Sieht sogar recht elegant aus: Verteidiger Robin Koch.
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Sieht sogar recht elegant aus: Verteidiger Robin Koch.

Jung-Nationalspieler

Punkten im Gleichklang

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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  • Jan Christian Müller
    Jan Christian Müller
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Robin Koch und Luca Waldschmidt eint nicht nur Alter und Werdegang: Gemeinsam machen sie einen Schritt in Richtung EM.

Sichtbar entspannt wirkten Luca Waldschmidt und Robin Koch, als sich die beiden Jung-Nationalspieler frisch geduscht auf das Pressepodium tief im Bauch der Leipziger Arena begaben. Nachdem sich die bis Sommer beim SC Freiburg als Vereinskollegen tätigen Profis mit ausreichend Sicherheitsabstand gesetzt hatten, ließ sich am Mienenspiel der beiden 1996er-Jahrgänge rasch ablesen, dass ihnen das Freundschaftsspiel gegen Tschechien (1:0) viel von dem gegeben hatte, was die meisten Menschen gerade in freudlosen Corona-Zeiten dringend benötigen: Lob und Zuspruch, Aufmunterung und Anerkennung.

„Ich bin super glücklich über diese Spielzeit“, erklärte Koch. „Ich will Verantwortung bei der Nationalmannschaft übernehmen. Mir macht das Spaß.“ Bei Waldschmidt klang das ähnlich: „Ich will meine Qualitäten einbringen und Akzente setzen. Ich bin da, wenn man mich braucht.“ Chance gesehen, Chance genutzt. Pressesprecher Jens Grittner sagte in seinen einleitenden Worten, der eine habe „die Bude zusammengehalten“, der andere „die Bude gemacht“ – das traf es ziemlich gut. Bundestrainer Joachim Löw formulierte e so: „Bei Robin Koch war jede Aktion solide und klar, er hat Fehler ausgebügelt, war als zentraler Spieler gut organisiert.“

Und bei Waldschmidt? „Er hat eine große Torgefahr. Er ist ein Stürmer, der sich sehr gut bewegt. Er hat einen sehr guten linken Fuß.“ Nicht jede Ballmitnahme gelang dem Siegtorschützen, der auch mit der Ballbehauptung mit dem Rücken zum gegnerischen Tor so seine Probleme hat, jedoch zuvor wie schon beim 3:3 gegen die Türkei getroffen hatte. Löw gefallen Bewegungsdrang und Abschlussstärke.

Zocken in Portugal

Dass der im Schwarzwald ansässige Fußballlehrer als heimatverbundener Bundestrainer Bundesligaspiele des Sportclubs häufiger besucht als anderswo, ermöglichte ihm, die Entwicklung des bei Eintracht Frankfurt ausgebildeten Sturmtalents und des Verteidiger-Sohnes der Lauterer Legende Harry Koch detailliert zu beschreiben. Er hat deren Aufstieg unter dem Freiburger Lehrmeister Christian Streich zu Nationalspielern vor Ort mitverfolgt.

Nun, da der eine diesen Corona-Sommer zu Benfica Lissabon nach Portugal und der andere zu Leeds United auf die britische Insel gewechselt ist, haben die 24-Jährigen fast im Gleichklang gepunktet. Beide in ihrem fünften Länderspiel. Klar ist, dass Niklas Süle, Matthias Ginter und Antonio Rüdiger in der Hierarchie in der Abwehr vor Koch stehen; genau wie Timo Werner, Leroy Sané und Serge Gnabry im Angriff vor Waldschmidt. Aber ein langes Turnier wie die zum zweiten Male mit 24 Teams gespielte EM 2021 bietet immer Situationen, in denen vor allem unkonventionelle Angreifer gefragt sind, die für einen Überraschungsmoment sorgen.

Im Sommer 2019 schaffte Waldschmidt als Torschützenkönig der U21-EM (und Torschütze des Monats) so viele Treffer, dass er als europäisches Sturmversprechen gehandelt wurde. In der Spielzeit danach entstand fast der Eindruck, Löw hält von dem klug zwischen den Linien pendelnden Offensivmann mehr als Klubtrainer Streich, weswegen die Luftveränderung vielleicht für alle Beteiligten von Nutzen war. „Er hat noch mal einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat in Lissabon schnell Fuß gefasst. Das ist nicht ganz so einfach“, lobt Löw.

Die Entwicklung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Waldschmidt sich vor genau einem Jahr beim 4:0 gegen Weißrussland bei einem bösen Zusammenprall mit dem gegnerischen Torwart schwer verletzte. Die multiple Diagnose erschreckte: Mittelgesichtsfraktur, Außenbandriss im rechten Knie, Muskelfaserriss in der Wadenmuskulatur, Anriss eines Innenbands und der vordere Syndesmose im Sprunggelenk. Aber der Nordhesse erholte sich erstaunlich schnell.

Auch in Portugals Hauptstadt fühlt er sich wohl. Im Gespräch mit der FR berichtet der noch immer mit Eintracht-Ikone Uwe Bindewald im regelmäßigen Austausch befindliche Stürmer, die offensive Kultur des portugiesischen Fußballs komme ihm entgegen: „Man spürt diese südländische Lockerheit, bei uns gibt es einige Spieler, die auf dem Platz gern zocken.“ Diese Mentalität gefällt ihm: „Ich freu mich darüber, weil ich oft die gleichen Gedanken habe.“ Benfica hat eine Ausstiegsklausel von 88 Millionen Euro für Zocker Waldschmidt festgelegt. Nie war er so wertvoll wie heute.

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