Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Liefern sich seit Jahren umkämpfte Duell: Carina Wenninger (links) vom FC Bayern gegen Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg.
+
Liefern sich seit Jahren umkämpfte Duell: Carina Wenninger (links) vom FC Bayern gegen Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg.

Frauen-Bundesliga

Psychotricks im Titelkampf

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Wie die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg den Angriff des FC Bayern abwehren wollen, bestimmt den Saisonendspurt. Doch die wichtigsten Themen ragen über die Spielzeit hinaus.

Kaum einer kann Entwicklungen im Frauenfußball so gut lesen wie Ralf Kellermann. Der frühere Profitorwart vom MSV Duisburg oder FSV Frankfurt hat sich als langjähriger Trainer und seit vier Jahren als Sportlicher Leiter beim VfL Wolfsburg eine besondere Expertise angeeignet, die bei der Deutung von Langzeitentwicklungen hilft. Berechtigterweise hat sich der 52-Jährige ziemlich daran gestört, dass vor einem Monat fast überall von der Wachablösung im deutschen Frauenfußball die Rede war. Zu diesem Zeitpunkt hatte der FC Bayern wettbewerbsübergreifend 26 Spiele gewonnen, der VfL Wolfsburg war gerade in der Champions League am FC Chelsea gescheitert – und das DFB-Pokal-Halbfinale der beiden deutschen Topteams stand an. „Da haben nicht viele auf uns gesetzt“, erinnert sich Kellermann, „wir wussten immer, dass die Wochen der Wahrheit erst noch kommen.“

Seitdem hat sich der Wind komplett gedreht: Nachdem die Münchnerinnen am Ostersonntag erst im Pokal in Wolfsburg verloren (0:2), dann in der Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim (2:3) patzten und international ebenfalls an der gnadenlosen Effizienz der Chelsea Ladies scheiterten (2:1, 1:4), ist die Ausgangslage vor dem Spitzenspiel VfL Wolfsburg gegen FC Bayern (Sonntag 13 Uhr/NDR und BR) eine andere. Die Fußballerinnen aus der Autostadt, viermal in Folge mit dem Double dekoriert, liegen in der Frauen-Bundesliga drei Spieltage vor dem Ende zwar zwei Zähler hinter den Bayern, doch das psychologische Moment ist auf ihrer Seite. Für die Münchnerinnen wäre eine Saison ohne jede Trophäe nach einem solchen Verlauf nur schwer verkraftbar. „Wenn man Gefahr läuft, alle drei Titel zu verspielen, ist das keine ganz so einfache Drucksituation“, sagt Kellermann.

Wirtschaftliche Gründe können es längst nicht mehr sein, dass die VfL-Frauen im entscheidenden Moment immer die Nase vorn haben. Wenn mittlerweile die dem Rest der Liga weit enteilten Topvereine teils um dieselben Spielerinnen buhlen würden, gibt der Wolfsburger Macher zu verstehen, stelle man eine „deutliche Erhöhung des Spieleretats beim FC Bayern fest“. Diese Schere werde demnächst noch weiter auseinandergehen, „ähnlich wie bei den Männern“.

Rummenigge macht Druck

Die Frauen erfahren beim FC Bayern von höchster Stelle volle Rückendeckung. „Es ist unser Anspruch, auch mit unseren Fußballerinnen internationale Spitze und in Deutschland die Nummer eins zu sein“, verkündete Präsident Herbert Hainer kürzlich. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schob nach: Wir sind überzeugt, dass diese Mannschaft sich als eine feste Größe im internationalen Spitzenfußball etablieren wird.“

Doch erst einmal dürfte es national schwierig genug werden, den Meisterschaften von 1976, 2015 und 2016 eine vierte folgen zu lassen. „Jetzt hat Bayern noch mehr Druck. Sie stehen mehr in der Pflicht als wir. Eigentlich können wir nur gewinnen“, sagte Wolfsburgs Führungsspielerin Alexandra Popp dem „Kicker“. Die Nationalmannschaftskapitänin personifiziert die Lust auf Titel. In diesem Jahr Meister zu werden, macht sich nicht nur gut auf dem Briefkopf gut. Denn ab Sommer kommt auch bei den Frauen in der Champions League das, was bei den Männern seit Jahrzehnten üblich ist: eine Gruppenphase, zentral vermarktet von der Uefa. Mehr Spiele, mehr Geld: Diese Gleichung soll bitteschön für beide Geschlechter gelten.

24 Millionen Euro sind anfangs im Topf, und als Startgeld gibt es für die 16 Teilnehmer 400 000 Euro. Für Kellermann wird der Wettbewerb „sportlich aufgewertet, wirtschaftlich deutlich attraktiver“. So weit, so gut. Problem: Nur der deutsche Meister ist direkt dabei. Der Bundesliga-Zweite und –Dritte müssen sich über ein enges Nadelöhr quälen, es drohen bereits in der Qualifikation Topmannschaften aus England oder Frankreich. „Es wird in Zukunft extrem wichtig, in die Champions-League-Gruppenphase zu kommen“, betont Kellermann. „Sonst werden dauerhaft die deutschen Toptalente nicht in Wolfsburg spielen.“

Auch weil sich gerade in England, Ausrichter der Frauen-EM 2022, enorm viel tut. „Die englische Liga hat uns in Sachen Vermarktung und Sichtbarkeit deutlich abgehängt“, erklärte der VfL-Macher. Der millionenschwere TV-Vertrag für Englands Women’s Super League („sie haben das als Hochglanzprodukt schön verpackt und bekommen jetzt einen Riesenaufschlag in Wirtschaftskraft und Reichweite“) habe in Deutschland alle wachgerüttelt, „dass auch wir zwei, drei Schritte beim Tempo zulegen müssen – das wird höchste Zeit.“ Hört sich ganz danach an: Nur ein spannendes Meisterschaftsfinale zu bieten, wird in der Frauen-Bundesliga dauerhaft nicht reichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare