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Kevin-Prince Boateng spielte zuletzt in Italien in der Serie A.

Kevin-Prince Boateng

Den Prince zieht es zu Messi

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Transferhammer: Der Ex-Eintracht-Spieler Kevin-Prince Boateng schließt sich dem großen FC Barcelona an.

Eigentlich hätte Kevin-Prince Boateng am Montag vor den Toren Frankfurts erscheinen sollen. Im Sulzbacher Kinokomplex wurde der aufwendig produzierte und reichlich Emotionen weckende Pokalsieger-Film der Eintracht vor geladenen Gästen erstmals gezeigt, darunter die Protagonisten, die den historischen Erfolg von Berlin als Hauptdarsteller einfuhren, also zum Beispiel Ex-Trainer Niko Kovac, Torwart Lukas Hradecky oder Marius Wolf. Auch Boateng wollte kommen, er spielte ja nicht nur im Endspiel eine tragende Rolle, doch dann kam dem 31-Jährigen noch etwas dazwischen, etwas nicht ganz unwichtiges. Denn der Offensivspieler, zuletzt beim italienischen US Sassuolo unter Vertrag, steht auf seine alten Tagen vor dem größten Wechsel seiner so bewegten Karriere: Boateng wird sich dem spanischen Renommierklub FC Barcelona anschließen und damit Kollege von Lionel Messi. Das kann man mit Fug und Recht als Transferhammer bezeichnen.

Boateng bestätigt Wechsel

Italienische und spanische Medien, darunter der bestens informierte Sky-Mann Gianluca Di Marzio und die für gewöhnlich gut unterrichtete „Marca“, hatten Wind von dem Deal bekommen und verbreiteten die Nachricht, die in der Fußballwelt mit einiger Wucht einschlug. Der Italiener Gianluca Di Marzio hatte damals, im August 2017, auch den Wechsel Boatengs von Las Palmas zu Eintracht Frankfurt als erster verkündet. Inzwischen hat Boateng auch selbst bestätigt. „Barca, ich komme!“, sagte er am Montag dem Sender Sky Sport Italia. „Ich bin traurig, dass ich Sassuolo verlasse, aber es ist eine große Chance.“ Boateng wird am Dienstag um 13.00 Uhr auf einer Pressekonferenz in Barcelona offiziell vorgestellt.

Die Laufbahn des früheren ghanaischen Nationalspielers nimmt damit urplötzlich noch mal richtig Fahrt auf. Davon war nicht unbedingt auszugehen, als sich der Leithammel im Sommer dazu entschied, der Eintracht nach nur einem Jahr wieder den Rücken zu kehren. In Frankfurt war man davon ausgegangen, dass der Routinier seine Karriere in Italien ausklingen lassen würde. „Mit dem Pokalsieg hat sich für mich der Kreis in Deutschland geschlossen“, sagte Boateng seinerzeit. „Ich verlasse die Eintracht mit einem guten Gefühl. Es war ein überragendes Jahr für mich.“ Boateng hat in nur zwölf Monaten tiefe Spuren hinterlassen, wurde bei seiner Verabschiedung im Oktober von den Fans nach allen Regeln der Kunst abgefeiert.

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic hatte Worte gehalten und den extrovertierten Charakterkopf aus seinem Vertrag entlassen. „Ich habe mit Prince bei seiner Verpflichtung abgemacht, dass wir ihm später einmal keine Steine in den Weg legen würden, wenn er einen Wechselwunsch hat“, sagte Bobic. „Dieser Wunsch ist nun da, weshalb ich mein Wort natürlich halte.“ Die Eintracht ging bei dem Wechsel also leer aus, Boateng wechselte ablösefrei nach Sassuolo. Die Italiener machen jetzt hingegen Kasse, die Leihgebühr soll bei rund zwei Millionen Euro liegen, der spanische Meister hat sich zudem eine Kaufoption gesichert, die bei acht Millionen Euro liegen soll. Boateng hatte sich bereits am Morgen von seinen Mitspielern verabschiedet, am Nachmittag war er nach Spanien gereist.

Boateng hat in Frankfurt eine klasse Saison gespielt, in den großen Spielen war auf ihn Verlass, da war er ein echter Anführer, zog die Aufmerksamkeit auf sich, leitete das Team an. Allerdings hatte er in weniger bedeutsamen Partien Probleme, sich zu motivieren. Das räumte er in privaten Gesprächen offen ein. In Frankfurt waren sie daher davon ausgegangen, dass er nicht noch einmal so eine Runde würde spielen können.

In Italien schlüpfte er ebenfalls gleich in die Chefrolle, erzielte in 15 Pflichtspielen fünf Tore und bereitete zwei Treffer vor, ehe ihn eine Leistenverletzung stoppte. In Barcelona soll er als Backup einspringen, zum einen im Mittelfeld für den am Kreuzband verletzten Rafinha, Bruder von Bayern-Spieler Thiago, und ganz vorne in der Spitze für Mittelstürmer Luis Suarez. Es gibt unangenehmere Aufgaben.

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