Leroy Sané,
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Leroy Sané.

FC Bayern München

Im Privatjet eingeflogen

Nationalspieler Leroy Sané kommt die Bayern günstiger, aber ist er auch noch so wertvoll?

In einem roten Wagen fuhr Leroy Sané nach dem Medizincheck an der Säbener Straße vor. Sein Lockenkopf war gut durch die Scheibe zu erkennen, das Fenster kurbelte der Wunschspieler des FC Bayern München nicht herunter. Beobachtet von zwei Fotografen und einem Kamerateam ging die Fahrt schnell weiter in die Tiefgarage des Vereinsgeländes. Dort sollten nach dem erwarteten Grünen Licht der Ärzte die letzten Formalitäten des längst ausgehandelten Wechsels erledigt werden. Der 21-malige Nationalspieler soll beim FC Bayern München einen Fünfjahresvertrag unterschreiben, über eine Ablöse von knapp unter 50 Millionen Euro an Manchester City wird spekuliert.

Mitten in der Pokal-Vorbereitung des deutschen Meisters, der am Samstag im Berliner Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen das Double feiern will, sorgte die Kunde vom nahenden Vollzug des seit über einem Jahr angebahnten Königstransfers für Freude bei Trainer Hansi Flick. Nach Torhüter Alexander Nübel vom FC Schalke 04 und dem 18 Jahre alten Innenverteidiger Tanguy Nianzou Kouassi von Paris Saint-Germain wäre Sané der dritte Neuzugang für die neue Saison.

Im Gegensatz zu den zwei ablösefreien Transfers für die Zukunft kostet Sané in Corona-Zeiten eine beträchtliche Summe. Doch nachdem das Geschäft in der Folge eines Kreuzbandrisses im vergangenen Jahr nicht zustande kam, sind es nun wohl weniger als die Hälfte der damals taxierten 100 oder mehr Millionen Euro Ablöse. Dazu erwartet Sané in München ein üppiges Gehalt im zweistelligen Millionen-Bereich.

Nachdem der 24-Jährige am Vorabend im Privatjet nach Bayern gedüst war, stand für ihn der obligatorische Untersuchungsmarathon an. Am Mittwoch wurde er dem Vernehmen nach bis in die späten Abendstunden an der Säbener Straße durchgecheckt. Nach einer kurzen Nacht ging es in einem Münchner Krankenhaus mit anderen Untersuchungen weiter.

Sportlich leger war Sané, der einst im Nationalteamkreis mit einem extravaganten Mantel für Aufsehen gesorgt hatte, bei den Schnappschüssen in München gekleidet. Welche Rückennummer sein künftiges Trikot hat, ist nicht bekannt. Es wird über die legendäre Zehn, lange die Zahl von Arjen Robben, spekuliert. Aktuell ist es die Nummer von Philippe Coutinho, der nach dem für weitere zwei Monate verlängerten Leihgeschäft mit dem FC Barcelona den FC Bayern aller Voraussicht nach verlässt.

Nach langer Wartezeit bekommen die Bayern Sané als den nächsten Ausnahmekönner. Einen Spieler, „den du in wichtigen Spielen neben dir wissen willst“, wie Leon Goretzka (25) es vor einigen Wochen beschrieb. Die früheren Schalke-Kollegen kennen sich bestens, aber auch die anderen Nationalteamkollegen wie Serge Gnabry (24), Niklas Süle (24) und Joshua Kimmich (25) sind aus vielen Jahren im DFB-Kreis vertraut.

Die Qualitäten von Sané, Sohn des früheren Fußball-Profis Souleymane Sané und der einst erfolgreichen Gymnastin Regina Weber, sind schon lange unbestritten. Seit dem der vor der WM 2018 von Bundestrainer Joachim Löw für das Turnier aussortierte Nationalspieler Vater geworden ist, soll er auch als Persönlichkeit gereift sein. „Dieser Transfer wird die Attraktivität dieser Mannschaft nochmal verstärken. Das haben die Verantwortlichen gut gemacht“, lobte Ex-Präsident Uli Hoeneß bei Sport1. Der 68-Jährige freut sich über den nächsten deutschen Nationalspieler als Neuzugang. Das von Kapitän Manuel Neuer angeführte DFB-Element beim FC Bayern vergrößert sich damit wieder.

Nach dem Ende der großen Ära von Franck Ribéry und Arjen Robben haben die Münchner durch Sané sowie die bis 2023 unter Vertrag stehenden Gnabry und Kingsley Coman (24) langfristig exquisite Auswahl auf den Flügeln. Die Zukunft des von Inter Mailand ausgeliehenen Ivan Perisic ist offen. Er könnte als Backup länger als über die bislang vereinbarten zwei Monate bleiben. (dpa)

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