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Programmierter Zoff zwischen DFB und DFL

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Von: Jan Christian Müller

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Wollen auch künftig im DFB mitreden: Die designierte Generalsekretärin Heike Ullrich (links) und Spitzenfunktionär Rainer Koch.
Wollen auch künftig im DFB mitreden: Die designierte Generalsekretärin Heike Ullrich (links) und Spitzenfunktionär Rainer Koch. © imago images/ULMER Pressebildagentur

Die Anträge für den Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes am 11. März zeigen: Die Gräben zwischen dem DFB und der DFL sind tief.

Am Wochenende sind bei den Delegierten auf mehr als 160 Seiten die Anträge auf Satzungsänderungen für den am 11. März stattfindenden DFB-Bundestag eingegangen. Klingt langweilig, ist in Wahrheit aber hochbrisant und demonstriert die Zerrissenheit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Deutscher Fußball-Liga (DFL). Es dürfte nicht nur in der erstmaligen Kampfabstimmung ums Präsidentenamt in der 122-jährigen DFB-Historie spannend werden.

Die Streitthemen im Überblick:

• Die 21 DFB-Landesverbände wollen mehrheitlich, dass Bernd Neuendorf DFB-Präsident wird. Die Mehrheit der in der DFL organisierten Bundesligaklubs bevorzugt Peter Peters.

• Der DFB möchte den erst 2019 erschaffenen unabhängigen Vergütungsausschuss, der über die Dotierung der Ehrenamtlichen entscheidet, wieder abschaffen. Die DFL will das nicht.

• Der DFB möchte für eine Vizepräsidentin Diversität und Gleichstellung eine zusätzliche Stelle im DFB-Präsidium schaffen. Die DFL will zwar auch eine Frau für diese Aufgaben, aber nicht als zusätzliche, mit derzeit jährlich 51 600 Euro vergütungspflichtige Position.

• Die DFL möchte fix eine zweite Stelle im gesetzlichen DFB-Vorstand für sich beanspruchen. Dann wäre in der Top-Führung des DFB auch die neue DFL-Chefin Donata Hopfen dabei. Der DFB möchte das nicht.

• Die DFL will, dass ein DFL-Vertreter nicht unbedingt der künftige DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke sein muss, sondern auch ein anderer sein kann. Der DFB findet das nicht so gut.

• Die DFL will, dass ein künftiger DFB-Präsident an allen Sitzungen der Landesverbände teilnehmen darf, um umfassend informiert zu sein. Die Landesverbände finden es besser, nicht pflichtgemäß mit dem neuen DFB-Boss tagen zu müssen.

• Die DFL möchte sicherstellen, dass alle Wahlen durch geheime Abstimmung entschieden werden können. Der DFB hätte es gern wie bisher so, dass bei nur einem Personalvorschlag durch Zuruf auf geheime Wahl verzichtet wird.

• Der DFB-Kontrollausschuss will, dass Vereine statt bis zu 250 000 Euro Strafe bei Fanvergehen künftig bis zu 2 000 000 (in Worten zwei Millionen) Euro zahlen müssen. Die DFL möchte sich zu dem Sachverhalt auf FR-Anfrage ausdrücklich nicht äußern. Streit ist auch hier programmiert.

Die DFL verfügt über eine Sperrminorität, um Satzungsänderungen zu verhindern. Selbst durchsetzen kann sie Anträge nur, wenn viele DFB-Leute sie dabei unterstützen. Während Kandidat Peters sein Team bereits benannt hat, ist Gegenspieler Neuendorf noch nicht soweit. Der Ex-Sprecher des SPD-Parteivorstands um den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder verkündete lediglich, dass er die stellvertretende Generalsekretärin Heike Ullrich zur Chefin der rund 500 DFB-Angestellten befördern will.

