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Ein Bild, an das man sich gewöhnen muss: Geisterfußball, wie hier in Mönchengladbach mit hengladbacher Patrick Herrmann bei einem Eckstoß.

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Profifußball lockert die straffen Zügel

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    Frank Hellmann
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Deutsche Fußball-Liga beschließt erwartungsgemäß längere Zwangspause und setzt den Nachweis von Liquidität im Lizenzverfahren aus.

Christian Seifert hat es nicht gerne, wenn er seinen Gesprächspartnern nicht in die Augen sehen kann. In der ungewöhnlichsten Pressekonferenz seit Bestehen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beantwortete der einsam mit Mediendirektor Christian Pfennig auf dem Podium sitzende DFL-Boss aus der Zentrale im Frankfurter Westend ausschließlich Fragen, die ihn auf virtuellem Wege erreichten. Nur sieben per Skype zugeschaltete Journalisten konnten nach einem streng vorgegebenen Muster in einem sehr professionell gestalteten Ablauf jeweils zwei Fragen stellen. Weiterhin keine klare Antwort konnte es dabei geben, wann nach der durch die Corona-Krise „erzwungenen Warteschleife“ (Seifert) in der Ersten und Zweiten Bundesliga wieder gespielt wird. Aber mehr als zart-zuversichtliche Hinweise gab es schon.

„Es ist immer noch der Stand, dass wir die Saison am 30. Juni beenden wollen. Unter gewissen Voraussetzungen könnten wir das in den Juli verschieben, aber danach kommt auch noch eine neue Saison“, sagte Seifert. Eskalationsszenarien lägen noch nicht auf dem Tisch, „aber wir denken sehr genau nach, wie es weitergehen kann“.

Eingedenk der weiter steigenden Zahl der Infizierten machte der DFL-Chef klar, dass Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit beim Neustart zur Regel werden: „Mindestens bis zum Ende der Saison ist es unrealistisch, davon auszugehen, dass wir nochmal vor vollen Stadien spielen. Was nicht heißt, dass es realistisch ist, dass wir im August vor vollen Stadien wieder anfangen.“

Einstimmig sind die Klubs am Dienstag der Empfehlung des DFL-Präsidiums gefolgt, dass der Spielbetrieb bis mindestens 30. April ausgesetzt wird. Wohlwissend, dass extreme Faktoren wie die Verbreitung des Virus und die Bewertung durch die Politik für die weitere Entwicklung maßgeblich sind, will die Bundesliga das Szenario einer abgebrochenen Saison bislang nicht durchspielen. Das Szenario wäre zu düster, die finanziellen und juristischen Folgen schwerlich zu managen. „Letztlich kann der Profifußball nur funktionieren, wenn gespielt wird“, verdeutlichte Seifert. Daher werde „mit Hochdruck daran gearbeitet, wie wir nach der Krise wieder aufstehen“. Wie zehntausende Unternehmen müsse der Profifußball für einen Neustart Pläne entwerfen, „mindestens braucht es mal eine strategische Idee“. Der 50-Jährige ist darauf eingestellt, dass die Auswirkungen auch die nächste Spielzeit treffen: „Die erste geregelte Saison wird erst wieder die Saison 2021/2022“.

Es war die erste Mitgliederversammlung, in der sich die Vertreter der 36 Lizenzvereine von Kiel bis München, von Meppen bis Dresden über die Kommunikationsplattform „Teams“ austauschten. Nach Seiferts Empfinden stand die Liga „noch nie enger zusammen als in diesen Tagen“. Viele solidarische Aktionen von Klubs und Profis würden vom Verantwortungsgefühl zeugen. Für Erleichterung dürfte bei den finanzschwachen Erst- und Zweitligisten die Ankündigung sorgen, dass es das strenge Lizenzierungsverfahren wegen der kaum planbaren Herausforderungen aufgeweicht wird.

Die Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entfällt, die Liquidität muss erst im Herbst nachgewiesen werden. Konkret bedeutet das für die laufende Spielzeit, dass der Abzug von neun Punkten bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ausgesetzt wird. „In der kommenden Saison würde er nur drei statt wie bisher neun Punkte betragen“, erklärte Seifert, der nicht detailliert über den Zustand einiger Klubs sprechen wollte. Nur so viel: „Einige könnten in eine existenzbedrohende Situation geraten, sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden“ Abhilfe könnten vorgezogene Zahlungen der Medienpartner schaffen. Die demnächst noch ausstehende 300-Millionen-Tranche vom Bezahlsender Sky gilt in einigen Vereinen als überlebenswichtig.

Erneut warb der Liga-Boss für die Sonderrolle des Fußballs. „80 Millionen haben das Virus im Kopf, aber auch der Fußball bedeutet den Menschen sehr viel. Derzeit ist nicht der richtige Zeitpunkt, ein kleines Stückchen Normalität zurückzubringen“, sagte Seifert, aber irgendwann käme die Facette hinzu, „dass die Menschen sich vielleicht freuen, wenn sie sich mal über etwas anderes unterhalten, ja auch ärgern können.“ Gleichwohl dürfe die Bundesliga nichts tun, um wieder zum Gesundheitsrisiko zu werden. Daher wird ausgelotet, wie eine Produktion ohne Stadionzuschauer in einer virenfreie Sonderzone möglich sein kann.

Deshalb verabschiedete die Liga die Einrichtung einer „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“, der Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer vorsteht. Das Gremium soll einen Leitfaden entwickeln, der unabhängige Tests von Spielern und Mannschaftspersonal, Hygienevorschriften beim Mannschaftstraining bis zur Spieldurchführung regelt. Diese Anweisungen würden aber nur auf professionellem Niveau, nicht im Freizeitbereich gelten. Seifert tauschte sich nach der Video-Pressekonferenz noch am selben Abend mit den Ligen-Kollegen in England, Spanien, Italien und Frankreich aus. Bei den ausländischen Kollegen spüre er „eine große Verunsicherung.“ Aber vielleicht ist nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Substanz des Profifußballs hierzulande besser aufgestellt. Seiferts Devise: „Wir müssen unsere Taktik anpassen.“

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