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Hertha-BSC-Manager Michael Preetz

KOMMENTAR

Preetz muss aufpassen

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Mit der Verpflichtung von Lucas Tousart tätigt Hertha BSC einen Rekordtransfer. Jetzt motzt Jungstar Arne Maier. Für den Manager ist das eine gefährliche Situation. Ein Kommentar.

Französische Fußballer gelten inzwischen als besonders werthaltige Exportartikel. Hertha BSC hat bislang allerdings mit Profis aus dem Weltmeisterland kaum Erfahrungen gesammelt. Ibrahima Touré, Nationalspieler von Guinea, aber mit französischem Pass unterwegs, kam unter Lucien Favre mal zu einem Bundesligaeinsatz. Und Christopher Samba, ein kräftiger Abwehrmann, spielte 2007 noch 20 Mal. Mehr frankophone Befruchtung war bei der Alten Dame nicht. Lucas Tousart soll nun die Vereinsgeschichte ein bisschen nachhaltiger prägen.

Kein Weltmeister wie die beim FC Bayern angestellten Stars Lucas Hernandez, Benjamin Pavard oder Corentin Tolisso, aber ein Neuzugang mit gutem Ruf: Der Mittelfeldspieler soll eine feine Technik, große Zweikampfstärke und natürlich eine ordentliche Taktikschulung besitzen, die ihn zum Leistungsträger bei Olympique Lyon hat werden lassen. Der 22-Jährigen kam einst für nur 2,6 Millionen Euro Ablöse aus Valenciennes nach Lyon. Übrigens eine sehr lebendige und schöne Stadt, die in einem famosen Stadion am Stadtrand in dieser Saison wieder Champions-League-Spiele erlebt.

Das Berliner Olympiastadion hingegen ist weitläufig, zugig, oft nur halbvoll, und der Fußball auch unter Chefreformer Jürgen Klinsmann selten schön anzusehen. Dass Tousart trotzdem wechselt, kann nur damit erklärt werden, dass die Berliner ihre Finanzquellen anzapfen, die ihnen der Investor Lars Windhorst zur Verfügung gestellt hat. Tousart kostet stolze 24 Millionen Euro, das Gehaltspaket für einen langfristigen Vertrag dürfte fast ein ähnliches Volumen haben. Nie war ein Hertha-Spieler teurer. Doch ein „Big-City-Club“, zu dem Hertha ja unter Dauerlächler „Klinsi“ aufgebaut werden soll, muss ja klotzen, nachdem bisher mit der Verpflichtung des vormaligen Stuttgarter Zweitligaspielers Santiago Ascacibar eher gekleckert wurde.

Dumm nur, dass Tousart in der Rückrunde noch nicht helfen kann: Zunächst wird der 22-malige U21-Nationalspieler Frankreichs erstmal an seinen bisherigen Klub zurückverliehen. Was den Vorteil hat, dass der Hoffnungsträger erst mal weiter für Olympique in der Königsklasse spielen kann.

Der schöne Deal hat noch einen Haken: Herthas Eigengewächs Arne Maier ist plötzlich stinksauer. Der 22-Jährige, der vor nicht allzu langer Zeit zum Gesicht des Klubs aufgebaut werden sollte und von U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz schon in den höchsten Tönen gelobt wurde, fühlt sich unter Klinsmann wie das fünfte Rad am Wagen.

Manager Michael Preetz hat ihm zwar mitgeteilt, der Junge solle, bitteschön, topfit werden und um seinen Platz kämpfen, aber Maier hat lieber gegenüber Berliner Medien gesagt, dass er solche Statements mit Verwunderung aufnehme. Man plane doch offensichtlich nicht mehr mit ihm.

Wer bitte hat denn nun das Sagen? An dieser Dissonanz zeigen sich die Tücken, wenn es dem Trainer (und Geldgeber) mit dem Vorankommen nicht schnell genug gehen kann, der Manager aber eigentlich eine behutsamere Entwicklung verfolgt. Preetz wird aufpassen müssen, dass der mit der gewaltigen Windhorst-Finanzspritze verbundene abrupte Strategiewechsel nicht noch ihm selbst den Job kostet.

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