in 18 Monaten schien ihm da noch ein lohnendes Ziel. Auch jetzt noch? Ihm ist ja nicht verborgen geblieben, dass an der DFB-Spitze seine Fehler registriert wurden: Sein beleidigter Auftritt auf der Pressekonferenz vor dem Spanien-Spiel ist ihm als Schwäche ausgelegt worden, ein Bundestrainer müsse souveräner in der Außendarstellung sein, klarere in der Rhetorik. Sein unglückliches Coaching, sein Festhalten an formschwachen Spielern, obwohl alle Welt wusste, dass es bei dieser in die Saison eingeschobenen WM ohne klassische Vorbereitung allein auf die Tagesform ankommen würde, haben ihm geschadet. Immerhin hat er, nach allem, was man hört, den Rückhalt der Kabine. Die zarte Euphorie, die nach der bleiernen Spätphase von Joachim Löw mit dem Titelhamsterer Flick aufzukommen schien, ist dennoch verpufft.

All dies wird Hansi Flick am Mittwoch erklären müssen, allein, ohne Oliver Bierhoff, seinem großen Fürsprecher. Und er wird ein Konzept vorlegen müssen, wie er den deutschen Fußball, strukturell abgehängt von internationaler Klasse, wieder ordentlich ins Rollen zu bringen gedenkt. Eine Herkulesaufgaben fürwahr. Wird Flick Kraft und Willen aufbringen, sie anzupacken? Zweifel sind erlaubt.

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