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Premier League vor dem Saisonstart: Ranziger Champagner

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Von: Jakob Böllhoff

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Im Blickpunkt in seinem neuen Klub Manchester City: Erling Haaland.
Im Blickpunkt in seinem neuen Klub Manchester City: Erling Haaland. © dpa

Der englische Profifußball hat sich wie kein anderer dem Kapitalismus an den Hals geworfen. Die Besitzer der Klubs sind in den meisten Fällen profitgierige Investoren. Ein Kommentar.

Wir gratulieren einem Monster: Die englische Premier League wird 30 Jahre alt. Im August 1992 nahm die oberste Liga auf der Insel erstmals den Spielbetrieb auf, es war der Versuch, den maroden englischen Fußball zu modernisieren, ihn zu professionalisieren, ihn zu monetarisieren. Der Versuch ist gelungen. Wenn die Premier League an diesem Wochenende in eine neue Saison geht, gibt es keinen moderneren, professionelleren, monetarisierteren Wettbewerb in diesem Sport.

Der englische Profifußball hat sich wie kein anderer dem Kapitalismus an den Hals geworfen. Die Besitzer der Klubs sind in den meisten Fällen profitgierige Investoren, und manchmal sind es ganze Länder, die hoffen, ihren schlechten Ruf aufzupolieren durch die Erfolge der von ihnen gesponserten Klubs (von Vereinen zu sprechen, verbietet sich). Manchester City (Vereinigte Arabische Emirate) und Newcastle United (Saudi-Arabien) sind Musterbeispiele für dieses sogenannte Sportwashing.

Neu ist das nicht. Aber man sollte es sich hin und wieder in Erinnerung rufen, wenn einen diese außer Rand und Band geratene Liga mal wieder in ihren Bann zu ziehen droht. Denn die Premier League ist 30 Jahre nach ihrer Gründung beides: Dystopie und Utopie ihrer selbst. Schwarze Magie. Wer zu lange hinschaut, taumelt den bunten Lichtern entgegen und wird verschluckt von einem hypnotischen Zirkusspektakel. Vorhang auf für den Ägypter Mohamed Salah vom FC Liverpool, der sich schneller um sich selbst dreht als der schnellste Kreisel; für den Norweger Erling Haaland, von Borussia Dortmund zu Meister Manchester City gewechselt, die Mensch gewordene Dampfwalze; für das Gesicht von Liverpool-Trainer Jürgen Klopp, bei dem man gespannt sein darf, was es dieses Mal Frisches zu bieten hat nach großzügigen Überholungen in den Bereichen Haar, Zähne, Augen.

Premier League startet

Vielleicht muss man sich ein bisschen blenden lassen von Klopps strahlender Kauleiste, um die Premier League zu genießen und ihre Hintergründe zu vergessen. Wem dies gelingt, der darf sich natürlich auf große Unterhaltung freuen. Spannung? Vielleicht sogar das. Liverpool und City haben in den vergangenen Spielzeit ein faszinierendes Kopf-an-Kopf-Rennen gezeigt, das auf eine Neuauflage wartet. City hat sich in erster Linie mit Haaland verstärkt, wobei sich erst weisen muss, wie sein Wuchtbrummenfußball in die Feinfüßlertruppe von Trainer Pep Guardiola passt. Der Druck auf dem jungen Mann ist riesig, und er ist nicht kleiner geworden, seit er bei der Supercup-Niederlage gegen Liverpool reihenweise hochklassige Chancen versemmelte.

Dennoch ist City der Topfavorit auf den Titel, während Lokalrivale Manchester United maximal Favorit ist auf die nächste Blamage. Der Traditionsklub, immerhin sieben Mal Meister in den ersten zehn Jahren der Premier League, hat einen neuen Trainer (Erik ten Haag) und einen alten Problembär (Cristiano Ronaldo). Bei United ist der Champagner längst ranzig geworden. Und es ist das beste Beispiel dafür, dass das Monster Premier League gerne mal seine eigenen Kinder frisst. Wohl bekomms.

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