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Protest gegen den Wechselfehler: SC Freiburg polarisiert

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Von: Jan Christian Müller

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Mittendrin in der Debatte: Schiedsrichter Christian Dingert mit Thomas Müller und Christian Streich.
Mittendrin in der Debatte: Schiedsrichter Christian Dingert mit Thomas Müller und Christian Streich. © dpa

Es ist nachvollziehbar, dass der Nischenklub aus dem Breisgau vors DFB-Sportgericht zieht. Doch es könnte auf der Zielgeraden auch erhebliche Unruhe zur Unzeit bringen.

Der SC Freiburg weiß natürlich, dass er mit seinem sauberen Image und seinem klugen Trainer über viele Jahre hinweg im ganzen Land als moralische Instanz wahrgenommen worden ist. Und dass es jetzt, da der Verein Einspruch gegen die Spielwertung des 1:4 gegen Bayern München eingelegt hat, so rüberkommt, als handele es sich beim Vorzeigeklub aus dem Breisgau gar nicht um Gutmenschen im besten Sinne. Sondern um kleinmütige Prozesshansel; um den ollen Spießer von nebenan, der den Nachbarn wegen ein paar überhängenden Ästen vom Apfelbaum gleich vor Gericht zerrt.

Deshalb hat der SC seiner Eingabe beim DFB-Sportgericht eine wortreiche Erklärung für die Öffentlichkeit beigemischt; dass er sich nämlich ausgesprochen unwohl fühlt als Kläger wegen 17 oder 18 Sekunden, die ein gegnerischer Spieler zu viel auf dem Platz stand und dabei noch nicht mal an den Ball gekommen ist.

Aber anders, als etwa nach einer Roten Karte, nach der der DFB-Kontrollausschuss als „Fußball-Staatsanwalt“ automatisch ermittelt und eine Strafe vorschlägt, muss in diesem Fall erst Klage geführt werden. Ansonsten hieße es: Wo kein Kläger, da auch kein Richter. Dass die Breisgauer deshalb die DFB-Statuten kritisieren, ist nachvollziehbar.

Denn somit blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Fall entweder zu den Akten zu legen (und sich hinterher womöglich vorwerfen zu lassen, die eigenen Interessen nicht ausreichend berücksichtigt zu haben) oder aber einen Prozess anzustrengen. Das haben sie getan, und damit trotz aller bemüht mildernder Rhetorik in ihrer Pressemitteilung vorhersehbar polarisiert. In Sozialen Netzwerken gibt es neben Zustimmung auch scharfen Gegenwind in teils unflätigem Vokabular gegen schlechte Verlierer, die wegen einer vermeintlichen Bagatelle nun am großen Rad drehen. Das war zu erwarten.

Prozess kostet Zeit und Kraft

Und das schafft in jenem Klub, der seine Kraft vor allem aus der Ruhe zieht, natürlich erhebliche Unruhe. Denn es ist ja klar, dass dieses Thema aufgrund des großen Gegners FC Bayern medial viel mehr aufgepumpt wird, als hätte, sagen wir, Freiburg gegen Fürth gespielt. Der Prozess unter dem Brennglas der Öffentlichkeit im großen Sitzungssaal „Sepp Herberger“ des Deutschen Fußball-Bundes wird Zeit und Kraft kosten. Als neulich Preußen Münster wegen eines zu viel ausgewechselten gegnerischen Spielers gegen den VfL Wolfsburg prozessierte (und Recht bekam), waren selbst in der Berufungsverhandlung nicht viel mehr als eine Handvoll Medienleute vor Ort. Das wird jetzt anders sein.

Und weil das DFB-Sportgericht auch unter dem neuen Vorsitzenden Richter Stephan Oberholz als Nachfolger des vorzüglichen Hans E. Lorenz sicher sehr seriös über mehrere Stunden hinweg verhandeln wird, werden Freiburger Zeugen anreisen und viel Zeit mitbringen müssen. Nationalspieler Nico Schlotterbeck etwa, Sportchef Jochen Sailer, womöglich auch Trainer Christian Streich. In der Schlussphase der Saison im Kampf um europäische Plätze könnte das kontraproduktiv sein. Richtig und wichtig ist eine Klärung dennoch. Denn die Regel ist ja klar: Fußball wird elf gegen elf gespielt und nicht elf gegen zwölf.

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