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Die Probleme mit der Dritten Liga

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Im Windschatten der Bundesliga hat sich in der höchsten Spielklasse unter der Obhut des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine Zerreißprobe abgespielt. Der Riss ist schwer zu kitten. Ein Kommentar.

Die dritte deutsche Fußballliga segelt im Windschatten der beiden Bundesligen, die bösen Havarien der vergangenen Tage sind deshalb eher regional an den Standorten der streitenden Klubs wahrgenommen worden. Insider sprechen von einer „Schämwoche“ für die Dritte Liga, die sich einigermaßen desolat, weil völlig zerstritten, präsentiert hat. Die einen (eher die abstiegsgefährdeten Vereine aus dem Osten) wollen einen Abbruch der Saison, die anderen (vor allem die aus Bayern) eine möglichst zeitnahe Fortführung mit Geisterspielen. Der Knatsch könnte größer kaum sein.

Inzwischen reden die Klubs wieder miteinander, eine Videokonferenz am Mittwoch verließen die Teilnehmer nicht nur aufgrund des Social Distancing unversehrt. Ein Minimum an Einigkeit herrscht immerhin, dass man keine weiteren Flanken öffnen will, die einer von verschiedenen Viertligisten – Elversberg, Essen, Offenbach – vorangetriebenen Zweiteilung der Dritten Liga Vorschub leisten. Es soll bei einer einteiligen dritten Spielklasse bleiben.

Und die soll möglichst nicht abgebrochen werden. Denn das wäre nur möglich, wenn dafür ein Außerordentlicher DFB-Bundestag anberaumt würde. 260 Funktionäre müssten, wohl virtuell, teilnehmen, es wäre ein ungeheurer Organisationsaufwand notwendig. Das DFB-Präsidium tagt am Freitag, keines der 19 Mitglieder würde es wagen, in diesem Gremium einen Saisonabbruch voranzutreiben, schon aus Furcht vor persönlicher Haftung bei juristischem Widerstand einzelner Klubs. Anfang nächster Woche konferieren dann die 20 Drittligisten ein weiteres Mal. Es ist alles furchtbar kompliziert; auch, weil die Dritte Liga durch eine Wiederaufnahme der Saison - anders als die beiden Bundesligen - nicht mit Millionensummen aus TV-Einnahmen beglückt würde.

Hinzu kommt ein strategisches Problem: Die Dritte Liga wird vom DFB gemanagt und nicht von der Deutschen Fußball-Liga mit einem bärenstarken Mann wie Christian Seifert an der Spitze. Es gibt zwar seit einem guten halben Jahr einen DFB-Ausschuss Dritte Liga, schön und gut. Aber an dessen Spitze steht der sicher sehr kundige Zweitliga(!)-Manager Tom Eilers von Darmstadt 98, flankiert vom Düsseldorfer Ehrenamtler Peter Frymuth, einem Kumpeltypen, aus Bayern mischt auch Kollege Rainer Koch für seine Klubs noch mit. Gemanagt wird die Dritte Liga von DFB-Direktorin Heike Ullrich. Die 50-Jährige ist eine kluge, fleißige und kompetente Frau, die aber im DFB reichlich weitere Aufgaben wuppen muss. Sie ist nämlich auch für den DFB-Pokal und die Frauen-Bundesliga zuständig. Der Verdacht liegt nah: Die Dritte Liga liegt auf zu vielen Schultern, von denen keine stark genug für stringente Führung ist.

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