In den Startlöchern beim FC Bayern: Oliver Kahn. 
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In den Startlöchern beim FC Bayern: Oliver Kahn. 

Oliver Kahn

100 Prozent FC Bayern

  • vonJonas Austermann
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  • Hanna Raif
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Ex-Torwart Oliver Kahn startet seinen Vorstandsjob in München und behauptet: „Die DNA des Klubs steckt tief in mir“. An den neuen Job soll er dennoch langsam herangeführt werden.

Schritt für Schritt soll es für den FC Bayern in die Zukunft gehen, und deshalb waren zur gestrigen Pressekonferenz auch drei Protagonisten geladen. Star auf dem Podium in der Münchner Arena sollte Neu-Vorstand Oliver Kahn sein, Nebendarsteller Präsident Herbert Hainer und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Als sich die Tür zum Presseclub überpünktlich um 11 Uhr öffnete, hüpften allerdings nur zwei Männer die Stufen hinauf. Rummenigge ließ sich entschuldigen, ein Noro-Virus hatte ihn flachgelegt. Und so ergab sich gleich das Motiv, das den FC Bayern eigentlich erst ab 2022 prägen soll.

„Heute beginnt es mit 100 Prozent Bayern München“, sagte Kahn zum Start ins neue Amt, das für ihn folgenden Plan vorsieht: Ab sofort sitzt der 50-Jährige im Vorstand und lernt auf höchstem Niveau, wie er den Verein nach Rummenigges Rückzug in zwei Jahren führen kann, soll und will. Sein Ziel an der Spitze des erfolgreichsten deutschen Fußballclubs sei es, „die Erfolgsgeschichte fortzuführen“, allein das sei „ziemlich reizvoll“. Womöglich könne er noch „eine Schippe drauflegen, das entspricht meinem Charakter“. Man weiß nicht zuletzt aus 14 Profi-Jahren beim FC Bayern: Wenn Kahn etwas will, dann will er es.

Eine gute halbe Stunde dauerte der Auftritt, Kahn gab sich locker in Jeans und Sakko, dazu bestens gelaunt. Er verbarg nicht, dass „die letzten Tage sehr emotional“ gewesen seien, weil der FC Bayern für ihn „eine Herzensangelegenheit“ sei. Natürlich habe er kurz überlegt, als die Gespräche (vor allem mit Uli Hoeneß) über eine mögliche Beschäftigung konkreter wurden, aber: Die Bayern-DNA, so versicherte der dreimalige Welttorhüter, stecke „tief in mir“. Dass er sich zudem als TV-Experte stets mit dem Fußball beschäftigt und nebenher den „Master of Business“ erlangt hat, macht ihm Mut, die Erwartungen erfüllen zu können. „Das Paket gibt mir sehr viel Selbstvertrauen“, sagte Kahn, und auch Hainer bestätigte: „Oliver bedient das Profil ideal. Er ist der richtige Mann.“

Hainer kam nicht oft zu Wort, zu viele offene Fragen gab es an Kahn, der sein Engagement noch nicht kommentiert hatte. Intern hat er da schon mehr mitgemischt, sagte aber: „Auch da will ich es nicht übertreiben. Ich finde es wichtig, unvoreingenommen an den Job zu gehen.“ Natürlich war er bereits involviert in die Trainerpersonalie und die Weiterbeschäftigung von Hansi Flick, und natürlich hat er auch vor der Stippvisite im Trainingslager in Doha (Ankunft gestern Abend) schon mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic über Transfers gesprochen. Der „freie Blick von außen“ (Hainer) soll aber helfen, den Verein nach vorne zu bringen. Kahn: „Nur was sich verändert, bleibt lebendig.“

2008, im Rahmen seines Abschiedsspiels nach 17 Titeln mit den Bayern, hatte Kahn zuletzt auf diesem Podium gesessen, der Verein war damals noch ein anderer. Was sich getan hat seitdem, soll Kahn in den ersten beiden Lehrjahren kennenlernen, er will sich „einen klaren Überblick“ verschaffen. Bis Ende 2020 werden seine Verträge außerhalb des Vereins laufen, dann gilt die Konzentration dem FC Bayern.

Kahn hat einen klaren Plan, behielt diesen aber noch für sich. Das Wort „Visionen“ war ihm für den Anfang zu groß, er gab aber immerhin das Ziel aus, „überall die Nummer eins zu sein“. Ein Augenmerk soll auf dem Nachwuchsleistungszentrum liegen, Kahn wünscht sich eine „klare Spielidee, an der sich alles ausrichten soll“. In Transferfragen will er als „Teamplayer“ agieren, kontrovers, aber am liebsten intern diskutieren (Kahn im Scherz: „Das ist beim FC Bayern nicht immer leicht“). Dass seine Tür immer offen stehen werde, sei klar. Überhaupt, sagte er, wolle er auch im Umgang mit den Spielern für „das familiäre Element stehen“, das in Zukunft „noch wichtiger“ sein werde. Hainer ergänzte: „Keiner kennt die Kabine wie Oliver.“

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