Neuendorf befindet sich derzeit auf einer Werbetour in eigener Sache bei den 36 Klubs der beiden Bundesligen. Er sagte im Deutschlandfunk über seine Kandidatur: „Mehr Neuanfang geht nicht.“ Der bayerische Verbandschef und deutsche Abgeordnete im europäischen Verband Uefa, Rainer Koch, gehört laut Neuendorf „auf keinen Fall“ zu seinem Führungsteam. Aber dass Koch weiter wie beabsichtigt eine Rolle im DFB-Präsidium spielt, erkennt Neuendorf an. Die DFL will Koch weghaben, Neuendorf entgegnet kühl: „Ich werde mich nicht von jemandem distanzieren, nur weil andere das fordern.“

Der Hesse Ralf Viktora, den Neuendorfs Gegenkandidat Peter Peters gern als neuen DFB-Schatzmeister dabei hätte, kann ebenso wie die ebenfalls zum Peters-Team gehörende Hessin Silke Sinning nur dann kandidieren, wenn er und sie von einem Landesverband oder der DFL vorgeschlagen würden. Gespräche für Nominierungen laufen im Hintergrund. Der Hessische Fußballverband (HFV) weigert sich, Viktora und Sinning aufzustellen. Die DFL lehnt es auf FR-Anfrage ab, sich zu dem heiklen Thema zu äußern.

Viktora, ehemaliger Regionalliga-Schiedsrichter aus Hainhausen im Landkreis Offenbach, der als Assistent schon zum Team von Top-Referee Deniz Aytekin gehörte, hat wahrgenommen, dass HFV-Präsident Stefan Reuß herb enttäuscht ist, weil Viktora sich dem Team Peters zugehörig fühlt und nicht den von Reuß bevorzugten Neuendorf unterstützt. Aber Viktora gibt im Gespräch mit der FR zu bedenken: „Ich will doch damit Stefan Reuß nicht ärgern, sondern mit dafür sorgen, dass wir im DFB die Einheit des Fußballs gemeinschaftlich gestalten.“ Er bedauert, dass es zum Zerwürfnis gekommen ist und will kein weiteres Öl ins Feuer gießen.

Vor Wochenfrist äußerte er, dass er nicht nachvollziehen kann, weshalb der DFB einen Antrag eingereicht hat, den Vergütungsausschuss wieder abzuschaffen. Dort arbeiten unter anderem Ex-Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen und der ehemalige Wolfsburger Geschäftsführer Wolfgang Hotze. Beide sind irritiert, dass ihr Gremium wegfallen soll. „Es ist doch super, dass wir ein unabhängiges Gremium mit solch anerkannten Persönlichkeiten haben“, findet Ralf Viktora.

Das sehen viele Beobachter:innen und die Deutsche Fußball-Liga ähnlich, nicht aber das Gros der Landesverbandschefs. Der Plan: Eine derzeit noch völlig intransparente und eilig per Dringlichkeitsantrag neu zu regelnde Finanzordnung soll die Bezahlungen der Ehrenamtlichen regeln. Will heißen: Die Funktionäre wollen kurzfristig selbst über ihre Vergütung entscheiden – und sich Verdienstausfälle mutmaßlich höher honorieren lassen, als das Bruchhagen/Hotze-Gremium es bisher erlaubt hat.

DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, Vertrauter von Rainer Koch, wiegelt auf FR-Anfrage ab und führt Termingründe an: „Aufgrund des Vorziehens des Bundestages ist es nicht gelungen, alle Anträge durchzudiskutieren.“ Es gehe lediglich darum, „dass das Thema beim Bundestag entschieden werden kann“. Der Antrag auf Abschaffung des Vergütungsausschusses sei „nicht bis zum Ende durchdacht.“ Zimmermann ließ durchblicken, dass viele Funktionäre mit den restriktiven Entscheidungen des Vergütungsausschusses unzufrieden sind. Sie verweisen unter anderem darauf, dass die DFL ohnehin hochbezahlten Bundesliga-Managern Sitzungsgelder von 1000 Euro zahlt. Das stimmt. Die DFL hat ihre Vergütungen transparent im Internet veröffentlicht.

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