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Michel Platini stand bereits 2016 wegen Korruption vor Gericht.

FIFA

„Private Korruption“

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Michel Platini wegen WM-Vergabe an Katar in Polizeigewahrsam.

Es ist eine kleine Bombe, die das französische Newsportal Mediapart am früheren Dienstag platzen ließ – denn die Folgen gehen weit über die Fußballwelt hinausgeht. Laut Mediapart hat die Anti-Korruptions-Einheit der französischen Kriminalpolizei in Paris-Nanterre den ehemaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini (63) am Dienstagmorgen in Gewahrsam genommen.

Dabei geht es um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Andere gewichtige Kandidaten wie die USA waren vor neun Jahren überraschend auf der Strecke geblieben. Den Umschwung soll Platini ermöglicht haben, indem er vier von ihm kontrollierte Stimmen auf Katar übertrug. Die Ermittlung lautet auf „private Korruption“, „Bandenbildung“ sowie Veruntreuung.

Platini habe „sich nichts vorzuwerfen und absolut nichts falsch gemacht“, heißt es in einer über seinen Anwalt William Bourdon verbreiteten Erklärung: „Michel Platini ist gelassen und präzise, er beantwortet alle Fragen. Auch jene zur Vergabe der EM 2016, und er hat nützliche Erläuterungen gegeben.“

Noch bedeutsamer ist, dass auch der frühere Generalsekretär des französischen Präsidialamtes, Claude Guéant mit dem Statut eines „freien Verdächtigen“ verhört wird, wie Mediapart berichtet. Guéant war von 2007 bis 2011 die rechte Hand von Staatschef Nicolas Sarkozy, bevor er Innenminister Frankreichs wurde.

Der für alle Fußballaktivitäten gesperrte frühere UEFA-Präsident Michel Platini ist von der französischen Polizei in Gewahrsam genommen worden.

Seine Vernehmung gilt laut Mediapart einer Sitzung, die er am 23. November 2010 im Elysée-Palast organisiert hatte. Neben Gastgeber Sarkozy nahmen daran Platini und der katarische Prinz Tamin bin Hamad al-Thani teil. Sie sollen einen weitreichenden Deal vereinbart haben: Platini habe zugesagt, zehn Tage später im Fifa-Ausschuss für Katar und nicht wie ursprünglich beabsichtigt für die USA einzutreten. Im Gegenzug soll sich das Scheichtum bereit erklärt haben, den Fußballklub Paris-Saint Germain zu übernehmen und in Frankreich eine TV-Sportkette aufzubauen. 2011 kaufte sich Katar bei PSG ein.

Wie das Pariser Magazin „France Football“ schon in diesem Januar enthüllt hatte, soll Sarkozy außerdem dafür gesorgt haben, dass französischen Baufirmen in Katar den Zuschlag für die Errichtung von Fußballstadien erhielten. Diese Meldung könnte die Anti-Korruptionsermittler auf den Plan gerufen haben. Dass sie Sarkozy nicht selber vorlädt und seinen Sekretär Guéant nur als „freien Verdächtigen“ vernimmt, zeigt einmal mehr, wie schwer sich die französische Justiz damit tut, ehemalige Staatspräsidenten wie normale Bürger zu behandeln.

Nicolas Sarkozy (64) wird derzeit wieder vermehrt als Retter der französischen Republikaner ins Spiel gebracht, nachdem diese bei den Europawahlen von Ende Mai eine schwere Schlappe erlitten hatten. Würde der konservative Ex-Präsident in das Katar-Gate verwickelt, käme ein politisches Comeback für ihn wohl nicht mehr infrage.

Die politischen Folgen der Korruptionsaffäre sind noch unabsehbar. In Paris wird Präsident Emmanuel Macron die Ermittlung gegen Guéant und Sarkozy kaum hintertreiben. Dies auch deshalb nicht, weil Paris Katar nicht mehr als „strategischen Partner“ betrachtet, sondern sich eher dem katarischen Gegner Saudi-Arabien annähert.

Die USA werden nicht erfreut sein zu realisieren, dass die Fäden der vorentscheidenden WM-Absprache möglicherweise im Elysée-Palast zusammenliefen. Das hatte der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter schon im März gegenüber der Agence France Presse angedeutet: Laut seiner Darstellung hatte Sarkozy seinen Landsmann Platini persönlich gebeten, für die WM in Katar zu votieren. Die vier vom ihm kontrollierten Stimmen im 24-köpfigen Exekutivbüro der Fifa hätten schließlich den Ausschlag gegeben, rechnete Blatter vor. Denn die USA unterlagen gegen Katar mit acht gegen 14 Stimmen.

Platini, der die Uefa von 2007 bis 2015 geleitet hatte, ist von der Ethikkommission der Fifa bis zum Herbst vom Fußballgeschäft ausgeschlossen worden, nachdem er von Blatter 1.8 Millionen Euro als Beratersalär erhalten hatte.

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