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Meister ihres Fachs: City-Coach Guardiola (li.) und Liverpool-Trainer Jürgen Klopp.

Manchester City und FC Liverpool

Premier League: Zwei Giganten und vier Jäger

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Die englische Fußball-Liga startet am Freitag in die neue Saison, Manchester City und der FC Liverpool sind die großen Favoriten - doch das Verfolgerfeld dahinter ist so dicht wie lange nicht mehr.

Pep Guardiola und Jürgen Klopp haben sich nach dem Champions-League-Sieg des FC Liverpool ein Versprechen gegeben: „Wir werden uns wieder gegenseitig in den Hintern treten“, erzählte Klopp nach dem Gratulationsanruf vom Teammanager von Manchester City. Die beiden Teams haben sich in der vergangenen Saison ans Limit getrieben. Nach 38 Spieltagen hatte Liverpool 97 Punkte auf dem Konto. In 116 von 119 Erstliga-Spielzeiten in England hätte das zum Titel gereicht. Dumm nur, dass City 98 hatte und nach den 100 Punkten in der Saison zuvor den zweiten Titel in Folge einfuhr. Auch international dominierten die englischen Klubs. Der FC Chelsea gewann das Finale der Europa League gegen den FC Arsenal. Liverpool sicherte sich seinen fünften Triumph in der Königsklasse gegen Tottenham. Am Freitag (21 Uhr) startet die Premiere League in die neue Saison mit der Partie zwischen dem FC Liverpool und Aufsteiger Norwich City. Manchester City und der FC Liverpool gehen als überwältigende Favoriten in die Spielzeit 2019/2020. Gejagt werden die zwei Giganten von Manchester United, Chelsea, Arsenal und Tottenham. Eine Analyse der Top Sechs des englischen Fußballs.

Manchester City:Die Premier League, betont Pep Guardiola bei jeder Gelegenheit, ist der wichtigste Wettbewerb. Der von Exzellenz getriebene Katalane würde niemals in der Liga kürzer treten, um in seinem vierten Jahr bei den Himmelblauen endlich die Champions League zu gewinnen. Aber vielleicht werden die Citizens im FA-Cup und Ligapokal, beide Wettbewerbe haben sie zuletzt gewonnen, mehr rotieren. City hat im Sommer den langjährigen Kapitän und Innenverteidiger Vincent Kompany verloren, der Spielertrainer in Anderlecht wird. Nur drei Spieler wurden verpflichtet: Der spanische defensive Mittelfeldspieler Rodri kam für 70 Millionen Euro von Atletico Madrid. Dazu Landsmann Angelino von PSV Eindhoven, eine weitere Alternative für die Position des Linksverteidigers, sowie Rechtsverteidiger Joao Cancelo, der im Tausch mit Danilo von Juventus Turin kommt. Die City-Profis mögen körperlich nicht die größten sein, doch die Spieler haben das Pass- und Positionsspiel von Guardiola so verinnerlicht, dass sie allen anderen Teams spielerisch weit überlegen ist. Nur bei permanentem Pressing kommen sie mitunter in Schwierigkeiten.

FC Liverpool:Dieses Stilmittel beherrscht wiederum Jürgens Klopps Team in Perfektion. Die Reds haben im Sommer lediglich in die Zukunft investiert und den 17-jährigen niederländischen Innenverteidiger Sepp van den Berg von PEC Zwolle geholt. Aber: „Für mich sind die Vertragsverlängerungen von Trent Alexander-Arnold oder Andy Robertson, wie Verpflichtungen“, sagte Klopp. Sein Team ist eingespielt, weiß, was der Coach will und hat nichts an Qualität eingebüßt. Probleme könnte Liverpool nur bekommen, wenn sich mehrere Leistungsträger gleichzeitig verletzen. Offensiv fehlen Liverpool die Alternativen, um Roberto Firmino, Mohamed Salah und Sadio Mané langfristig gleichwertig zu ersetzen. Da hat City mehr Möglichkeiten.

So viel TV-Geld kriegt die Premier League, und so kann man sie schauen

Die 20 Premier-League-Klubs haben in der vergangenen Saison aus TV-Rechten 2,68 Milliarden Euro eingenommen. Spitzenreiter war der Vizemeister und Champion-League-Sieger FC Liverpool mit 166 Millionen Euro. Absteiger Huddersfield Town, der Letzter wurde, bekam 105 Millionen Euro.

