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Daniel Sauer, Vorstandsvorsitzender des Drittligisten FC Würzburger Kickers.

Kommentar

Die Probleme des DFB

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Der Deutsche Fußball-Bund kann seine Dritte Liga nicht unterstützen - weil die Finanzbehörden es nicht erlauben und weil ihm langsam auch das Geld ausgeht. Der Kommentar.

Daniel Sauer ist sauer. Der Boss des Drittligisten Würzburger Kickers möchte mehr Unterstützung vom Deutschen Fußball-Bund, der diese Spielklasse organisiert. Konkret verweist Sauer auf eine Aussage des DFB-Schatzmeisters Stephan Osnabrügge, der vor genau einer Woche „Überbrückungshilfen“ angekündigt hatte, „um Liquiditätskrisen zu vermeiden“,

Davon ist jetzt keine Rede mehr. Insoweit erscheint Sauers zunehmende Verzweiflung als Verantwortlicher eines kleinen mittelständischen Fußball-Unterhaltungsbetriebs verständlich. Denn die Schieflage, in welche die Klubs der Dritten Liga gerade geraten, ist bedenklich.

DFB-Finanzchef Osnabrügge musste inzwischen kleinlaut zurückrudern. Die Gewährung von Krediten sei nicht machbar. Er sei deshalb „sehr ernüchtert“. Osnabrügge hatte sich zuvor bei der Finanzaufsichtbehörde Bafin schlau gemacht und dort eine abschlägige Antwort für sein Ansinnen bekommen. Zudem sind dem DFB direkte Zahlungen an Drittligaklubs ohnehin unmöglich, weil der Verband damit seine Gemeinnützigkeit (und somit eine millionenschwere Steuerersparnis) aufs Spiel setzen würde.

Der DFB kann also außer guter Worte nicht viel verteilen, jedenfalls nicht an die Vereine. Immerhin: Die angeschlossenen 21 Landesverbände können ihre insgesamt zwölf Millionen Euro an direkten Zuwendungen vom Dachverband, die sie normalerweise in zwei Tranchen im Mai und November ausgezahlt bekommen, ausnahmsweise vorziehen, damit sie flüssig bleiben.

Ohnehin dürfte Corona auch den DFB hart treffen. Osnabrügge, der die Finanzsituation schon weit vor Corona als kritisch beurteilte, spricht davon, dass „im schlechtesten Fall mit einem Verlust von mehr als 50 Millionen Euro“ zu rechnen ist. Eine fürwahr fette Unterdeckung.

Schon in den vergangenen drei Geschäftsjahren musste der DFB - auch wegen der Steuernachforderung im Zuge der Sommermärchenaffäre - insgesamt 30,5 Millionen Euro aus der Kasse holen, um Verluste auszugleichen. Aus den immer noch üppigen übrig gebliebenen 132 Millionen Euro Rücklagen schiebt der Verband plangemäß 75 Millionen in den Bau des stolzen 150 Millionen Euro teuren Zukunftsprojektes DFB-Akademie. Wenn dazu noch die vom Schatzmeister befürchteten 50 Millionen Euro Jahresverlust aufgrund der Coronakrise kommen sollten, wäre das schöne Fettpolster nahezu komplett weg.

Reichtum ist in diesen schweren Zeiten mehr denn je relativ. Denn die Melkkuh des DFB ist die A-Nationalmannschaft, die dem Verband Jahr für Jahr rund 100 Millionen Euro in die Kasse spült. Wenn auf absehbare Zeit keine Länderspiele mehr stattfinden dürften, gerät der DFB genau dahin, wo die Dritte Liga jetzt schon ist: in Schieflage.

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