Die internationalen TV-Einnahmen machten dabei 944 Millionen Euro aus, die zu gleichen Teilen an die Klubs ausgeschüttet wurden - rund 47 Millionen Euro. Aus dem heimischen TV-Betrag wurden 751 Millionen Euro zu gleichen Teilen verteilt - rund 37, Millionen Euro.

Weitere 879 Millionen Euro wurden je nach Endplatzierung und nach Anzahl der Übertragungen ausgeschüttet.

Von den 380 Partien werden in England nur 190 Spiele live gezeigt. Sky zeigt 128 Spiele, BT Sports 52 und Amazon Prime, die erstmals Livespiele übertragen, streamen 20 Spiele.

In Deutschland hat sich Sky für die nächsten drei Jahre die TV-Rechte gesichert und den Streamingdienst Dazn ausgestochen. Dafür soll Sky pro Saison rund 20 Millionen Euro zahlen. Zum Vergleich: In der Saison 2013 bis 2016 soll Sky noch drei bis vier Millionen Euro gezahlt haben, Dazn in den vergangenen drei Jahren rund zwölf Millionen Euro. Sky wird 232 Spiele live zeigen - also mehr als in England. Dazu gibt es Hintergrundberichte, Analysen, Interviews und ein Magazin. 

FC Chelsea:Gleichwertig ersetzbar ist auch ein Spieler wie Eden Hazard nicht, der im Sommer für 100 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte. Das muss das Kollektiv auffangen. Das zu formen, ist die Aufgabe vom neuen Teammanager Frank Lampard – ohne einen einzigen Spieler verpflichten zu dürfen aufgrund einer von der Fifa bis nächsten Sommer verhängten Transfersperre. Christian Pulisic wurde bereits im Winter für 60 Millionen Euro von Borussia Dortmund losgeeist, der ausgeliehene Matteo Kovacic durfte fest verpflichtet werden. Lampard muss trotz allem eine Spielphilosophie und eine Vision entwickeln. Das wird im ersten Jahr Zeit brauchen, um oben anzuklopfen.

Tottenham Hotspur:Oben angeklopft, aber nie eine echte Titelchance hatte auch das Team von Maurizio Pochettino in den vergangenen Jahren. Daran dürfte sich auch diesmal nichts ändern. Tanguy Ndombélé wurde zwar für 60 Millionen Euro aus Lyon geholt, um das defensive Mittelfeld zu stärken, dafür wurde Rechtsverteidiger Kieran Trippier an Atletico Madrid abgegeben. Doch die Nordlondoner sind immer noch zu abhängig von Stürmer Harry Kane und ihren Topstars Christian Eriksen, Dele Alli und Heung Min Son. Selbst eine erneute Qualifikation für die Champions League ist in Gefahr.

FC Arsenal:Denn die Gunners wollen mit aller Macht unter die ersten Vier und haben offensiv aufgerüstet. Der 24-jähriger ivorische Stürmer Nicolas Pépé ist für 80 Millionen Euro aus Lille gekommen. Dazu wurde der hochveranlagte Dani Ceballos von Real Madrid ausgeliehen, um die Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang und Alexandre Lacazette einzusetzen. Teammanager Unai Emerys größte Sorge bleibt jedoch die Defensive um die Innenverteidiger Shkodran Mustafi und Sokratis. Vergangene Saison kassierte Arsenal 51 Tore. Abhilfe soll da Routinier David Luiz, 32, schaffen. Der Brasilianer kam am letzten Transfertag vom Londoner Stadtrivalen Chelsea.

Manchester United:Harry Maguiwird die Abwehrprobleme von United ziemlich sicher lösen. Der Nationalspieler ist für 87 Millionen Euro von Leicester City gekommen und somit der teuerste Verteidiger der Welt. Er bringt die Autorität und Robustheit mit, die dem englischen Rekordmeister vorher gefehlt hat. Rechtsverteidiger Aaron Wan-Bissaka, der für 55 Millionen Euro von Crystal Palace kam, soll Tempo machen. Dafür verließ Romelu Lukaku die Red Devils in Richtung Inter Mailand für 75 Millionen, sodass die Last im Sturmzentrum jetzt alleine auf Marcus Rasfhord liegt. Teammanager Ole Gunnar Solksjaer will, dass sein Team das Spiel selbst gestaltet und die Gegner attackiert. Inwiefern schwierige Charaktere wie Paul Pogba oder Alexis Sanchez mitziehen, ist jedoch stark erfolgsabhängig. Und umgekehrt.

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